"Das müssen die Wechseljahre sein!" Frauen um die 50 geht dieser Gedanke öfters durch den Kopf. "Dabei sind die Wechseljahre des Mannes genauso ein Fakt, auch wenn nicht alle Männer in gleichem Maße davon betroffen sind", sagt Prof. Theodor Klotz, Leiter der Urologie und Andrologie im Klinikum Weiden. Synonyme Fachbegriffe für die männlichen Wechseljahre sind Klimakterium virile oder Andropause.
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Anders als nach der Menopause bei der Frau produziert der männliche Körper jedoch auch im hohen Alter noch Sexualhormone. "Bei Männern ab etwa 40 schwinden diese Hormone nur kontinuierlich, beim Testosteron sind es normalerweise ein bis zwei Prozent pro Jahr", erläutert Prof. Klotz den natürlichen Abbau- und Alterungsprozess. Sehr viele Männer merken davon erst mal gar nichts und fühlen sich auch über längere Zeit kaum beeinträchtigt.
Nicht jeder Mangel muss behandelt werden
Andere jedoch klagen über Symptome wie nachlassende Libido, Erektionsstörungen, eine Abnahme der Muskelmasse und Zunahme von Bauchfett sowie Antriebsschwäche, Leistungsknicks oder depressive Verstimmungen. "Das bedeutet aber nicht, dass dahinter gleich ein behandlungsbedürftiger Testosteronmangel stecken muss", betont der Androloge. So können etwa psychische Beschwerden unabhängig vom Hormonhaushalt auf eine "Midlife Crisis" oder auf übermäßige berufliche Anspannung an der Spitze der Karriereleiter zurückzuführen sein. Dann ist gegebenenfalls eher Stressmanagement gefragt.
Der Verdacht auf einen stärker ausgeprägten Hormonmangel erhärtet sich Prof. Klotz zufolge allerdings, wenn Männer auch über Hitzewallungen und Nachtschweiß klagen: "Dann sollte – entsprechender Leidensdruck vorausgesetzt – der Testosteronspiegel bestimmt werden." Liegt er bei wiederholten Messungen deutlich unter der Norm und sind andere Ursachen für die Beschwerden ausgeschlossen, kann eine Hormonersatztherapie mit Testosteron in Frage kommen.
Hormontherapie nicht für jeden geeignet
Nach Expertenschätzung besteht bei 15 bis 20 Prozent aller über 50-jährigen Männer in Deutschland ein relativer Testosteronmangel, Mediziner sprechen auch von Hypogonadismus. "Allerdings hat wiederum höchstens ein Fünftel von diesen auch einen Leidensdruck, der eine Testosterontherapie überlegenswert macht", schränkt Prof. Klotz ein. Wichtig ist es dabei, ebenfalls die Risiken einer solchen Behandlung im Auge zu haben: Hinderungsgrund dafür ist vor allem ein bestehender oder vermuteter Prostatakrebs, da Testosteron dessen Wachstum fördert. Aber auch bei deutlicher gutartiger Prostatavergrößerung sowie bei einem Schlafapnoe-Syndrom sollte auf die Hormontherapie verzichtet werden.
Weiterlesen: Gel oder Spritze gegen den Hormonmangel
Lesen Sie in diesem Beitrag zum Thema
- 1 Testosteronmangel: Männer in den Wechseljahren
- 2 Gel oder Spritze gegen den Hormonmangel





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