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Entthronungtrauma

Eifersucht: Geschwister im Dauerstreit

| Von Ela Dobrinkat

Der Konkurrenzkampf des Nachwuchses fordert Eltern heraus.Wenn Eifersucht Geschwister entzweit, hilft Einfühlungsvermögen und Geduld

Das Spielzeug wird manchmal mit Kratzen, Beißen oder sogar Schlägen verteidigt Foto: pa/dpa

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Individuell behandeln

Erziehung Eine konsequente Gleichbehandlung halten Experten für falsch. Kinder möchten und sollten ganz individuell behandelt werden. Für ein Kind ist es sehr wichtig, dass Vater und Mutter auch einmal allein etwas mit ihm unternehmen. Eltern dürfen die Rivalität ihrer Kinder nicht schüren! So sollen die Kinder nicht verglichen werden (z.B. "Nimm dir mal ein Beispiel an deinem Bruder!"). Auf keinen Fall Ältere als "Aufseher? über Jüngere einsetzen.

Buchtipp Kevin Leman, Geschwisterkonstellationen, mvg-verlag, 190 S., 9,95 €

 Rivalität und Eifersucht – Geschwister streiten aus diesen Motiven seit es Menschen gibt. Die Bibel schildert gleich nach dem Sündenfall einen Streit, der in einem Mord endet. Kain – Adams und Evas Ältester – erschlägt seinen Bruder Abel aus Neid. Gott hatte Abels Opfer angenommen, Kains jedoch abgelehnt.

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Was hat der uralte Mythos vom Brudermord mit dem Geschwisterzwist in modernen Familien zu tun? Heute wie einst buhlen die Geschwister um die Liebe und Aufmerksamkeit ihrer Eltern. Wer sich zurückgesetzt fühlt, ist verletzt, empfindet Schmerz, Wut, Missgunst, Eifersucht. Geschwister entwickeln deshalb nicht selten pathologische Züge. Eltern sind manchmal hilflos angesichts des Krieges, der in den Kinderzimmern tobt – und der oft gar nicht wie ein "Kampf" aussieht.

Gerda und Rainer Montanus beispielsweise sind verzweifelt wegen ihrer jetzt dreijährigen Tochter Jasmin. Sie haben das Mädchen gut auf die Geburt des zweiten Kindes vorbereitet, es an allen Vorbereitungen teilhaben lassen. "Sie schien sich auf das Baby zu freuen", sagen die Eltern. Doch jetzt macht sie auf einmal wieder in die Hose und ins Bett, will gefüttert werden und fordert zu jeder Gelegenheit lautstark die Zuneigung der Mutter.

Dem älteren Kind viel Aufmerksamkeit schenken

In solchen Situationen erlebe das Erstgeborene seine bislang schwerste Krise, sagt der amerikanische Psychologe und Familienberater Kevin Leman, der sich vor allem mit der Geschwisterposition innerhalb der Familie befasst. Sehr schnell werde dem Kind klar, dass das Baby keine vorübergehende, sondern eine dauerhafte Angelegenheit sei. Ehe Eifersucht Geschwister auseinander bringt, sollten Eltern gegensteuern. "Jetzt wird es doppelt wichtig, dem ältesten Kind viel Aufmerksamkeit zu schenken", meint Leman. Es habe sich bewährt, dem Älteren zu erzählen, was das Baby alles noch nicht könne –"nicht Ball spielen", "noch nicht sprechen", "nicht allein essen" usw. Er rät den Eltern, ihrem Erstgeborenen das neue Baby in die Arme zu legen, es ihn halten, füttern und, wenn möglich, sogar wickeln zu lassen – auch wenn das Ergebnis merkwürdig aussehe.

Entthronung des Erstgeborenen ein traumatisches Ereignis

Schon Sigmund Freud, Begründer der Psychoanalyse, hat die "Entthronung" beschrieben, die ein älteres Kind erlebt, wenn ein Geschwisterkind auf die Welt kommt. In der Überwindung dieses ersten Neids sah Freud allerdings zugleich auch die Grundlage für ein späteres Gemeinschafts- und soziales Pflichtgefühl. Sein Zeitgenosse Alfred Adler, Vater der Individualpsychologie, hielt das "Entthronungstrauma" sogar für ein Ereignis, das eine Person bis hinein ins Erwachsenenalter präge. Heute sehen Psychologen eher eine Vielzahl von Faktoren, die die Rivalität der Geschwister untereinander bestimmen. In den Untersuchungen der US-Wissenschaftler Stephen Bank und Michael Kahn werden enge Geschwisterbindungen und dadurch auch Konflikte gefördert durch:

  • geringen Altersabstand der Geschwister
  • große räumliche Nähe wie ein gemeinsames Zimmer
  • viel gemeinsam verbrachte Zeit und gemeinsame Erfahrung
  • geringer Eltern-Einfluss
  • Rückzug der Eltern

In solchen engen Beziehungen sei, so die beiden Psychologen, "das Auf und Ab zwischen Mordlust und Wärme bestimmend".

Rivalität der Geschwister nicht schüren

Eltern, die vermeiden wollen, dass  die Eifersucht Geschwister an Leib und Psyche leiden lässt,  halten sich nach Rat der Experten an wichtige Grundsätze: Im Geschwisterstreit sollten Eltern keine Partei ergreifen, falls möglich, nicht einmal Schlichter spielen. Eltern sollten die Kinder eher ermutigen, den Konflikt durch Reden selber zu lösen.

Rivalität und Eifersucht unter Geschwistern ist natürlich, sie sollte von den Erziehenden aber nicht geschürt werden. Eine Gleichbehandlung der Kinder verstärke die Geschwisterrivalität, meint Psychologe Leman. Wird der Sohn oder die Tochter wegen seiner Hilfsbereitschaft belohnt, sollten die anderen nicht automatisch mitbelohnt werden. Trotz allen Streits haben Geschwister-Beziehungen am Ende viel Positives: Kinder lernen darin, sich durchzusetzen, Eigenständigkeit und Verantwortung zu entwickeln.

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