Sie spielen und spielen und spielen. Wer bei World of Warcraft erfolgreich sein will, braucht viel Zeit. Denn die Helden in der Welt Azeroth müssen Dutzende von Quests bestehen. So gewinnen sie verzauberte Ringe und mächtige Schwerter, kämpfen gegen Magier oder finden einen "Tank", einen starken Beschützer. World of Warcraft ist noch immer eines der beliebtesten Rollenspiele. Das Computermagazin Chip bescheinigt ihm die höchste Suchtgefahr, dicht gefolgt von "Mass Effect 2", einem Krieg-der-Sterne-Spiel. "Herr der Ringe" dagegen steht nur auf Platz zehn der Computersucht-Liste.
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Studie: Computersucht betrifft 560 000 Deutsche
"Exzessives Computerspielen oder ständiges Surfen im Internet kann zur Sucht werden", sagt Klaus Wölfling, der psychologische Leiter der Ambulanz für Spielsucht am Klinikum der Johannes Gutenberg Universität in Mainz. Seit 2008 können sich in der Ambulanz auch Betroffene von Computersucht und Internetabhängige beraten lassen und eine Gruppentherapie machen. "Computerspielsucht ist leider nicht extrem selten, wie vor einiger Zeit fälschlicherweise gemeldet wurde", betont Wölfling. Kürzlich ermittelte die erste repräsentative Studie zur Häufigkeit der Internetabhängigkeit (PINTA I) die wahren Zahlen. Danach haben 560000 Menschen in Deutschland jedes Maß verloren, wenn sie am Computer sitzen. Bei den 14- bis 24-Jährigen ist die Gefahr am größten.
Nicht jeder, der stundenlang im Internet surft, ist schon süchtig. Bedenklich sind jedoch folgende Anzeichen: In Gedanken ständig bei den letzten Online-Aktivitäten sein; die Surfzeiten werden immer länger; man wird gereizt, depressiv oder ruhelos, wenn man nicht online ist oder jemand versucht, den Computer auszuschalten. "Das zentrale Kriterium für eine bestehende Sucht ist aber das unwiderstehliche Verlangen, am Computer zu spielen", sagt Klaus Wölfling. Zwar ist die "Internet addiction disorder" bislang nicht als Suchterkrankung anerkannt. Die Forschung ist sich auch noch nicht einig, ob die pathologische Computernutzung eher den Zwangsstörungen oder den Abhängigkeitserkrankungen zuzurechnen ist. Doch Verhaltenstherapeut Wölfling glaubt, dass die Aufnahme der Computersucht in den DSM Katalog (Diagnostisches und Statistisches Handbuch psychischer Störungen) nur eine Frage der Zeit ist.
Computersucht: Das Gehirn verändert sich
Forscher der Berliner Charité haben bereits vor einigen Jahren mit hirnphysiologischen Untersuchungen nachgewiesen, dass exzessive Computerspieler ähnlich intensiv auf Spieleszenen reagieren wie Alkoholiker, wenn sie Bilder von Wein- und Schnapsflaschen sehen. In einer neuen Studie zur Computersucht berichten chinesische Wissenschaftler über Veränderungen an der weißen Hirnsubstanz. Die Leitungsbahnen im Gehirn sollen, so die Forscher, ähnliche Merkmale zeigen wie sie schon bei Kokain- und Marihuanasüchtigen nachgewiesen wurden.
Die Folgen für Menschen, die ganz in virtuelle Welten abtauchen, können gravierend sein. Sie kaufen z. B. nur noch das allernötigste ein, um den Rest des Tages am PC zu verbringen. "Der Schlafrhythmus ist völlig verschoben, weil es ja keine normalen Tag- und Nachtzeiten mehr gibt", meint Klaus Wölfling. Je stärker die Computersucht, desto stärker wird auch die soziale Isolation in der realen Welt. Die Konzentrationsfähigkeit lässt nach. Computersüchtige riskieren sogar eine Partnerschaft oder ihre Arbeitsstelle.
In der Therapie gegen Computersucht die Kontrolle gewinnen
Die Therapie gegen Computersucht verfolgt zwei Ziele: zu erkennen, warum und wann das Verlangen nach dem Computer nicht mehr kontrollierbar ist und wieder zu lernen, den Computer sinnvoll für Beruf und Alltag zu nutzen. "Den Patienten werden zunächst die problematischen Verhaltensmuster bewusst und sie lernen in der Verhaltenstherapie zum Beispiel, wie er oder sie am besten mit Frustrationen umgeht. Im Kompetenztraining üben sie dann Fähigkeiten wie Selbstsicherheit, Kontakt schließen und Nein sagen können", erklärt Wölfling. Um an der Mainzer Gruppentherapie teilnehmen zu können, schließen die Teilnehmer einen "Abstinenzvertrag". Fünf bis sechs Wochen lang müssen sie sich von Internet und Computer fernhalten. Später notieren sie in Wochenprotokollen, wie oft sie gespielt und was sie dabei gefühlt haben. Schritt für Schritt sollen die Patienten die Kontrolle über den Computer gewinnen. Ein Mittel um Dauersurfen einzugrenzen wäre, sich vor dem Einschalten aufzuschreiben, welche Seiten man besuchen will – und sich dann genau an diesen Plan zu halten.
Internetabhängigkeit und Computersucht geht durch alle Schichten, sagen Experten. In die Mainzer Ambulanz kamen in den ersten Jahren vor allem Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 17 und 25 Jahren. Nun melden sich vermehrt auch Menschen zwischen 30 und 50 Jahren. Junge Männer verfallen meist Online-Spielen, junge Frauen führen ein virtuelles Leben vorwiegend in sozialen Netzwerken.




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