Sie befinden sich hier:

Startseite > Gesund-Magazin > Medizin > Neue Medikamente gegen Hepatitis C

Infektion

Neue Medikamente gegen Hepatitis C

| Von Sabine Abel

Moderne Arzneien versprechen bei der chronischen Virus-Erkrankung bessere Heilungschancen und kürzere Therapie

Wenn beim Tätowieren nicht unter sterilen Bedingungen gearbeitet wird, kann das Hepatits-C-Virus weitergegeben werden. Foto: pa

Die Krankheit

Virus
Hepatitis C ist eine Virusinfektion, die durch infiziertes Blut übertragen wird. Die akute Infektion heilt in rund 20 Prozent der Fälle innerhalb eines halben Jahres aus, meist wird die Krankheit jedoch chronisch. Auch wenn die Krankheit viele Jahre lang keine Symptome macht, kann sie auf Dauer die Leber schädigen und zu Leberzirrhose und Leberkrebs führen.

Übertragungswege
Bis Anfang der 1990er-Jahre wurde das Virus häufig über Bluttransfusionen bei Operationen oder durch Blutprodukte übertragen. Etliche Patienten, die auf diesem Weg schon vor Jahrzehnten infiziert wurden, erfahren heute erst von ihrer Krankheit, meist zufällig, weil bei einer Laboruntersuchung erhöhte Leberwerte festgestellt werden.

Ein anderer Übertragungsweg für das Virus ist die gemeinsame Spritzenbenutzung bei Drogenkonsumenten. "Auch wer als Jugendlicher nur einmal oder nur für kurze Zeit mit Drogen experimentiert hat, kann sich angesteckt haben", betont Prof. Thomas Berg vom Uniklinikum Leipzig.

Über unsterile Instrumente bei Tätowierungen oder Piercings kann das Virus ebenfalls weitergegeben werden. Wenn bei medizinischen Eingriffen oder Untersuchungen wie beim Blutabnehmen die Hygienestandards nicht eingehalten werden, ist eine Übertragung von Patient zu Patient möglich. Dies ist in Deutschland sehr unwahrscheinlich, aber in anderen (Urlaubs-)Ländern besteht durchaus ein Risiko. Die WHO gibt z. B. an, dass in Ägypten 22 Prozent der Bevölkerung eine chronische Hepatitis-C-Infektion haben. Auch wer sich im Urlaub den Bart scheren lässt, setzt sich einem gewissen Risiko aus.

Beim Geschlechtsverkehr besteht ebenfalls ein Risiko, die Krankheit zu übertragen, besonders während der Menstruation und wenn kleine Verletzungen entstehen. "Die Vorsicht in Zusammenhang mit HIV hat nachgelassen", sagt Prof. Berg, "daher steigt gerade bei homosexuellen Männern das Infektionsrisiko mit Hepatitis C wieder an."

Bei vielen Infizierten lässt sich der Übertragungsweg der Krankheit allerdings nicht nachvollziehen.

Infizierte
Nach Angaben der WHO sind weltweit 130 bis 170 Millionen Menschen chronisch infiziert. Experten schätzen, dass in Deutschland 500 000 bis 800 000 Menschen das Virus in sich tragen, aber nur etwa die Hälfte der Betroffenen von der Infektion weiß.

 

Informationen

Die Online-Selbsthilfegruppe Deutsches Hepatitis C Forum e. V. bietet unter www.hepatitis-c.de Informationen rund um die Krankheit, auch zu Aspekten wie Krankengeld oder verminderte Erwerbsfähigkeit. Betroffene schildern ihre Erfahrungen.
Die Deutsche Leberhilfe informiert unter www.leberhilfe.org über die verschiedenen Lebererkrankungen. Unter www.lebertest.de kann man sein eigenes Risiko ausloten, an einer Lebererkrankung zu leiden.
Das Kompetenznetz Hepatitis ist ein Zusammenschluss von Experten. Auf www.kompetenznetz-hepatitis.de findet man u.a. Infos zu laufenden und abgeschlossenen Studien.
Unter www.deutsche-leberstiftung.de gibt es auch Listen von Selbsthilfegruppen, assoziierten Ärzten und Kliniken.
Aktuelle fachliche Informationen über verschiedene virale Hepatitiserkrankungen liefert die Internetseite www.hepatitisandmore.de. Neben grundlegenden Infos findet man hier Kongressberichte und Interviews sowie News.

