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Verschlucken

Nüsse verschucken: Hohes Risiko für Kleinkinder

| Von Kirsten Allee

Viele Kinder lieben Nüsse, doch Eltern unterschätzen häufig die Gefahr. Das harmlose Knabbervergnügen kann vor allem für Kleinkinder zum Problem werden, denn sie verschlucken sich leicht

Nüsse sind nichts für Kleinkinder, warnen Lungenärzte – jedenfalls wenn sie geschält sind. Foto: Getty/Viant

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Risiko Verschlucken

Notarzt Dass Kinder Kleinteile verschlucken und beim Aushusten einatmen kommt jährlich in Deutschland in etwa 5000 Fällen vor. Ungefähr ein Prozent erstickt daran. Nach Angaben des Berufsverbands der Hals-Nasen-Ohrenärzte sind 99 Prozent der Fremdkörper Nüsse. Hat sich ein Kind verschluckt und bekommt keine Luft, sollten Eltern einen Notarzt rufen. Während der Wartezeit können Schläge mit der Hand zwischen die Schulterblätter helfen, den Fremdkörper eventuell zu lösen. Auch wenn keine akute Luftnot besteht, sollte das Kind in einer Klinik untersucht werden: Symptome einer Fremdaspiration treten manchmal erst nach Tagen auf.

Gelangen die Nuss oder kleinere Teile davon bei kleinen Kindern aus Versehen in die Luftröhre, droht Erstickungsgefahr. In den meisten Fällen husten die Kinder beim Verschlucken den Fremdkörper wieder aus. Mitunter atmen sie aber auch kleine Stückchen ein. Diese geraten dann in die unteren Atemwege und können sich tief in den Bronchien festsetzen.

Immer wieder muss   Prof. Susanne Lau,  Kinderpneumologin an der Kinderklinik der Berliner Charité,  Kleinkindern solche eingeatmeten Teilchen aus der Lunge entfernen. Das Problem sei besonders häufig  in der Vorweihnachtszeit, wenn die Kinder viele Nüsse nachen und sich dabei verschlucken, sagt sie. Das Phänomen der sogenannten Fremdkörperaspiration betrifft auch Karotten, Perlen oder Plastikteilchen. "In den allermeisten Fällen sind es jedoch Nüsse", stellt die Ärztin fest.

Nach dem Verschlucken in den Atemwegen verborgen

Tief verborgen in den Atemwegen, fallen die Fremdkörper nach dem Verschlucken und Einatmen zunächst einmal gar nicht auf. Mitunter erst nach Tagen merken Eltern, dass mit ihrem Kind etwas nicht stimmt. Das war auch bei dem dreijährigen Jungen der Fall, den Susanne Lau Mitte November behandelt hat. Weil das Kind immer wieder hustete und kurzatmig wurde, suchten die Eltern den Kinderarzt auf. Der stellte dann fest, dass im linken Lungenflügel des Kindes keine Atemgeräusche mehr zu hören waren und überwies den Jungen sofort an die Kinderklinik der Charité.

"Wir haben ein Röntgenbild gemacht und gesehen, dass die linke Lungenseite aufgrund der Verstopfung überbläht war", erzählt die Pneumologin. Verschmutlich hatte der Junge nach dem Verschlucken kleine Nussteile eingeatmet. Weil die Fremdkörper in den Bronchien oft noch weiter aufquellen, sind die Atemwege an dieser Stelle verstopft und es kann kein Gasaustausch mehr stattfinden. Die Luft bleibt dann in dem betroffenen Teil und bläht ihn ähnlich wie einen Luftballon auf.

Eingriff unter Vollnarkose

Die eingeatmeten Teilchen selbst lassen sich so allerdings nicht entdecken. Abgesehen von Metall sind die meisten Fremdkörper nicht "röntgendicht". Um sie aufzuspüren, muss die Lunge deshalb bronchoskopiert werden. "Dabei führen wir einen Schlauch in die Lunge ein, an dem eine Art Minikamera befestigt ist", erklärt Lau. Ist der Übeltäter entdeckt, muss er vorsichtig mit einer winzigen Zange herausgezogen werden. Der Eingriff findet unter Vollnarkose statt. Mitunter dauert es mehrere Stunden, bis alle Teilchen entfernt sind, und auch das gelingt nicht immer. "Gerade Nüsse sind manchmal schwierig zu fassen, weil sie quellen und zerbröseln", sagt die Medizinerin. "Wird alles zeitnah entfernt, bleiben in der Regel keine Schäden zurück."

Werden Stücke dagegen übersehen, sind sie zu tief ins Gewebe gerutscht oder wird die Fremdkörperaspiration zu spät erkannt, können die Partikel sogar in die Lunge einwachsen. Dann entzündet sich das umliegende Gewebe, das Kind leidet immer wieder unter Bronchitis oder Lungenentzündungen, schwere Infektionen drohen.

Gefahr zu Hause und auch in Kindertagesstätten

Bei einem 15 Monate alten Mädchen  musste die Pneumologin passen. Das Kind hatte  bereits drei Monate vor der Behandlung offenbar große Mengen an Nüssen nach dem Verschlucken und Husten eingeatmet. Als es hoch fiebernd in die Klinik eingeliefert wurde, war die Lunge so stark entzündet, dass auch nach dreistündiger Bronchoskopie nicht alle Partikel entfernt werden konnten. "Ein Teil der Lunge war nicht mehr zu retten und wird dem Kind als ewiger Herd für eitrige Infektionen immer wieder Probleme machen", vermutet Susanne Lau.

Die Medizinerin warnt daher vor allzu sorglosem Umgang mit Nüssen. "Bis zum Alter von vier Jahren sollte ein Kind überhaupt keine Nüsse bekommen", betont die Ärztin. Leider wüssten viele Eltern nicht, das die Gefahr des Einatmens besonders nach dem Verschlucken von Nüssen besonders hoch ist. Und sie lauert nicht nur zu Hause. Auch in Kindertagesstätten werden gern Erdnüsse zum Pulen und Knabbern verteilt. "Das Problembewusstsein ist leider selbst bei geschulten Pädagogen nicht groß", bedauert die Lungenärztin.

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Quellen

Gespräch mit Prof. Susanne Lau, Lungenfachärztin, Kinderklinik der Berliner Charité, Nov. 2009

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