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Herz-Kreislaufkrankheiten

Blutdruck senken: OP statt Medikamente

| Von Ute F. Wegner

Bluthochdruck ist ein Risikofaktor für Herzinfarkt und Schlaganfall. Meist kann man den Blutdruck mit Medikamenten senken. Wirken diese nicht, kann ein minimalinvasiver Eingriff helfen

Durch die Oberschenkelschlagader wird der Katheter (blau) bis zur Nierenarterie vorgeschoben. Foto: Medtronic

Selbsthilfe

Die Deutsche Herzstiftung gibt Patienten mit Bluthochdruck folgende Ratschläge, was sie selbst tun können, um den Blutdruck zu senken:

Lebensstil Man sollte einen gesunden Lebensstil führen: Möglichst fünfmal pro Woche jeweils 30 Minuten flott gehen, radfahren, joggen oder schwimmen, das Gewicht normalisieren, sich gesund ernähren, wenig Kochsalz verwenden, wenig Alkohol zu sich nehmen und nicht rauchen. Wenn Medikamente eingenommen werden müssen, führt der gesunde Lebensstil dazu, dass man mit einer niedrigeren Dosis auskommt und sich damit auch die Nebenwirkungen verringern.

Kontrolle Es ist ratsam, seinen Blutdruck in regelmäßigen Abständen selbst zu kontrollieren und die Werte zu notieren. Ebenso wichtig sind ständige Kontrollen beim Arzt, zum Beispiel alle sechs Monate, auch wenn man sich wohlfühlt und der Blutdruck in Ordnung ist.

Medikamente Die Medikamente sollten genau nach Verordnung eingenommen und nie auf eigene Faust anders dosiert, häufiger oder seltener eingenommen werden. Eine gut sichtbare Medikamentenbox verhindert, dass vergessen wird, die Arzneien einzunehmen. Das Absetzen oder eine unregelmäßige Einnahme der Blutdruckmedikamente ist gefährlich. Besteht das Gefühl, die Medikamente haben Nebenwirkungen, sollte das offen mit dem behandelnden Arzt besprochen werden.

Geduld Ein erhöhter Blutdruck sollte langsam in Wochen und Monaten gesenkt werden. Denn wird er zu schnell gesenkt, kann das zu Leistungsabfall, Müdigkeit und Benommenheit führen.

Bluthochdruck ist tückisch. Er tut nicht weh und macht über Jahre keinerlei Beschwerden. Doch ist die Hypertonie, so der Fachbegriff, eine der häufigsten Erkrankungen in den westlichen Industrieländern. Allein hierzulande haben schätzungsweise zwischen 18 bis 35 Millionen Menschen einen Bluthochdruck, bei der Hälfte der Betroffenen jedoch bleibt er unerkannt, so dass ihnen gar nicht bewusst ist, dass sie etwas tun müssten, um den Blutdruck zu senken.

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"Die schweren Komplikationen treten erst sehr viel später auf", sagt Prof. Michael Böhm, Leiter der Klinik für Innere Medizin im Universitätsklinikum des Saarlandes in Homburg. So ist Bluthochdruck Risikofaktor Nummer Eins für den Schlaganfall. Die gute Nachricht: Ist er erkannt, gibt es eine ganze Reihe von nebenwirkungsarmen Medikamenten, um ihn zu behandeln. Die weniger gute: Zehn bis 15 Prozent der Patienten haben eine therapieresistente Hypertonie, das bedeutet, dass bei ihnen diese Medikamente nicht ausreichend wirken, sie können den Blutdruck nicht senken. Der Blutdruck ist nicht einstellbar, nennen das die Mediziner.

