Glücklicherweise ist die Puppe mit dem Wuschelkopf nicht sehr sensibel. Zum x-ten Mal wird sie heute gestochen und erhält eine weitere Dosis Insulin... Justin ist zwölf, "eigentlich schon fast 13", und weiß seit zwei Wochen, dass er Diabetes hat, Typ 1. Eine Diagnose, die sein Leben und das seiner Familie mächtig durcheinander bringt: Sein Alltag wird fortan begleitet von Blutzucker-Messgerät und Insulinspritzen.
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Es gibt viel zu lernen und viel zu beachten. Das Messen des Blutzucker-Wertes und das Injizieren des Insulins übt er an der Puppe. Dabei unterstützt ihn Susann Zierow. Die "Diabetes-Nanny" hilft Kindern wie Justin und ihren Familien auf dem Weg in ein neues, ein anderes Leben mit der Krankheit.
Unsicherheit, aber auch Wut nach der Diagnose
Susann Zierow ist eine resolute Frau mit viel Energie. Die braucht die 45-Jährige in ihrem Arbeitsalltag als Diabetes-Beraterin am Berliner Sana Klinikum Lichtenberg. Und die braucht sie erst recht, wenn sie in ihrer Freizeit außerdem für die Stiftung Dianiño als Diabetes-Nanny im ehrenamtlichen Einsatz ist. Die Diabetes-Nannies kommen – vom Arzt vermittelt – in die Familien und helfen, wenn Not am Mann ist. Denn im Alltag ist das, was Kinder und Eltern nach der Diagnose in der Klinik von Ärzten und Berater-Teams gelernt haben, oft gar nicht so leicht umzusetzen.
Unsicherheit und Angst, Ablehnung und Wut bei allen Beteiligten erschweren die neue Situation.
Knapp 280 Diabetes-Nannies sind bundesweit im Einsatz. Die meisten sind Kinderkrankenschwestern oder Diabetes-Beraterinnen, aber auch betroffene Eltern oder Erzieher verstärken das Diabetes-Nanny-Team der Stiftung Dianiño. So wird die Unterstützung von Betroffenen auch außerhalb der großen Städte mit ihren Diabetes-Zentren möglich. Susann Zierow fährt auch schon mal bis nach Frankfurt an der Oder, wenn ein Notruf aus der Dianiño-Zentrale kommt.
Die Diabetes-Nanny klärt auf und nimmt Berührungsängste
Diabetes mellitus, umgangssprachlich Zuckerkrankheit, ist die häufigste Stoffwechselerkrankung im Kindesalter. 25.000 kranke Kinder und Jugendliche gibt es in Deutschland und die Zahl steigt. Diabetes-Nanny Zierow weiß: "Vor allem die Gruppe der Kleinen, der Unter-Fünfjährigen, wächst." Gerade bei ihnen muss das Umfeld kräftig mithelfen. Denn so souverän schon Vierjährige mittels Stechhilfe ihrer Fingerkuppe einen Blutstropfen abringen, so wenig können sie mit den vom Messgerät ermittelten Werten anfangen.
Wann muss das Kind etwas essen? Ab welchem Wert fehlt Insulin? Da müssen die Erwachsenen helfen. Bis zu acht Spritzen oder Injektionen per "Pen" am Tag sind nötig. Manchmal auch nachts. Kleinere Kinder tragen meist dauerhaft eine regulierbare Pumpe am Körper. Doch auch für sie ist der Pieks zum Messen der Blutwerte unumgänglich. Das Essen wird abgewogen, gemessen, eingeteilt. Eltern und Erzieher müssen mitmachen, sonst geht es nicht. Vor allem für sie ist die Diabetes-Nanny da, fördert den Dialog, erklärt, nimmt Berührungsängste. Gespräche mit Erziehern und Lehrern machen einen großen Teil der Arbeit aus. Denn Ausgrenzung und Ablehnung sind häufig.
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- 1 Diabetes-Nanny hilft kranken Kindern
- 2 Erzieher und Lehrer haben Angst, etwas falsch zu machen




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