Halsweh, Schnarchen, Schniefen: Vergrößerte Rachen- und Gaumenmandeln sorgen für unruhige Nächte und belasten Kinder und Eltern. Was kann helfen, wenn auch die Ohren betroffen sind? Was tun bei Schluck- und Atembeschwerden? Manchmal ist eine Mandeloperation nicht zu vermeiden. Was Eltern rechts und links hinter dem Zäpfchen ihres Kindes sehen, ist die als Paar angeordnete Rachenmandel (Tonsilla pharyngealis). Laien sprechen fälschlicher Weise auch von "Polypen". Bei Kindern ist die Rachenmandel häufig vergrößert. Die Wucherungen heißen im medizinischen Fachjargon Adenoide. Sie führen nicht nur zu häufigem Schnupfen, zu Husten, Mundatmung und Schnarchen, sie können in schlimmen Fällen auch die Ursache für eine Schwerhörigkeit und eine verzögerte Sprachentwicklung sein.
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Mandeln – Infektionsabwehr im Nasen-Rachen-Raum
"Bei den betroffenen Kindern sammelt sich Flüssigkeit im Mittelohr an", sagt Doris Hartwig-Bade, Vizepräsidentin des Berufsverbandes der Hals-Nasen-Ohrenärzte. Bei einer Entfernung der Rachenmandel werde dieser sogenannte "Paukenerguss" abgesaugt. In einigen Fällen werde auch ein "Paukenröhrchen" gesetzt, das die Belüftung des Mittelohrs garantiere und ein normales Hören ermögliche – Voraussetzung für den Spracherwerb der Kinder. Die Größe der Rachenmandel nehme im Laufe des Körperwachstums aber ab. "Eine operative Entfernung ist deshalb nur dann sinnvoll, wenn die Wucherung zu stark ist und Hörprobleme verursacht." Bis in die 70er-Jahre wurden sowohl die Rachenmandel als auch die noch tiefer liegende Gaumenmandel (Tonsilla palatina) häufiger operativ entfernt.
Heute ist man bei Mandeloperationen etwas vorsichtiger geworden. Mediziner schätzen die Risiken – z.B. Nebenwirkungen nach einer Vollnarkose oder Nachblutungen – realistischer ein. Mandeloperationen werden in der Regel zwischen dem dritten und achten Lebensjahr durchgeführt und auch nur, wenn die Diagnose es verlangt. Der Eingriff wird vorgenommen, wenn er die Lebensqualität der Kinder entscheidend verbessern kann. Die Mandeln haben eine wichtige Funktion: Ihr Gewebe ist für die Infektionsabwehr im Nasenrachenraum zuständig. Durch den Lufteinstrom der Atmung können Viren und Bakterien in den Körper gelangen. Da die Mandeln dies verhindern und sogar Abwehrstoffe bilden, sind sie ein bedeutender Teil des Immunsystems.
Bei neuer OP-Methode werden die Mandeln nur teilweise entfernt
Wenn bei einem Kind die Gaumenmandel extrem vergrößert ist, muss über eine Mandeloperation nachgedacht werden. Die sogenannten kissing tonsils – Mandeln, die sich im Rachenraum sogar berühren – führen zu erheblichen Schluckbeschwerden. Sie sind ein Hindernis, das auch die Atemwege verengt. Durchs Schnarchen findet das Kind keinen entspannten Schlaf mehr, hat Atemaussetzer und ist tagsüber quengelig und unausgeschlafen. Sogar sein Geruchs- und Geschmacksempfinden ist beeinträchtigt. In vielen Fällen werden bei dieser Diagnose die Gaumenmandeln immer noch vollständig entfernt. Als relativ neue und schonende Operationsmethode empfehlen HNO-Ärzte aber auch eine Verkleinerung der Gaumenmandeln (Tonsillotomie) nach der Radiofrequenz-Coblationsmethode, die ambulant durchgeführt wird.
"Das ist ein blutungsarmes, gewebeschonendes, elektrochirurgisches Verfahren", sagt der HNO-Arzt Dr. Edmund Brunner aus München. Zielgenau könne dadurch das Gewebe abgetragen werden. Gleichzeitig könnte während dieser Mandeloperation, falls nötig, mit der Coblation auch die vergrößerte Rachenmandel entfernt werden. "Die Folgen der stark vergrößerten Gaumenmandel sind für Eltern und Kinder sehr belastend. Nach erfolgtem Eingriff ist die Familie sehr erleichtert. Der erhalten gebliebene Teil der Mandeln übt nach der Operation weiterhin seine Abwehrfunktion gegen Krankheitserreger aus", sagt Dr. Brunner.




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