Die Krankheit verursacht in den meisten Fällen zunächst keine Beschwerden, viele Infizierte tragen sie jahrzehntelang in sich, bevor sie durch Zufall entdeckt wird. Doch Hepatitis C kann auch zu schweren Leberschäden führen und tödlich enden. Zwei neue Medikamente versprechen jetzt eine größere Chance auf Heilung der Virus-Infektion.
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Erst Ende der 80er-Jahre wurde das Hepatitis-C-Virus identifiziert. In der Folgezeit wurde die Behandlung mit Interferon entwickelt, später die Kombinationsbehandlung mit Ribavirin. Beide Medikamente wirken breit gegen Viren und werden auch bei anderen Erkrankungen eingesetzt. Durch diese Therapie können rund die Hälfte der Patienten mit einer chronischen Hepatitis-C-Infektion geheilt werden, das heißt, das Virus ist dauerhaft im Blut nicht mehr nachweisbar.
Neue Medikamente stoppen Vermehrung der Hepatitis-C-Viren
Je nach Virustyp gibt es allerdings große Unterschiede. Die Wissenschaftler kennen sechs Genotypen des Hepatitis-C-Virus. In Deutschland spielen besonders die Genotypen 1, 2 und 3 eine Rolle. Typ 1, der hier am häufigsten auftritt, ist auch am schwersten zu behandeln. "Typ 2 kann man mit Interferon und Ribavirin fast immer heilen, Typ 3 zu 70 bis 80 Prozent. Bei Typ 1 lagen die Heilungschancen bisher zwischen 40 und 50 Prozent", sagt Prof. Thomas Berg, Leiter der Sektion Hepatologie am Universitätsklinikum Leipzig.
Die kürzlich für die Behandlung von Hepatitis C vom Genotyp 1 zugelassenen Substanzen Telaprevir und Boceprevir geben neue Hoffnung. Beides sind sogenannte Proteasehemmer, die die Vermehrung der Viren unterbinden. Sie werden jeweils zusätzlich zu Interferon und Ribavirin eingenommen. "Damit kann man die Heilungschancen beim Genotyp 1 auf bis zu 80 Prozent steigern", so Prof. Berg.
Oft reicht ein halbes Jahr Therapie
Ein weiterer großer Vorteil sei, dass die Therapiedauer bei den meisten Patienten auf ein halbes Jahr verkürzt werden könne. Die bisherige Kombinationsbehandlung mit Interferon und Ribavirin dauert oft ein Jahr oder auch länger und kann wegen möglicher Nebenwirkungen sehr belastend sein. Die Dauer der Therapie richtet sich immer danach, nach welchem Behandlungszeitraum das Virus im Blut nicht mehr nachgewiesen wird.
Auch Patienten, die auf die Zweierkombination bisher nicht angesprochen haben oder bei denen nach anfänglichem Erfolg das Virus wieder im Blut nachgewiesen wurde, haben mit der Dreierkombination von Interferon, Ribavirin und Telaprevir oder Boceprevir jetzt eine Chance auf Heilung.
Sogar wenn die Krankheit schon fortgeschritten ist und zu einer Fibrose (Vermehrung des Bindegewebes im Organ) oder sogar Zirrhose (Verhärtung und Schrumpfen) der Leber geführt hat, könne eine Behandlung zur Heilung führen, so Prof. Berg: "Wenn die Zirrhose noch im Frühstadium ist, kann es sogar sein, dass sie sich nach der erfolgreichen Behandlung der Hepatitis-C-Infektion zurückbildet."
Neue Medikamente müssen ganz regelmäßig genommen werden
Die neuen Medikamente müssen ganz regelmäßig alle acht Stunden täglich eingenommen werden. Einige Patienten brechen die Behandlung wegen starker Nebenwirkungen ab, manche müssen krankgeschrieben werden, doch die meisten können während der Therapie ihr Leben normal weiterführen, so die Erfahrung von Prof. Berg.
Interferon ist ein Stoff, der auch vom Körper selbst gebildet wird, um Infektionen zu bekämpfen. Wie bei einer Grippe können auch bei einer Interferon-Therapie z. B. Fieber, Gliederschmerzen, Schüttelfrost oder Kopfschmerzen auftreten, auch trockene Haut und Schilddrüsen-Funktionsstörungen. Belastend sei für die Patienten aber vor allem das Fatigue-Syndrom, das sich mit Müdigkeit, verminderter Leistungsfähigkeit und Konzentrationsstörungen bemerkbar machen könne, sagt der Leber-Spezialist. Depressionen seien ebenfalls eine mögliche Interferon-Nebenwirkung. Ribavirin könne eine Blutarmut verursachen, dies werde durch die neuen Medikamente verstärkt. Diese könnten zudem Hautausschläge, Magen-Darm-Probleme und Geschmacksstörungen verursachen.
Die Forschung arbeitet auch deshalb weiter an der Entwicklung neuer Medikamente, speziell an Proteasehemmern, die einfacher einzunehmen und besser verträglich sind und die auch ohne Interferon wirken. Bisher besteht bei einer Gabe von Boceprevir oder Telaprevir ohne Interferon die Gefahr, dass das Virus mutiert und Resistenzen gegen die Medikamente entstehen.
Hepatitis-C-Infektion immer behandeln lassen
Wer heute feststellt, dass er vor mehr als 20 Jahren z. B. bei einer Bluttransfusion mit Hepatitis C infiziert wurde, aber bisher keine Beschwerden verspürt, sollte sich dennoch auf jeden Fall behandeln lassen, betont Prof. Berg: "Je fortgeschrittener die Erkrankung ist, desto schwieriger wird die Therapie." Außerdem sei bei der Hepatitis C nicht nur die Leberschädigung ein Problem. Durch die Infektion bestehe auch ein erhöhtes Risiko, z. B. Diabetes oder eine Krebserkrankung zu entwickeln.
Deshalb rät er, grundsätzlich bei einer Blutuntersuchung auch einmal die Leberwerte testen zu lassen. Eine Leberentzündung kann allerdings auch vorhanden sein, ohne dass die Leberwerte erhöht sind. Deshalb sollte man seine Risikofaktoren überprüfen. Wer länger im Ausland gelebt hat, früher einmal Drogen genommen oder vor 20 Jahren oder früher eine Bluttransfusion bekommen hat, sollte sich direkt auf Hepatitis C untersuchen lassen.





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