Ob Fieber, Ohren- oder Zahnschmerzen: Kinder werden häufig krank. Damit der Nachwuchs nicht unnötig leiden muss, greifen manche Eltern zu Mitteln, die Schmerz und Fieber bei Kindern senken. Ärzte warnen jedoch vor den Risiken.
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"Kindern werden viel zu viele Schmerzmittel verabreicht", sagt Dr. Ulrich Fegeler, Berliner Kinderarzt und Sprecher des Berufsverbandes Deutscher Kinder- und Jugendärzte. Weil viele Schmerzmittel rezeptfrei erhältlich sind, halten Eltern die Medikamente für harmlos und verabreichen sie unbedarft – obwohl einige Mittel nicht speziell für die Anwendung bei Kindern zugelassen sind. Oft werden rezeptfreie Medikamente auch noch großzügig dosiert. Problematisch ist das vor allem, wenn das Kind ein flüssiges Arzneimittel wie einen Fiebersaft mit einem Küchenlöffel erhält. Wie US-Forscher von der Cornell University in Ithaca herausfanden, kommt es durch unterschiedliche Größen der Löffel leicht zu gefährlichen Unter- oder Überdosierungen.
Fieber bei Kindern – eine sinnvolle Einrichtung
Viele rezeptfreie Schmerzmittel wie Paracetamol oder Ibuprofen wirken gleichzeitig fiebersenkend. Darin liegt auch der Schwerpunkt der Anwendung bei Kindern. "Fieber bei Kindern ist jedoch kein medizinischer Notfall, sondern eine ausgesprochen sinnvolle Einrichtung der Evolution, um eingedrungene Krankheitserreger zu bekämpfen" sagt Dr. Fegeler. Dazu kommt, dass Fieber bei Kindern allein noch keine Indikation für ein fiebersenkendes Mittel darstellt. "Es gibt Kinder, die noch bei 39,5 Grad Celsius gut spielen, während andere schon bei geringeren Temperaturen regelrecht durchhängen".
Daher rät der Pädiater Eltern, stets das individuelle Befinden des Kindes zu beachten und schmerz- und fiebersenkende Mittel nur bei Bedarf und sparsam einzusetzen. Sinnvoll sei es, dem Kind ein Zäpfchen zur Nacht geben und dies bei Bedarf tagsüber wiederholen."Mehr als eine zweimalige Gabe sollte es möglichst nicht sein."
Diclofenac erst ab 16 Jahren
Als Mittel der Wahl gegen Schmerzen und/oder Fieber bei Kindern geltenParacetamol und Ibuprofen. In seltenen Fällen, etwa bei rheumatischen Beschwerden, kann auch Diclofenac bei Jugendlichen ab 16 Jahren zum Einsatz kommen. Vorsicht geboten ist beim Wirkstoff Acetylsalicylsäure (ASS, Handelsnamen: Aspirin, Acesal, Gondamed etc.). "Sie soll bei Kindern und Jugendlichen mit fieberhaften Erkrankungen nur auf ärztliche Anweisung und nur dann angewendet werden, wenn andere Maßnahmen nicht wirksam sind. Der Grund dafür ist das mögliche Auftreten eines Reye-Syndroms., einer seltenen, aber sehr gefährlichen Hirn- und Lebererkrankung", so Dr. Ursula Sellerberg von der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände.
Obwohl sich Paracetamol gegen Fieber bei Kindern bewährt hat, sollte man auch bei diesem Wirkstoff vorsichtig sein. So steht das Mittel im Verdacht, bei regelmäßiger Einnahme das Risiko für Allergien und Asthma zu erhöhen. Zudem kann es in hohen Dosen und bei dauerhafter Anwendung Leberschäden verursachen.
Schmerzmittel zu kombinieren kann zu Überdosierung führen
Daher sollten Eltern genau auf die Inhaltsstoffe achten, sagt Apothekerin Dr. Sellerberg: "Viele Mittel gegen Erkältungsbeschwerden enthalten Paracetamol. Werden sie miteinander kombiniert und zusammen eingenommen, kann es sehr leicht zu Überdosierungen kommen." Um dies zu vermeiden, solle man sich in der Apotheke die Gesamtmenge berechnen lassen. Dort erfährt man auch, wie viel Milliliter des Safts der Menge in Milligramm entspricht. Die Dosis muss nach dem Körpergewicht berechnet werden. Kinder- und Jugendärzte empfehlen gegen Fieber bei Kindern als Maximaldosis im Grundschulalter 60 Milligramm Paracetamol pro Kilo und Tag, aufgeteilt in vier Einzeldosen zu je 15 mg/kg. Wie viel Wirkstoff eine Tablette, der Saft oder das Zäpfchen enthält, ist der Packungsbeilage zu entnehmen.
Wichtig sei, die Grenzen der Selbstmedikation zu erkennen, sagt Ursula Sellerberg. Bei Babys und Kleinkindern, die sich nicht artikulieren können, lassen sich Beschwerden oft schwer einschätzen. Wenn das Kind apathisch ist oder sich sein Befinden verschlechtert, solle man nicht selbst mit Arzneien herumdoktern, sondern zum Arzt gehen.




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