Bei Kniegelenksarthrose ist eine Abnutzung des Gelenkknorpels mit Schmerzen und Bewegungseinschränkungen verbunden. Etwa ein Drittel der Bevölkerung im Alter zwischen 18 und 79 Jahren leidet hierzulande an Arthrose, bei den über 60-Jährigen ist jeder Zweite betroffen. Die daraus entstehenden Kosten werden auf 3,5 bis 5,4 Milliarden Euro im Jahr geschätzt. Von den Betroffenen geben 45 Prozent das Kniegelenk als Lokalisation an, 56 Prozent das Hüftgelenk.
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In einer Pilotstudie untersuchen Mediziner an der Berliner Charité erstmals, ob Schröpfen bei Kniegelenksarthrose tatsächlich hilft. "Es gibt Hinweise aus der praktischen Anwendung auf eine mögliche Wirksamkeit, daher gehen wir dieser Frage nun wissenschaftlich nach", sagt Dr. Miriam Ortiz vom Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie. Es soll geprüft werden, ob eine zusätzlich zur Standardtherapie verabreichte Schröpftherapie wirksamer ist als eine Routinebehandlung.
Haut und Bindegewebe werden stark angeregt
In der Standardtherapie kommen neben Schmerzmitteln und Krankengymnastik auch Spritzen in das Kniegelenk oder Gelenksspiegelungen bis hin zum Kniegelenksersatz zum Einsatz. Alternativ werden arthrosebedingte Schmerzen auch mit Akupunktur oder Blutegeln behandelt. Patienten, die mit einem neuen Schröpfgerät behandelt wurden, das die klassische Technik mit Gläsern ersetzte, hatten von Schmerzlinderung und Besserung der Beschwerden im Kniegelenk berichtet.
So funktioniert das Schröpfen
Oft wird das Schröpfen, eine sehr alte Heilmethode, vor allem bei muskulären Verspannungen im Schulter-Nackenbereich und bei Lendenwirbelsäulenbeschwerden eingesetzt. Beim Schröpfen wird über eine Reiztherapie an der Körperoberfläche – Haut und Bindegewebe – eine regulative Wirkung auf Krankheitsprozesse angestrebt.
Dazu werden auf sogenannten Reflexzonen der Haut Schröpfköpfe aufgesetzt. Mit Hilfe von Glasglocken wird an lokalisierten Punkten des Körpers ein Unterdruck erzeugt. Dieses Vakuum kann durch eine Saugpumpe oder durch heiße Luft erzeugt werden, die im Schröpfglas abkühlt.
Üblicherweise werden beim Schröpfen vier bis zehn Gläser angebracht. Dabei kommt es zu einer verstärkten Durchblutung am Ansatzort. Häufig kollabieren oberflächliche Blutgefäße und es kommt zu einem Hämatom, das nach kurzer Zeit wieder abblasst.
Menschen, deren Blutgerinnung auf Grund von Erkrankungen oder Medikamenten gestört ist, sollten keine Schröpftherapie anwenden, da es in diesen Fällen zu starken Blutergüssen kommen kann.
Die Wirksamkeit der Schröpftherapie ist bisher nur in wenigen Studien systematisch untersucht worden. Erste positive Resultate zeigte beispielsweise eine Studie zur Wirksamkeit bei Karpaltunnelsyndrom. Empfohlen wird die Therapie außerdem z.B. bei chronischen Schmerzerkrankungen, Asthma, Kopfschmerzen/Migräne, Ohrensausen (Tinnitus) und Menstruationsstörungen. Der genaue Wirkmechanismus der Schröpftherapie ist bislang unbekannt.
Sollte die Studie unter Leitung von Prof. Benno Brinkhaus die vermutete Wirksamkeit des Schröpfens am Kniegelenk erhärten, wäre dies von großem Nutzen für Patienten, die meist zwischen 60 und 80 Jahre alt sind. "Es ist ein kostengünstiges, ungefährliches und relativ einfach durchzuführendes therapeutisches Verfahren", sagt Charité-Ärztin Miriam Ortiz.
Vakuumpumpe sorgt für die Saugeffekte
Insgesamt 40 Patienten werden an der Charité-Universitätsmedizin über vier Wochen mit acht Sitzungen Schröpftherapie am Kniegelenk behandelt und zu ihren Beschwerden befragt. Um die Effekte der maschinell erzeugten, pulsierenden Schröpftherapie zeigen zu können, wird der Verlauf der Beschwerden am Kniegelenk verglichen zwischen Patienten, die sofort nach Studienbeginn mit der Behandlung beginnen und solchen, die zunächst nur Standardtherapie mit einem Schmerzmittel bei Bedarf erhalten.
Die zweite Gruppe bekommt ihre Behandlung am Kniegelenk nach einer dreimonatigen Wartezeit.
Bei der in der Studie angewendeten Therapie werden Schröpfköpfe lokal angesetzt. Die Saugeffekte erfolgen pulsierend als Schröpfmassage durch eine verbundene Vakuumpumpe in dem Gerät. Für die randomisierte, klinisch kontrollierte Studie in sachen Kniegelenk werden die Probanden nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen aufgeteilt.





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