Bluthochdruck ist tückisch. Er tut nicht weh und macht über Jahre keinerlei Beschwerden. Doch ist die Hypertonie, so der Fachbegriff, eine der häufigsten Erkrankungen in den westlichen Industrieländern. Allein hierzulande haben schätzungsweise zwischen 18 bis 35 Millionen Menschen einen Bluthochdruck, bei der Hälfte der Betroffenen jedoch bleibt er unerkannt, so dass ihnen gar nicht bewusst ist, dass sie etwas tun müssten, um den Blutdruck zu senken.
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"Die schweren Komplikationen treten erst sehr viel später auf", sagt Prof. Michael Böhm, Leiter der Klinik für Innere Medizin im Universitätsklinikum des Saarlandes in Homburg. So ist Bluthochdruck Risikofaktor Nummer Eins für den Schlaganfall. Die gute Nachricht: Ist er erkannt, gibt es eine ganze Reihe von nebenwirkungsarmen Medikamenten, um ihn zu behandeln. Die weniger gute: Zehn bis 15 Prozent der Patienten haben eine therapieresistente Hypertonie, das bedeutet, dass bei ihnen diese Medikamente nicht ausreichend wirken, sie können den Blutdruck nicht senken. Der Blutdruck ist nicht einstellbar, nennen das die Mediziner.
Blutdruck senken, um Herzinfarkt-Risiko zu verringern
"Diese Patienten haben häufig Begleiterkrankungen, zum Beispiel Übergewicht und Stoffwechselstörungen wie das sogenannte Metabolische Syndrom, erhöhte Blutfettwerte und eine beginnende oder schon manifeste Zuckererkrankung", erklärt Prof. Böhm. Die Betroffenen tragen ein besonders hohes Risiko, einen Schlaganfall, Herzinfarkt und Herzschwäche zu erleiden. Peu à peu wird nun bundesweit ein neues Verfahren in Kliniken eingeführt, um Patienten mit einer nicht behandelbaren Hypertonie zu helfen und ihren Blutdruck zu senken. In den Universitätskliniken in Homburg sowie Düsseldorf ist es bereits etabliert. "Wir waren die ersten, die diese Methode erstmals in Deutschland 2010 erprobt haben", so Böhm.
Es handelt sich um einen Eingriff mittels Herzkatheter-Technik, der von Wissenschaftlern in Silicon Valley entwickelt wurde. Es heißt "renale Sympathikusdenervation", kurz RSD. Die ersten grundlegenden Ideen dazu hatte man bereits in den 30er-Jahren. Und zwar wurden damals bei einer Operation die Nervenstränge des sympathischen Nervensystems durchtrennt, um so den Blutdruck zu senken.
Erste Operationen hatten massive Nebenwirkungen
Sympathische Nerven, auch Stressnerven genannt, sind Teil des vegetativen Nervensystems. Sie legen sich netzartig um die Nierengefäße und dringen in das Nierengewebe ein. Wissenschaftler haben bereits vor vielen Jahren in Tierexperimenten herausgefunden, dass die Aktivität der Stressnerven bei massivem Bluthochdruck ebenfalls erhöht ist.
"Das führt zu einem Teufelskreis", erklärt Prof. Böhm, "denn die sympathischen Nervenfasern vermitteln auch Reize an das zentrale Nervensystem im Gehirn. Dadurch erhöht sich der Blutdruck immer weiter, der Herzschlag nimmt zu, Gefäße und Herz können geschädigt werden."
Die damaligen Operationen waren insofern erfolgreich, als dass es gelang bei den Patienten den Blutdruck deutlich zu senken. Jedoch litten sie unter massiven Nebenwirkungen wie Schwindel, Ohnmachtsanfällen, Blasenschwäche, Impotenz sowie Magen- und Darmproblemen. Die Operationen konnten nicht mehr vorgenommen werden.
Durch die Oberschenkelschlagader bis zur Niere
Das neue Verfahren jedoch verfügt über die Kunst, nur die zu den Nieren führenden sympathischen Nervenfasern zu veröden und auf diese Weise den Blutdruck zu senken. Der Eingriff erfolgt in einem Herzkatheterlabor. Der Mediziner punktiert zunächst die Oberschenkelschlagader, durch die ein millimeterdünner Katheter in die Nierenarterie geschoben wird. Durch diesen Katheter schieben die Experten nun eine Elektrode, die an der Außenwand der Arterie liegt. Dann wird Hochfrequenzstrom abgegeben, das Gefäß erhitzt sich aber nur an der Außenseite. Genau dort laufen die Nervenfasern entlang, die durch die Hitze ausgeschaltet werden sollen. "Nur dort tritt die biologische Wirksamkeit des Stroms ein und verödet die Nerven", sagt Prof. Böhm, "das ist der Clou an der Sache."
Alles in allem dauert der Eingriff etwa eine Stunde. Dabei kann es passieren, dass es aus dem Gefäß nachblutet. Doch das ist nach ein paar Stunden vorüber. "Wichtig ist, dass dieser Eingriff von erfahrenen Experten in einem der führenden Herzzentren vorgenommen wird", betont Prof. Böhm, der auch dem wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung angehört.
Das Ergebnis der neuen Methode, die in zwei großen international durchgeführten Studien geprüft wurde: 85 Prozent der Patienten sprechen auf den Eingriff an, es gelingt, ihren Blutdruck deutlich zu senken. Oft können sie ihre Medikamente, die sie bislang gegen ihren Bluthochdruck eingenommen haben, absetzen oder zumindest die Dosis verringern.





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