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Wechseljahre

Keine Opfer der Hormone

| Von Sabine Abel

Frauen vor der Menopause fühlen sich oft als "Opfer der Hormone". Jutta Kubatz hilft ihnen, neue Sicherheit zu finden. Sie ist Wechseljahresberaterin

Die Protagonistinnen der ZDF-Serie "Klimawechsel" trotzen der Hormonumstellung mit Sport Foto: ZDF/Kerstin Stelter

Zur Person

Jutta Kubatz baute in den 80er-Jahren in Berlin das erste Geburtshaus Deutschlands mit auf und leitete Kurse zur Geburtsvorbereitung. Es folgte eine Ausbildung zur Atem- und Bewegungslehrerin. Später arbeitete die Mutter einer 29-jährigen Tochter lange Jahre im Pflegedienst. Bei der Gesellschaft für Geburtsvorbereitung – Familienbildung und Frauengesundheit (GfG) machte sie vor 10 Jahren die Ausbildung zur Wechseljahresberaterin. Heute bildet sie dort auch selbst Beraterinnen aus. Sie bietet Einzelberatungen an (30 Euro pro Termin), außerdem, gemeinsam mit Yoga-Lehrerin Alice Sander, Kurse zum Beckenbodentraining.

Infos zur Wechseljahresberatung bei der GFG unter Tel. 030 45026920 oder www.gfg-bv.de. Inzwischen bilden auch andere Institutionen Wechseljahresberaterinnen aus.

"Ich hatte auch Hitzewallungen, aber das stand nicht so im Vordergrund. Vor allem hatte ich wahnsinnige Konzentrationsprobleme. Das ging so weit, dass ich dachte, ich bekomme einen Burn out", schildert die Berliner Familienhelferin und Yoga-Lehrerin Alice Sander den Beginn ihrer Wechseljahre vor zwei Jahren. "Die Beratung bei Jutta Kubatz hat mir dann sehr geholfen", sagt sie. Jetzt sitzt die 57-Jährige ganz entspannt mit Wechseljahresberaterin Jutta Kubatz in ihrem Yoga-Studio.

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"Ich habe gedacht, alle meine Probleme sind hormonell bedingt, ich fühlte mich als Opfer der Hormone", sagt Alice Sander. Jutta Kubatz half ihr, einen anderen Blickwinkel zu finden: Die beruflichen Belastungen haben in der Familienhilfe in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Dazu kamen Stress durch den Aufbau der Yoga-Schule und private Probleme. Es wurde klar: Das Gefühl von Überforderung ist nicht nur das Ergebnis hormoneller Schwankungen, sondern hat in erster Linie andere Ursachen.

Einen neuen Blickwinkel auf die Wechseljahre finden

"Jutta Kubatz hat mir außerdem genau die körperlichen Vorgänge während der Wechseljahre erklärt", erzählt Alice Sander weiter. "Wenn ich jetzt eine Hitzewallung bekomme, weiß ich, was passiert, dass diese durch Signale der Hypophyse ausgelöst wird. Durch gezielte Übungen kann ich mich dann entspannen."

Foto: Wechseljahresberaterin Jutta Kubatz

Jutta Kubatz war vor zehn Jahren eine der ersten, die in Berlin eine Ausbildung als Wechseljahresberaterin gemacht haben. "Damals habe ich hauptberuflich im Pflegedienst gearbeitet, die meisten Kolleginnen waren etwa in meinem Alter und kamen nach und nach in die Wechseljahre", sagt die 65-Jährige. So wurde ihr Beratungsangebot von den Kolleginnen bereitwillig aufgenommen – und weiterempfohlen.

Alice Sander war sich schon vor der Beratung sicher: "Hormone wollte ich auf gar keinen Fall einnehmen." Für andere Frauen, die zu Jutta Kubatz kommen, ist das dagegen die Hauptfrage: Hormonpräparate – ja oder nein? "Mein Ziel ist es, die Frau mit dem nötigen Wissen zu versorgen, dass sie anschließend zusammen mit ihrem Arzt eine bewusste Entscheidung treffen kann", sagt die Beraterin. Neben den Erläuterungen der körperlichen Vorgänge gehören dazu auch die neuesten Erkenntnisse über die Hormontherapie. Nachdem vor einigen Jahren in den USA eine große Studie zur Hormontherapie in den Wechseljahren u. a. wegen vermehrter Herzinfarkte und Brustkrebserkrankungen abgebrochen wurde, sind viele Frauen verunsichert.

Mancher Frau hilft Yoga

Jutta Kubatz informiert deshalb auch über Alternativen zu Hormonpräparaten. Mancher Frau hilft eine homöopathische oder naturheilkundliche Behandlung, z. B. mit pflanzlichen Präparaten oder Kneipp-Anwendungen. Andere profitieren von Entspannungsübungen, Yoga oder Nordic Walking, um Stress abzubauen. In einigen Fällen ist eine Abklärung beim Internisten wichtig, ob z. B. die Schilddrüse bei anhaltenden Hitzewallungen eine Rolle spielt.

Häufig ist die Frage nach der Hormontherapie jedoch nur der Einstieg in die Beratung. "Es gilt, das eigentliche Thema herauszufiltern", sagt Jutta Kubatz. Das kann z. B. das grundsätzliche Problem mit dem Älterwerden sein, sexuelle Schwierigkeiten, die Auseinandersetzung mit einem nun immer unerfüllt bleibenden Kinderwunsch, allgemeine Überlastung oder die Zerrissenheit zwischen pubertierenden Kindern und alten, pflegebedürftigen Eltern.

Der Stoffwechsel verlangsamt sich

Viele Frauen fühlen sich schlapp, nicht mehr so leistungsfähig wie früher. "Ich möchte den Frauen wieder mehr Lebensfreude vermitteln", sagt die zierliche Beraterin mit dem ansteckenden Lachen. "Ein Wandel kann ja auch etwas Tolles sein, den Aufbruch in neue Sphären bedeuten." Doch zunächst empfiehlt sie ganz bodenständige Dinge: Mehr Bewegung, um die Durchblutung anzukurbeln und anschließend besser entspannen zu können. Die Ernährung sollte überdacht werden, weil sich der Stoffwechsel verlangsamt und das abendliche üppige Essen jetzt vielleicht zu Schlafstörungen beiträgt. Wichtig sei, gut für sich selber zu sorgen. Dazu könne auch ein fester Sport-Termin in der Woche beitragen. "Dann kann man eben an diesem Tag keine zusätzlichen Arbeiten mehr annehmen", betont sie.

Frauen in den Wechseljahren werden oft als zickig und launisch angesehen, auf die Spitze getrieben wurden diese Klischees in der ZDF-Serie "Klimawechsel" von Regisseurin Doris Dörrie. "Es gab gute Sequenzen in der Serie, aber mir war das viel zu dick aufgetragen", sagt Jutta Kubatz. Am besten fand sie, dass durch die Serie das Thema Wechseljahre in allen Medien präsent war. "Es war toll, dass die Hauptdarstellerinnen in vielen Talkshows aufgetreten sind und zum Teil ganz freimütig über ihre eigenen Wechseljahre geredet haben."

Sie selbst bedauert es fast, dass sie die Wechseljahre schon hinter sich hat. "Ich fand diese Hitze, die so von unten nach oben strömte, richtig toll, ich habe mich jedes Mal gefreut. Aber das dauerte leider nur ein halbes Jahr."

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Quellen

Gespräch mit Jutta Kubatz, Wechseljahresberaterin in Berlin, Oktober 2010
Gespräch mit Alice Sander, Yoga-Lehrerin in Berlin, Oktober 2010

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