Sie befinden sich hier:

Startseite > Gesund-Magazin > Medizin > Alternative Medizin inklusive

Interview

Alternative Medizin inklusive

| Von Manfred Pantförder

Integrative Medizin, die alternative Medizin und Schulmedizin verbindet, hat Vorteile, sagt Dr. Michael Teut, Ambulanz für Integrative Medizin, Universitätsklinikum Charité Berlin

Akupunktur ist asiatischen Ursprungs und ist eine der bekannten Methoden, die alternative Medizin ausmachen. Foto: pa/Creasource

GESUND: Was bietet die komplementäre oder alternative Medizin?
Dr. Michael Teut: In Deutschland wenden rund 70 Prozent der Bevölkerung alternative oder traditionelle Therapien an. Es kommt bei der Auswahl auf die Erkrankung des Patienten und deDr. Michael Teutn Kontext an. An der Charité bevorzugen wir eine individuell angepasste integrative Medizin, in der sowohl die Schulmedizin als auch wirksame traditionelle Therapieverfahren zur Anwendung kommen. Gern in Kombination, wenn es Sinn macht. So bieten wir zum Beispiel in Kooperation mit den Onkologen am Comprehensive Cancer Center der Charité eine naturheilkundliche Sprechstunde für Krebspatienten an. Dabei bieten wir explizit keine Alternativen zu onkologischen Therapien an, sondern ergänzen die Arbeit der Kollegen mit Beratungen, etwa zu Selbsthilfe durch Sport, Yoga, Entspannung und Ernährung.

Lesen Sie auch

Weitere Beiträge zum Thema Komplementärmedizin

GESUND: Was suchen Patienten, die sich für alternative Medizin interessieren, neben der Schulmedizin?
Teut: Unsere Patienten sind meist Menschen mit langjährigen chronischen Krankheiten, die mit konventionellen Behandlungen unzufrieden sind, Nebenwirkungen konventioneller Medikamente fürchten oder mehr selbst tun wollen im Sinne einer Lebensstilveränderung. Viele Patienten möchten vor allem über ihre Krankheit länger mit einem Arzt reden und Krankheitskonzepte der traditionellen Therapieverfahren als Deutungsmöglichkeit ihrer Erkrankung kennen lernen. Die meisten Patienten wünschen sich integrative Medizin: das Beste aus Schul- und Alternativmedizin.

GESUND: Alternative Medizin ist populär, obwohl die Evidenz meist fehlt. Wie lässt sich dieser
Gegensatz erklären?
Teut: Die USA haben aus der Popularität, die die alternative Medizin besitzt, Schlussfolgerungen gezogen. Es werden dort derzeit jährlich über 100 Millionen Euro staatlicher Fördermittel zur wissenschaftlichen Erforschung der Komplementärmedizin durch Universitäten bereitgestellt. Die Folge der intensivierten Forschungsförderung ist, dass wir mittlerweile viel mehr wissen über Nutzen und Risiken, positive Ergebnisse liegen z.B. für Yoga, Akupunktur, Schröpfen, Blutegel und viele Heilpflanzen vor.

GESUND: Und wie steht es um die alternative Medizin hierzulande?
Teut: In Deutschland wird Forschung in diesem Bereich zum allergrößten Teil durch Stiftungen und private Spender gefördert, in Einzelfällen auch durch Krankenkassen; öffentlich wird bislang kaum gefördert.

Weitere Beiträge aus dem Ressort Medizin

Quellen

Interview mit Dr. Michael Teut, Universitätsklinikum Charité Berlin, Juni 2011

Am häufigsten gelesen

Leben mit Krebs

Leben mit Krebs

Im Themenspecial finden Betroffene und Angehörige Informationen zu modernen Therapieformen sowie zur aktuellen Krebsforschung. mehr ...

Weitere Themen:

PartnerangeboteAnzeige

Disclaimer:

© 2012 gofeminin.de GmbH – Das Informationsangebot rund um die persönliche Gesundheit auf www.onmeda.de dient ausschließlich Ihrer Information und ersetzt in keinem Fall eine persönliche Beratung, Untersuchung oder Diagnose durch einen approbierten Arzt. Die auf Onmeda zur Verfügung gestellten Inhalte können und dürfen nicht zur Erstellung eigenständiger Diagnosen und/oder einer Eigenmedikation verwendet werden. Bitte beachten Sie auch den Haftungsausschluss sowie unsere Hinweise zu den Bildrechten.