Das Berliner Universitätsklinikum Charité koordiniert eine große Studie zu Akupunktur bei Heuschnupfen. Über die Erwartungen und Aussichten äußert sich die stellvertretende Studienkoordinatorin, Dr. med. Miriam Ortiz, Ärztin am Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie der Charité. In der kontrollierten klinischen Studie werden Patienten im Alter zwischen 16 und 45 Jahren behandelt und untersucht, die auf Birken- und Gräserpollen seit mindestens zwei Jahren allergisch reagieren.
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GESUND: Was ist der Antrieb für diese Studie über die mögliche Wirksamkeit von Akupunktur bei Heuschnupfen?
Dr. med. Miriam Ortiz: Viele Menschen interessieren sich für die Akupunktur als eine nebenwirkungsarme Behandlungsmethode. Bislang ist die Akupunkturtherapie bei Heuschnupfen jedoch nicht wissenschaftlich anerkannt, da Belege zur Wirksamkeit nicht ausreichend vorliegen. Unsere Studie ist bislang die größte Untersuchung zu diesem Thema und soll neue Hinweise zur Wirksamkeit der Akupunktur bei Heuschnupfen bringen.
GESUND: Krankenkassen zahlen inzwischen für Akupunktur-Behandlungen. Wieso nur für einige wenige?
Ortiz: Akupunktur im Vergleich zu Scheinakupunktur und Standardtherapie wurde 2001–2006 im Auftrag von Krankenkassen für vier unterschiedliche Schmerzerkrankungen untersucht. Auch Scheinakupunktur, die nicht den traditionellen chinesischen Richtlinien folgt, wirkte überraschend gut. Sowohl bei chronischen Schmerzen der Lendenwirbelsäule als auch bei der Kniegelenksarthrose wirkte Akupunktur in einigen Studien besser als Standardtherapie, so dass die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten bei diesen Schmerzsyndromen jetzt übernehmen.
GESUND: Geht es also um eine mögliche Ausdehnung der Akupunktur-Anwendungen, die bezahlt werden sollen?
Ortiz: Nein, darum geht es hier nicht. Die Krankenkassen sind an dieser Forschung jetzt nicht beteiligt. Es geht zunächst um die allgemeine Akzeptanz der Methode und weitere Hinweise zu Wirksamkeit und Wirkweise. Die chinesische Medizin beruht auf der für uns fremdartigen Vorstellung, dass es Energieflüsse im Körper gibt, die unter anderem durch Akupunktur beeinflusst werden können.
GESUND: Was heißt das?
Ortiz: Gemeint ist, dass über Energiebahnen, sogenannte Meridiane, der Gesamtzustand von Körper, Geist und Seele im Körper reguliert wird. Durch Manipulation an Akupunkturpunkten auf den Meridianen lässt sich dieser Energiefluss beeinflussen. Die Akupunkturpunkte entsprechen zwar überwiegend Nerven- und Blutgefäßaustrittspunkten, die Existenz korrespondierender Meridiane ist jedoch unklar und wird noch erforscht.
GESUND: Woher kommt das Interesse an Akupunktur?
Ortiz: Viele Patienten interessieren sich für Akupunktur, die Akzeptanz ist hoch. Daher unterstützt auch die Deutsche Forschungsgesellschaft nun erstmals eine klinische Studie aus dem Bereich der sogenannten alternativen Heilverfahren.
GESUND: Geht es um die Frage, ob Akupunktur überhaupt wirksam ist?
Ortiz: Es geht nicht nur um die generelle Wirkung. Bei klinischen Studien ist die Wirksamkeit einer Behandlung bei einem speziellen Krankheitsbild sehr wichtig. In diesem Fall wurde der Heuschnupfen als Krankheitsbild gewählt, weil es sehr häufig vorkommt und nicht alle Patienten von der Standardtherapie profitieren.
GESUND: Was soll nun herausgefunden werden?
Ortiz: Es geht in unserer Studie primär um die Frage, ob Akupunktur zu einer Linderung der Heuschnupfenbeschwerden führt.
GESUND: Ihre Studie begann im vergangenen Jahr. Gibt es schon Ergebnisse?
Ortiz: Eine Zwischenauswertung ist nicht vorgesehen, daher gibt es noch keine Ergebnisse. Aber es gibt natürlich Vorstudien in dem Bereich. Da sieht es so etwa Fifty-fifty aus: Das heißt, es gibt Studien, die zeigen eine Wirksamkeit von Akupunktur bei Heuschnupfen, und bei anderen ist das Ergebnis nicht so eindeutig oder negativ. Wir hoffen, dass unsere Studie zukünftig eine klarere Aussage möglich macht.
GESUND: Wie werden die Probanden behandelt?
Ortiz: Alle Probanden erhalten entweder sofort oder nach acht Wochen zwölf Akupunkturbehandlungen durch ausgebildete Akupunkturärzte. Dabei werden zwei verschiedene Akupunkturarten angewendet, deren Wirksamkeit in Studien erprobt wurde. Alle Studienteilnehmer können nach Bedarf auch zusätzlich Heuschnupfenmedikamente, Antihistaminika, einnehmen. Der Tablettenkonsum wird registriert, um zu prüfen, ob Akupunktur die benötigte Menge reduziert.
GESUND: Wie viele Nadeln werden gesetzt?
Ortiz: Es werden mindestens zehn Akupunkturpunkte genadelt. Diese Punkte befinden sich unter anderem an Armen, Beinen und am Kopf. Die zwölf Behandlungen, die jeweils etwa eine halbe Stunde dauern und innerhalb von zwei Monaten vorgesehen sind, entsprechen übrigens einem Wert von rund 500 Euro, für die Probanden ist die Studienteilnahme kostenlos.





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