Leichtes Übergewicht ist vielen lästig, starkes Übergewicht macht viele krank. Dabei fällt das Abnehmen umso schwerer, je mehr Kilos die Waage anzeigt. Besonders problematisch wird es, wenn starke oder extreme Fettleibigkeit (Adipositas) vorliegt: Das ist ab einem Body Mass Index (BMI) von mehr als 35 der Fall. Dann gelingt es längst nicht jedem, mit veränderten Essgewohnheiten und mehr Bewegung dauerhaft abzunehmen.
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Manchen krankhaft Übergewichtigen, die bei wiederholten Abspeckversuchen erfolglos geblieben sind, kann die Adipositas-Chirurgie beim Abnehmen helfen. Etablierte Operations-Methoden sind vor allem das Magenband, der Magen-Bypass und der Schlauchmagen (siehe Kasten). Relativ neu und noch im Erprobungsstadium ist der "Magenschrittmacher" – im Fachjargon implantierbarer Gastrostimulator (IGS) genannt.
Sonde im Magen registriert Nahrungsaufnahme
"Durch eine minimal-invasive Operation mit drei kleinen Schnitten wird dabei eine Sonde in die Magenwand implantiert und ein zugehöriges Steuergerät unter der Bauchhaut platziert", erläutert der Chirurg Priv.-Doz. Dr. Thomas Horbach, Leiter des Adipositaszentrums Erlangen-Schwabach. Sonde und Steuergerät des Magenschrittmachers sind über ein Kabel miteinander verbunden. Die Sonde registriert, wenn feste oder flüssige Nahrung in den Magen gelangt, woraufhin schwache elektrische Impulse an den Magen abgegeben werden. Die elektrische Stimulation des Magens führt dazu, dass dieser sich langsamer entleert und ein Sättigungsgefühl vorgetäuscht wird, noch bevor er richtig gefüllt ist. Weil sich der Patient schneller satt fühlt, soll er weniger essen und so abnehmen. Das Ausmaß der Stimulation wird durch die Nahrungsaufnahme bestimmt, das System kann individuell vom Arzt programmiert werden.
Bislang gibt es erst wenige wissenschaftliche Studien zu Magenschrittmachern. Dr. Horbach, der an drei davon beteiligt war, schätzt, dass in Europa rund 500 Patienten ein solches Gerät erhielten. "Es hat sich gezeigt", so der Chirurg, "dass man mit Hilfe des Magenschrittmachers im Laufe eines Jahres etwa 30 Prozent seines Übergewichts abbauen kann. Für dauerhaften Erfolg beim Abnehmen ist gleichzeitig eine Änderung der Essgewohnheiten und regelmäßige Bewegung wichtig. Für die Methode kommen Patienten mit einem BMI von 35 bis 55 in Frage."
Individuelle Strategien zum Abnehmen
Ein großer Unterschied zum Schlauchmagen oder Magen-Bypass ist, dass die Anatomie des Magens erhalten bleibt, kein Eingriff in den natürlichen Ablauf der Verdauung erfolgt und der Eingriff leicht wieder rückgängig gemacht werden kann.
Mehrere deutsche Adipositaszentren verwenden ein Schrittmachersystem, das nicht nur den Magen stimuliert, sondern mit dem sich auch ein "Tagebuch" zum Ess- und Bewegungsverhalten des Patienten anlegen lässt. Das Prinzip: Sensoren registrieren, wann und wie lange der Patient isst, trinkt oder körperlich aktiv ist – die ermittelten Daten lassen sich drahtlos in ein Lesegerät und damit in den eigenen PC übertragen. Sein Ernährungs- und Aktivitätsverhalten kann der Patient dann über ein Netzwerk mit seinem Arzt diskutieren und die individuelle Strategie zum Abnehmen entsprechend anpassen. Außerdem gibt es ein passwortgeschütztes Online-Forum, in dem man sich mit anderen Betroffenen austauschen kann.
Magenschrittmacher lässt sich auch überlisten
Inwieweit sich der Magenschrittmacher bei der Behandlung krankhaften Übergewichts durchsetzen wird, ist noch offen. "Die Idee ist zweifellos gut, ein Erfolg aber keineswegs garantiert", sagt Dr. Christian Jurowich, Leiter des Adipositaszentrums im Universitätsklinikum Würzburg. Die damit erzielbare Gewichtsabnahme sei geringer als bei anderen Verfahren der Adipositas-Chirurgie, und das System lasse sich relativ leicht überlisten: "Einige Patienten lernen, die elektrische Stimulation am Magen auszuhalten und das Sättigungsgefühl nicht als störend zu empfinden. Die essen dann trotzdem weiter – unter Umständen genauso viel wie vorher." Ohne Selbstdisziplin mache deshalb auch dieses System keinen Sinn. Zudem gebe es Patienten, die den implantierten Magenschrittmacher zu sehr als Fremdkörper empfinden und ihn wieder entfernen lassen.
Die meisten Geräte wurden bisher im Rahmen von Studien eingesetzt. Wer außerhalb einer Studie einen Magenstimulator erhalten will, muss die Kostenfrage klären. Kostenerstattung durch die Krankenkasse ist nach Einzelfallprüfung möglich, aber nicht garantiert. Ansonsten sind die etwa 15.000 Euro für Gerätesystem, Operation und Nachsorge privat zu zahlen.




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