Die Krankheit verursacht in den meisten Fällen zunächst keine Beschwerden, viele Infizierte tragen sie jahrzehntelang in sich, bevor sie durch Zufall entdeckt wird. Doch Hepatitis C kann auch zu schweren Leberschäden führen und tödlich enden. Zwei neue Medikamente versprechen jetzt eine größere Chance auf Heilung der Virus-Infektion.

Lesen Sie auch

Erst Ende der 80er-Jahre wurde das Hepatitis-C-Virus identifiziert. In der Folgezeit wurde die Behandlung mit Interferon entwickelt, später die Kombinationsbehandlung mit Ribavirin. Beide Medikamente wirken breit gegen Viren und werden auch bei anderen Erkrankungen eingesetzt. Durch diese Therapie können rund die Hälfte der Patienten mit einer chronischen Hepatitis-C-Infektion geheilt werden, das heißt, das Virus ist dauerhaft im Blut nicht mehr nachweisbar.

Neue Medikamente stoppen Vermehrung der Hepatitis-C-Viren

Je nach Virustyp gibt es allerdings große Unterschiede. Die Wissenschaftler kennen sechs Genotypen des Hepatitis-C-Virus. In Deutschland spielen besonders die Genotypen 1, 2 und 3 eine Rolle. Typ 1, der hier am häufigsten auftritt, ist auch am schwersten zu behandeln. "Typ 2 kann man mit Interferon und Ribavirin fast immer heilen, Typ 3 zu 70 bis 80 Prozent. Bei Typ 1 lagen die Heilungschancen bisher zwischen 40 und 50 Prozent", sagt Prof. Thomas Berg, Leiter der Sektion Hepatologie am Universitätsklinikum Leipzig.

Die kürzlich für die Behandlung von Hepatitis C vom Genotyp 1 zugelassenen Substanzen Telaprevir und Boceprevir geben neue Hoffnung. Beides sind sogenannte Proteasehemmer, die die Vermehrung der Viren unterbinden. Sie werden jeweils zusätzlich zu Interferon und Ribavirin eingenommen. "Damit kann man die Heilungschancen beim Genotyp 1 auf bis zu 80 Prozent steigern", so Prof. Berg.

Oft reicht ein halbes Jahr Therapie

Ein weiterer großer Vorteil sei, dass die Therapiedauer bei den meisten Patienten auf ein halbes Jahr verkürzt werden könne. Die bisherige Kombinationsbehandlung mit Interferon und Ribavirin dauert oft ein Jahr oder auch länger und kann wegen möglicher Nebenwirkungen sehr belastend sein. Die Dauer der Therapie richtet sich immer danach, nach welchem Behandlungszeitraum das Virus im Blut nicht mehr nachgewiesen wird.

Auch Patienten, die auf die Zweierkombination bisher nicht angesprochen haben oder bei denen nach anfänglichem Erfolg das Virus wieder im Blut nachgewiesen wurde, haben mit der Dreierkombination von Interferon, Ribavirin und Telaprevir oder Boceprevir jetzt eine Chance auf Heilung.
Sogar wenn die Krankheit schon fortgeschritten ist und zu einer Fibrose (Vermehrung des Bindegewebes im Organ) oder sogar Zirrhose (Verhärtung und Schrumpfen) der Leber geführt hat, könne eine Behandlung zur Heilung führen, so Prof. Berg: "Wenn die Zirrhose noch im Frühstadium ist, kann es sogar sein, dass sie sich nach der erfolgreichen Behandlung der Hepatitis-C-Infektion zurückbildet."

Neue Medikamente müssen ganz regelmäßig genommen werden

Die neuen Medikamente müssen ganz regelmäßig alle acht Stunden täglich eingenommen werden. Einige Patienten brechen die Behandlung wegen starker Nebenwirkungen ab, manche müssen krankgeschrieben werden, doch die meisten können während der Therapie ihr Leben normal weiterführen, so die Erfahrung von Prof. Berg.

