Mit leerem Magen in die Schule: Das ist offenbar für viele Kinder völlig normal. Nach einer aktuellen Eltern-Befragung der Techniker-Krankenkasse bekommt in Deutschland jedes siebte Kind zu Hause kein Frühstück, und Experten gehen davon aus, dass es in Wirklichkeit noch deutlich mehr sind. Dabei gilt die Morgen-Mahlzeit als besonders wichtig für die Kinderernährung. Zahlreiche Studien zeigen: Wird sie ausgelassen, sinkt die geistige Leistungsfähigkeit und das Risiko für Übergewicht steigt.
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Risikofaktoren bei der Kinderernährung
Das Frühstück sei die Startrampe in den Tag sagt Christiane Röhling, Diplom-Ökotrophologin an der Berliner Charité. Sie gehört zu einem Team von Ernährungswissenschaftlern, Ärzten, Physiotherapeuten und Sozialpädagogen, die im sogenannten Babeluga-Projekt stark übergewichtige Berliner Kinder betreuen. Davon gibt es hierzulande immer mehr. In Deutschland gelten 15 Prozent als übergewichtig, sechs Prozent als adipös. Die Ursachen für die Fehlentwicklung bei der Kinderernährung sind vielfältig, aber im Frühstücksritual treffen einige Risikofaktoren zusammen. Das fehlende soziale Miteinander beispielsweise und die Hektik. Morgens sei einfach keine Zeit, sich gemeinsam an den Esstisch zu setzen, sagt ein Drittel der befragten Mütter und Väter. Röhling empfiehlt deshalb dringend, sich stets eine viertel Stunde zu nehmen, früher aufzustehen, und ohne mediale Ablenkung zu speisen. Eine solche Atmosphäre fördere das bewusste Essen.
Kinder greifen zu dem, was der Körper verlangt
Wenn man Kinder das Richtige anbietet, essen sie auch das Richtige, sagt Röhling. Sie greifen intuitiv zu dem, was ihr Körper verlangt und braucht. Nicht zu toppen bei der Kinderernährung am Morgen sind nach Ansicht der Experten Haferflocken ? preiswert, schnell zubereitet und gesund, im Winter mit warmer Milch und einem Löffel Kakao. Bei der Wahl der Frühstücksspeisen solle man vor allem praktikabel vorgehen, rät Röhlings Kollegin Dr. Anne-Madeleine Bau. Die Gesundheit hänge nicht am Vollkornbrot, sondern es gehe um eine insgesamt ausgewogene Kinderernährung. "Wir sind oft schon froh, wenn die Kinder überhaupt Frühstück bekommen", sagt sie.
Wenigstens ein Glas Milch am Morgen
Andererseits gibt es Kinder, die nach dem Aufstehen tatsächlich nichts herunterbekommen. Ihnen sollten die Eltern dann wenigstens ein Glas mit Milch oder Kakao zu trinken geben, rät die Ernährungswissenschaftlerin. In diesen Fällen sei wichtig, das Frühstück zur ersten großen Pause nachzuholen. Schüler, die schon um sieben ihr Frühstück bekommen haben, brauchen dagegen erst gegen 10:30 Uhr in die Stulle zu beißen. Ratsam für die Kinderernährung seien Weizenvollkornbrote aus möglichst fein gemahlenem Mehl. Auf keinen Fall sollte man dem Kind Geld mit in die Schule geben. Davon würden oft zu süße und fettige Speisen gekauft, die schnell wieder hungrig machen.
Alle drei bis vier Stunden ein Pausenbrot
Grundsätzlich sollte ein Schüler genügend Pausenbrote mitnehmen, um alle drei bis vier Stunden zu essen. Was und wie viel für die Kinderernährung ratsam ist, das erklären die Experten Eltern und Nachwuchs an einer großen Tafel mit der Ernährungs-Pyramide (siehe Grafik). Darauf sind die täglichen Portionen aufgemalt, als Maßstab gilt die Hand. Kinder würden gut verstehen, warum Eltern mehr essen können ? schließlich haben sie ja größere Hände.
Eltern mit der richtigen Kinderernährung überfordert
Die Berliner Ernährungsexperten haben viel Überzeugungsarbeit zu leisten. Nicht nur Eltern seien heute damit überfordert, in der Welt des Überflusses die richtige Ernährung auszuwählen, sagt Dr. Bau. Wenn Frühstück ausgelassen werde, zeige das, welchen Stellenwert man der gesunden Kinderernährung im Allgemeinen gebe.
"Nicht zu frühstücken ist wie Auto fahren mit leerem Tank"
Das bestätigt eine große australische Studie. Demnach fallen Kinder ohne Frühstück auch dadurch auf, dass sie im Laufe Tages weniger Früchte, Gemüse und Milchprodukte essen. Das Frühstück auszulassen ist wie Autofahren mit leerem Tank, sagt Studienleiterin Dr. Christian Bennett. Das Benzin ist alle, wenn man's am nötigsten braucht.






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