Blutdruck senken, um Herzinfarkt-Risiko zu verringern

"Diese Patienten haben häufig Begleiterkrankungen, zum Beispiel Übergewicht und Stoffwechselstörungen wie das sogenannte Metabolische Syndrom, erhöhte Blutfettwerte und eine beginnende oder schon manifeste Zuckererkrankung", erklärt Prof. Böhm. Die Betroffenen tragen ein besonders hohes Risiko, einen Schlaganfall, Herzinfarkt und Herzschwäche zu erleiden. Peu à peu wird nun bundesweit ein neues Verfahren in Kliniken eingeführt, um Patienten mit einer nicht behandelbaren Hypertonie zu helfen und ihren Blutdruck zu senken. In den Universitätskliniken in Homburg sowie Düsseldorf ist es bereits etabliert. "Wir waren die ersten, die diese Methode erstmals in Deutschland 2010 erprobt haben", so Böhm.

Es handelt sich um einen Eingriff mittels Herzkatheter-Technik, der von Wissenschaftlern in Silicon Valley entwickelt wurde. Es heißt "renale Sympathikusdenervation", kurz RSD. Die ersten grundlegenden Ideen dazu hatte man bereits in den 30er-Jahren. Und zwar wurden damals bei einer Operation die Nervenstränge des sympathischen Nervensystems durchtrennt, um so den Blutdruck zu senken.

Erste Operationen hatten massive Nebenwirkungen

Sympathische Nerven, auch Stressnerven genannt, sind Teil des vegetativen Nervensystems. Sie legen sich netzartig um die Nierengefäße und dringen in das Nierengewebe ein. Wissenschaftler haben bereits vor vielen Jahren in Tierexperimenten herausgefunden, dass die Aktivität der Stressnerven bei massivem Bluthochdruck ebenfalls erhöht ist.

"Das führt zu einem Teufelskreis", erklärt Prof. Böhm, "denn die sympathischen Nervenfasern vermitteln auch Reize an das zentrale Nervensystem im Gehirn. Dadurch erhöht sich der Blutdruck immer weiter, der Herzschlag nimmt zu, Gefäße und Herz können geschädigt werden."

Die damaligen Operationen waren insofern erfolgreich, als dass es gelang bei den Patienten den Blutdruck deutlich zu senken. Jedoch litten sie unter massiven Nebenwirkungen wie Schwindel, Ohnmachtsanfällen, Blasenschwäche, Impotenz sowie Magen- und Darmproblemen. Die Operationen konnten nicht mehr vorgenommen werden.

Durch die Oberschenkelschlagader bis zur Niere

Das neue Verfahren jedoch verfügt über die Kunst, nur die zu den Nieren führenden sympathischen Nervenfasern zu veröden und auf diese Weise den Blutdruck zu senken. Der Eingriff erfolgt in einem Herzkatheterlabor. Der Mediziner punktiert zunächst die Oberschenkelschlagader, durch die ein millimeterdünner Katheter in die Nierenarterie geschoben wird. Durch diesen Katheter schieben die Experten nun eine Elektrode, die an der Außenwand der Arterie liegt. Dann wird Hochfrequenzstrom abgegeben, das Gefäß erhitzt sich aber nur an der Außenseite. Genau dort laufen die Nervenfasern entlang, die durch die Hitze ausgeschaltet werden sollen. "Nur dort tritt die biologische Wirksamkeit des Stroms ein und verödet die Nerven", sagt Prof. Böhm, "das ist der Clou an der Sache."

Alles in allem dauert der Eingriff etwa eine Stunde. Dabei kann es passieren, dass es aus dem Gefäß nachblutet. Doch das ist nach ein paar Stunden vorüber. "Wichtig ist, dass dieser Eingriff von erfahrenen Experten in einem der führenden Herzzentren vorgenommen wird", betont Prof. Böhm, der auch dem wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung angehört.

Das Ergebnis der neuen Methode, die in zwei großen international durchgeführten Studien geprüft wurde: 85 Prozent der Patienten sprechen auf den Eingriff an, es gelingt, ihren Blutdruck deutlich zu senken. Oft können sie ihre Medikamente, die sie bislang gegen ihren Bluthochdruck eingenommen haben, absetzen oder zumindest die Dosis verringern.
 

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Quellen

Gespräch mit Prof. Michael Böhm, Leiter der Klinik für Innere Medizin im Universitätsklinikum des Saarlandes in Homburg/Saar, Januar 2012
Informationen der Deutschen Herzstiftung e. V., Frankfurt am Main

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