Interferon ist ein Stoff, der auch vom Körper selbst gebildet wird, um Infektionen zu bekämpfen. Wie bei einer Grippe können auch bei einer Interferon-Therapie z. B. Fieber, Gliederschmerzen, Schüttelfrost oder Kopfschmerzen auftreten, auch trockene Haut und Schilddrüsen-Funktionsstörungen. Belastend sei für die Patienten aber vor allem das Fatigue-Syndrom, das sich mit Müdigkeit, verminderter Leistungsfähigkeit und Konzentrationsstörungen bemerkbar machen könne, sagt der Leber-Spezialist. Depressionen seien ebenfalls eine mögliche Interferon-Nebenwirkung. Ribavirin könne eine Blutarmut verursachen, dies werde durch die neuen Medikamente verstärkt. Diese könnten zudem Hautausschläge, Magen-Darm-Probleme und Geschmacksstörungen verursachen.

Die Forschung arbeitet auch deshalb weiter an der Entwicklung neuer Medikamente, speziell an Proteasehemmern, die einfacher einzunehmen und besser verträglich sind und die auch ohne Interferon wirken. Bisher besteht bei einer Gabe von Boceprevir oder Telaprevir ohne Interferon die Gefahr, dass das Virus mutiert und Resistenzen gegen die Medikamente entstehen.

Hepatitis-C-Infektion immer behandeln lassen

Wer heute feststellt, dass er vor mehr als 20 Jahren z. B. bei einer Bluttransfusion mit Hepatitis C infiziert wurde, aber bisher keine Beschwerden verspürt, sollte sich dennoch auf jeden Fall behandeln lassen, betont Prof. Berg: "Je fortgeschrittener die Erkrankung ist, desto schwieriger wird die Therapie." Außerdem sei bei der Hepatitis C nicht nur die Leberschädigung ein Problem. Durch die Infektion bestehe auch ein erhöhtes Risiko, z. B. Diabetes oder eine Krebserkrankung zu entwickeln.

Deshalb rät er, grundsätzlich bei einer Blutuntersuchung auch einmal die Leberwerte testen zu lassen. Eine Leberentzündung kann allerdings auch vorhanden sein, ohne dass die Leberwerte erhöht sind. Deshalb sollte man seine Risikofaktoren überprüfen. Wer länger im Ausland gelebt hat, früher einmal Drogen genommen oder vor 20 Jahren oder früher eine Bluttransfusion bekommen hat, sollte sich direkt auf Hepatitis C untersuchen lassen.

Weitere Beiträge aus dem Ressort Medizin

Quellen

Gespräch mit Prof. Thomas Berg, Leiter der Sektion Hepatologie am Universitätsklinikum Leipzig, Nov. 2011
Kongressberichte vom International Liver Congress 2011 in Hepatitis & more, 1/2011
WHO: Hepatitis C - Fact sheet Nº 164, Juni 2011
I. van Thiel: "Hepatitis wird öfter heilbar" in: Lebenszeichen, das Lebermagazin 3/11
Kompetenznetz Hepatitis

Am häufigsten gelesen

Bilderpaarsuche

Bilderpaarsuche

Bilderpaarsuche ist ein Merkspiel, das Sie sicher noch aus Kindertagen kennen. Halten Sie Ihr Gedächtnis in Schwung und spielen Sie hier Bilderpaarsuche online! mehr ...

Weitere Themen:

PartnerangeboteAnzeige

Disclaimer:

© 2012 gofeminin.de GmbH – Das Informationsangebot rund um die persönliche Gesundheit auf www.onmeda.de dient ausschließlich Ihrer Information und ersetzt in keinem Fall eine persönliche Beratung, Untersuchung oder Diagnose durch einen approbierten Arzt. Die auf Onmeda zur Verfügung gestellten Inhalte können und dürfen nicht zur Erstellung eigenständiger Diagnosen und/oder einer Eigenmedikation verwendet werden. Bitte beachten Sie auch den Haftungsausschluss sowie unsere Hinweise zu den Bildrechten.