GESUND: Was bietet die komplementäre oder alternative Medizin?
Dr. Michael Teut: In Deutschland wenden rund 70 Prozent der Bevölkerung alternative oder traditionelle Therapien an. Es kommt bei der Auswahl auf die Erkrankung des Patienten und de
n Kontext an. An der Charité bevorzugen wir eine individuell angepasste integrative Medizin, in der sowohl die Schulmedizin als auch wirksame traditionelle Therapieverfahren zur Anwendung kommen. Gern in Kombination, wenn es Sinn macht. So bieten wir zum Beispiel in Kooperation mit den Onkologen am Comprehensive Cancer Center der Charité eine naturheilkundliche Sprechstunde für Krebspatienten an. Dabei bieten wir explizit keine Alternativen zu onkologischen Therapien an, sondern ergänzen die Arbeit der Kollegen mit Beratungen, etwa zu Selbsthilfe durch Sport, Yoga, Entspannung und Ernährung.
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GESUND: Was suchen Patienten, die sich für alternative Medizin interessieren, neben der Schulmedizin?
Teut: Unsere Patienten sind meist Menschen mit langjährigen chronischen Krankheiten, die mit konventionellen Behandlungen unzufrieden sind, Nebenwirkungen konventioneller Medikamente fürchten oder mehr selbst tun wollen im Sinne einer Lebensstilveränderung. Viele Patienten möchten vor allem über ihre Krankheit länger mit einem Arzt reden und Krankheitskonzepte der traditionellen Therapieverfahren als Deutungsmöglichkeit ihrer Erkrankung kennen lernen. Die meisten Patienten wünschen sich integrative Medizin: das Beste aus Schul- und Alternativmedizin.
GESUND: Alternative Medizin ist populär, obwohl die Evidenz meist fehlt. Wie lässt sich dieser
Gegensatz erklären?
Teut: Die USA haben aus der Popularität, die die alternative Medizin besitzt, Schlussfolgerungen gezogen. Es werden dort derzeit jährlich über 100 Millionen Euro staatlicher Fördermittel zur wissenschaftlichen Erforschung der Komplementärmedizin durch Universitäten bereitgestellt. Die Folge der intensivierten Forschungsförderung ist, dass wir mittlerweile viel mehr wissen über Nutzen und Risiken, positive Ergebnisse liegen z.B. für Yoga, Akupunktur, Schröpfen, Blutegel und viele Heilpflanzen vor.
GESUND: Und wie steht es um die alternative Medizin hierzulande?
Teut: In Deutschland wird Forschung in diesem Bereich zum allergrößten Teil durch Stiftungen und private Spender gefördert, in Einzelfällen auch durch Krankenkassen; öffentlich wird bislang kaum gefördert.





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