Die Kundin im Friseurgeschäft von Elisa Leimbach an diesem Nachmittag ist Mitte 40 und hat rote Haare. Die Farbe könnte eine Auffrischung gebrauchen, der Schnitt vielleicht auch, aber deshalb ist die Frau nicht gekommen. In etwa zwölf Tagen wird Dagmar Bauch ihre Haare durch eine Chemotherapie verlieren. Dass das niemand sieht, dafür sorgt Elisa Leimbach mit ihren Perücken und ihrer Erfahrung als Maskenbildnerin.
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Die Diagnose für Dagmar Bauch ist Krebs, dennoch strahlt und lacht die Ärztin. Ihre Perücke hat sie längst probegetragen und dabei Komplimente von gleich mehreren Männern bekommen "wie seit vielen Jahren nicht mehr". Dabei war sie anfangs genauso verzweifelt wie alle anderen betroffenen Frauen, für die der Verlust der Haare gleichbedeutend ist mit dem Verlust von Weiblichkeit, Attraktivität und Selbstbewusstsein. Doch dieses Gefühl hat ihr Elisa Leimbach, die alle nur beim Vornamen nennen, ganz rasch ausgetrieben.
"Jede Frau hat schöne Haare"
Die Friseurmeisterin ist schnell beim Du, wenn Frauen in ihren Laden kommen. Noch schneller streicht sie bewundernd über deren Haare. "Jede Frau hat schöne Haare", und Elisa sagt ihnen das auch. Bei denen vor einer Chemotherapie betont sie außerdem, was für ein Glück es doch sei, dass die Haare schon drei bis vier Wochen nach der letzten Behandlung wieder wachsen werden. Einige ihrer Kundinnen mit anderen Krankheiten haben nicht so ein Glück. "Es gibt Zigtausende, die nie wieder Haare haben werden", sagt Elisa und erzählt von ihrer einst jüngsten Perücken-Kundin. "Eine Autoimmunerkrankung. Letizia war acht, als sie das erste Mal zu mir kam." Inzwischen ist sie 16 und Elisas Patenkind.
Kein Wunder, denn Elisas Auffassung von ihrem Beruf endet nicht an der Kasse. Sie übernimmt auch die Pflege ihrer Perücken, wenn sich Schmutz anhaftet oder die Passform korrigiert werden muss. Das gewährt Elisa Einblicke in das Leben ihrer Kundinnen. "Ich verkaufe nicht Perücken in der Tüte. Ich bin eine Begleitung, solange eine Frau meine Perücke trägt."
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- 1 Perücken für krebskranke Frauen
- 2 Die Krankheit verändert die Frauen und ihre Männer




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