Gerade in der Liebe führt Schnelligkeit oft am Ziel vorbei. Mindestens jedem fünften deutschen Mann fehlt im Bett die Kontrolle über seinen Höhepunkt. Vorzeitige Ejakulation ist die häufigste Sexualstörung in jeder Altersgruppe.
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Bei manchen kommt es bereits vor, beim oder nur Sekunden nach Einführen des Gliedes in die Partnerin zur Ejakulation. Dieser für beide Seiten als unbefriedigend empfundener Geschlechtsverkehr kann zur großen Belastung werden. Studien haben bewiesen, dass die Schlüsselrolle beim Ejakulationsvorgang nicht bei der Psyche, sondern in einem Botenstoff liegt, der bei Stoffwechselprozessen aus Eiweiß entsteht: Serotonin.
Größtes Problem ist das Schweigen
"Das größte Problem dieser Männer ist das Schweigen", sagt Professor Frank Sommer, Lehrstuhlinhaber für Männergesundheit am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Noch immer gelte eine Sexualstörung als Zeichen von Schwäche, über das Mann nicht redet: oft weder mit der Partnerin, schon gar nicht mit Kollegen, dem Duz-Freund oder dem Hausarzt. Wenn das Problem über Jahre die Beziehung belaste, stünden nicht wenige Paare am Ende vor der Trennung.
Die Schlüsselrolle spielen die Stoffwechselprozesse
Dabei hat die Medizin bei der Ursachenforschung und auch bei der Therapie Fortschritte gemacht. Während vor mehr als zwei Jahrzehnten noch von rein psychischen Ursachen ausgegangen wurde, ist die große Rolle auch der organischen Funktionen unumstritten. "Die Stoffwechselprozesse sind entscheidend", sagt Sommer.
So sei in jüngsten Studien bei allen Betroffenen auch immer ein Mangel an Serotonin nachgewiesen worden. Dieses Gewebshormon reguliert unter anderem die Spannung der Blutgefäße und die Signalübertragung im Zentralnervensystem.
Höherer Serotoninspiegel
Mediziner unterscheiden bei der vorzeitigen Ejakulation primäre Auslöser (angeborene oder erworbene organische Ursachen wie Prostata-Entzündungen) und sekundäre (privater und beruflicher Stress). Doch egal wo die Ursache liegt: "Wenn der Serotonin-Spiegel erhöht wird, bessert sich bei allen Betroffenen die Situation", sagt Sommer.
Als einzige Therapie reicht eine Serotonin-Substitution beziehungsweise ein Hemmer beim Abbau des Botenstoffs aber nicht aus. Neben Verhaltens- und Paartherapien empfiehlt Sommer zwei Trainingsprogramme fürs Schlafzimmer, um die Ejakulation besser kontrollieren zu können.
Trainingsprogramme fürs Schlafzimmer
Bei der sogenannten Stopp-Start-Methode wird die Erregungsphase jeweils kurz vor dem Höhepunkt unterbrochen. Helfen kann im richtigen Augenblick auch ein Daumendruck auf den Penis unterhalb der Eichel, der den Ejakulationsdrang bremst.
Doch so ein Training erfordert Geduld, die bei etwa 60 Prozent der Männer nur von kurzer Dauer ist. Sommer: "Nach zwei Jahren sind die Betroffenen wieder an dem Punkt, wo sie vorher waren."
Salbe, Spray und Kondome mit betäubender Wirkung
Schnellere Hilfe versprechen lidocainhaltige Mittel. Wer allerdings nicht zum wirkstoffhaltigen Kondom, sondern zur Salbe oder zum Spray greift, muss diese vor dem Geschlechtsverkehr gründlich wieder entfernen. Sonst überträgt sich die betäubende Wirkung auch auf die Partnerin.
Das erste Medikament, das gegen eine vorzeitige Ejakulation eingesetzt wird, ist erst seit wenigen Monaten in Deutschland zugelassen. Das nur kurzzeitig wirkende Antidepressivum enthält den Wirkstoff Dapoxetin und wird ein bis drei Stunden vor dem Geschlechtsverkehr eingenommen. Studien zufolge konnte damit die Zeitspanne von der Erektion bis zur Ejakulation verdoppelt oder gar verdreifacht werden und lag damit im normalen Durchschnitt.
Weibliches Feedback nötig
Doch vor jeder Art von Therapie steht die Einsicht der Männer, dass sie ein Problem haben. So habe ein Patient zwar 13 Ehejahre hinter sich gehabt, aber dass der Sex mit ihm für seine Partnerin nicht befriedigend war, sagte ihm zu seiner Überraschung erst die neue Freundin, berichtet Sommer.
"Wenn ein Mann bei angeborener Funktionsstörung kein Feedback von der Partnerin bekommt, dann fehlt ihm die Vergleichsmöglichkeit." Immer häufiger würden allerdings Frauen die Initiative ergreifen. Knapp ein Viertel der Hilfesuchenden, die sich an die bundesweite Selbsthilfegruppe Impotenz wenden, sind weiblich.




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