Weil immer mehr Patienten nach alternativen oder naturheilkundlichen Anwendungen nachfragen, vergrößert sich auch der Kreis der Anbieter für integrative Medizin. Der Umsatz mit pflanzlichen Arzneimitteln und ergänzenden Behandlungen wird auf rund neun Milliarden Euro im Jahr geschätzt. Das meiste davon wird aus eigener Tasche bezahlt, manches übernehmen die Krankenkassen.
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Das Misstrauen zwischen Verfechtern der wissenschaftlichen und der integrativen Medizin ist noch groß, nicht allein deshalb, weil es um die Milliarden aus dem Gesundheitsfonds geht. Der Vorwurf gegenüber der Naturmedizin lautet meist, dass die integrative Medizin und deren Wirkung auf dem Placeboeffekt beruhe, also eine Scheinbehandlung sei. Wer heilt hat Recht, sagen demgegenüber vor allem Heilpraktiker, die um Anerkennung ringen und sich in ihrer Argumentation auf Tradition und Erfahrungswerte stützen.
Den Patienten an der Therapie beteiligen
Einen Ansatz, der Schulmedizin und traditionelle Heilverfahren aus Asien oder Europa verbindet, verfolgen inzwischen auch zahlreiche Mediziner. In Sachen Homöopathie etwa haben in Deutschland schon rund 6500 Ärzte eine Zusatzqualifikation. "Die Homöopathie erweitert die Therapiemöglichkeiten bei vielen Erkrankungen, auch steigt die Nachfrage bei den Patienten stetig an", sagt Cornelia Bajic, Ärztin und 1.Vorsitzende des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte (DZVhÄ). "Inzwischen erstatten über 100 gesetzliche Krankenkassen die ärztliche Homöopathie, Vorraussetzung ist die Zusatzbezeichnung Homöopathie bzw. das Homöopathie-Diplom des DZVhÄ."
Viele Mediziner wenden auf Wunsch auch Akupunktur an. Ein langes Gespräch, eine ausführliche Anamnese, die soziale und psychische Aspekte berücksichtigt, ist nach Ansicht dieser Mediziner schon eine wesentliche Verbesserung, um den Patienten an der Therapie zu beteiligen und damit im besten Fall bereits Selbstheilungskräfte anzuregen. "Der Gestaltung des Erstkontaktes wie auch nachfolgender Entscheidungsprozesse scheint im Erleben von Patienten eine besondere Bedeutung zuzukommen", meint eine Forschergruppe der Universitäten Bremen und Witten/Herdecke, die sich mit der Frage befasste, was Patienten an einer homöopathisch-ärztlichen Versorgung schätzen und wie sie diese dann erlebten.
Integrative Medizin vor allem bei chronischen Erkrankungen
Was homöopathische Ärzte betreiben, ist Teil eines Ansatzes, der Schul- und ergänzende Medizin verbindet und daher als integrative Medizin bezeichnet und an Universitätskliniken wie der Berliner Charité betrieben wird. "Wir wenden die integrative Medizin insbesondere bei chronischen Erkrankungen wie zum Beispiel Herz-Kreislauf-Erkrankungen, rheumatische Erkrankungen, Rückenschmerzen, Kopfschmerzen oder auch Allergien und Neurodermitis an", sagt Dr. Michael Teut, Leiter der Ambulanz für Prävention und Integrative Medizin der Charité.
Es geht dabei um eine Veränderung des Lebensstils, quasi eine Genesung mit Nachhaltigkeit – wenn dies der Patient will. Es gibt allerdings auch Grenzen, an die der homöopathische Ansatz stößt. "Überall dort, wo der Organismus zu keinen Reaktionen mehr fähig ist, wo Stoffe hinzugefügt werden müssen, wie bei einer Diabetes oder auch bei Knochenbrüchen", sagt Medizinerin Bajic. "Die Grenzen sind oft sehr weit gesteckt, Homöopathie kann beispielsweise auch begleitend in der Intensivmedizin eingesetzt werden."
Luft und Wasser, Licht und Pflanzen
Neben Ärzten bieten zahlreiche Heilpraktiker Behandlungen an, die noch diverse andere traditionelle Heilmethoden berücksichtigen. Aus dem europäischen Raum sind dies etwa Schröpfen oder Bach-Blüten-Therapie, aus dem asiatischen Kulturkreis beispielsweise Ayurveda, Shiatsu oder Qi Gong, aus den USA über England gelangte die Osteopathie auch nach Deutschland. Unter den Begriffen alternativ, natürlich, sanft oder komplementär, mitunter auch esoterisch, werden inzwischen mehrere Hundert Anwendungen oder Techniken aufgelistet.
Die begrifflichen Unterscheidungen sind dabei nicht immer strikt. Naturheilkunde klingt nach Luft und Wasser, Licht, Kräutern und anderen Heilpflanzen. Die Wirksamkeit der Phytotherapie, der Pflanzenheilkunde, ist nicht umstritten, allenfalls der Grad der Wirkung. So werden Anwendungen wie Kamillebad oder Salbeitee eher mit Hausapotheke etikettiert, obwohl die Phytotherapie weit mehr kann. So sei die Wirksamkeit des Extrakts der Pflanze Galphimia glauca bei allergischer Rhinitis, dem Heuschnupfen, durch placebokontrollierte Studien belegt, sagt Dr. Teut.
Viel dreht sich heute um Ernährung und Bewegung
Naturheilkundliche Anwendungen können selbst umgesetzt werden, denn es ist Wissen einer Volksmedizin, als die Menschen weitgehend selbst für sich verantwortlich waren. Heute sind besonders Ernährung und Bewegung populäre Felder der Naturheilkunde mit Therapien wie beispielsweise Heilfasten oder Feldenkrais und Tai Chi.





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