Wer lange vor dem Computer oder im Auto sitzt, kennt das: Ein Spannungsgefühl macht sich im Rücken oder im Nacken breit, bestimmte Stellen tun vielleicht richtig weh. "Verspannungen oder Muskelverhärtungen entstehen, wenn man zu lange dieselbe Tätigkeit ausübt oder wenn man sehr lange sitzt und sich nicht ausreichend bewegt", sagt Uwe Rückert, stellvertretender Chefarzt an der Orthopädie der Reha-Klinik Damp.
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Durch diese Anspannung oder gar Verkrampfung der Muskelfasern werden die kleinen Blutgefäße zusammengedrückt. "Die Muskeln brauchen Sauerstoff und Glucose, und die Abbauprodukte wie das CO² müssen wieder abtransportiert werden. Wenn die Gefäße quasi zugemacht werden, ist der normale Stoffwechsel nicht mehr gewährleistet und es kommt zur Übersäuerung", erläutert der Mediziner. Es könnten bei solchen Verspannungen sogar kleine lokale Entzündungen entstehen, die man sogar an den Laborwerten erkennen könne.
Verspannungen können auch seelische Ursachen haben
Die Veränderungen in unserer Arbeitswelt zeigen sich auch in den Veränderungen der körperlichen Leiden der Menschen. Früher kamen 90 Prozent der Patienten mit Verspannungen im Bereich der Lendenwirbelsäule zum Arzt, nur 10 Prozent klagten über Nackenbeschwerden. Heute haben bereits 30 Prozent Verspannungen im Bereich der Halswirbelsäule. "Mit zunehmender Tendenz", betont Rückert.
Doch nicht nur langes Sitzen und eintönige Tätigkeiten spielen eine Rolle, auch psychischer Stress kann zu Verspannungen und Schmerzen im Rücken führen. Wer viele Nackenschläge erleidet, kann seine Aufgaben kaum noch schultern, er verliert die Haltung und das, was ihm in den Knochen steckt, bricht ihm im Extremfall sprichwörtlich das Kreuz.
Wärme sorgt für eine gute Durchblutung der Muskeln
Deshalb sollte man rechtzeitig gegensteuern. Leichte Verspannungen kann man gut mit Hausmitteln behandeln. "Wärme bewirkt, dass sich die Gefäße ausdehnen, die Muskulatur wieder weich wird und sich Verspannungen lösen", sagt Rückert. Hilfreich kann ein warmes Bad sein, vielleicht mit entspannendem Melissenzusatz, aber auch eine warme Dusche oder ein Saunagang, um die Schmerzen im Rücken zu lindern. Das gute alte Kirschkernkissen, ein Cool-Pack (das durch warmes Wasser zum Hot-Pack wird) oder ein Wärmepflaster leisten ebenfalls gute Dienste.
Spannungslösend sind auch Massagen. Man kann versuchen, die betroffenen Stellen selber zu lockern oder sich vom Partner massieren lassen. Lassen sich die Beschwerden durch die Verspannungen so nicht lindern und werden chronisch, sollte man zum Arzt gehen. Dieser verschreibt Behandlungen beim Physiotherapeuten oder z. B. auch Ultraschall-Anwendungen. "Die Ultraschall-Wellen können ein schmerzstillendes und entzündungshemmendes Päparat, das als Salbe aufgetragen wird, in die Tiefe der Muskulatur transportieren", erläutert Uwe Rückert. Wenn dies auch nicht hilft, kann der Arzt muskelentspannende Medikamente verordnen. "Diese müssen aber ergänzt werden durch Wärme, Bewegung und Muskelkräftigung", so Rückert. Die Mediziner setzen bei Schmerzen im Rücken nicht mehr auf Ruhe sondern auf Aktivität.
Gegen Verspannungen einmal pro Woche einen Rücken-Tag einlegen
Das ist auch das beste Mittel, um Verspannungen und Schmerzen im Rücken vorzubeugen. "Man muss versuchen, mehr Bewegung in den Alltag zu integrieren", sagt Uwe Rückert. "Wenn Sie auf dem Weg zur Arbeit nur eine Station früher aus dem Bus aussteigen und das auf dem Rückweg genauso machen, sind Sie schon 1000 Meter mehr gelaufen am Tag." Wer dazu noch die Treppen nimmt, statt Aufzug zu fahren und in der Mittagspause einen kurzen Spaziergang macht, hat schon fast so etwas wie ein kleines Sportprogramm. Rückert plädiert außerdem für einen "Rücken-Tag" in der Woche. Hier sollte man sich eine sportliche Aktivität suchen, die Spaß macht, am besten mit anderen zusammen. Ein regelmäßiger gemeinsamer Termin schafft Verbindlichkeit und hält den inneren Schweinehund in Schach. Rückenfreundlich sind z. B. Nordic Walking, Aqua Jogging, Fahrrad fahren oder das Training im Fitnessstudio, auch Ballsportarten oder Reiten.
"Hinter Schmerzen im Rücken kann sich auch eine ernsthafte Erkrankung verbergen", warnt Uwe Rückert. Wer neurologische Probleme habe wie z. B. Taubheitsgefühle, Kribbeln oder eine einschlafende Hand, sollte unbedingt zum Arzt gehen. Das könnten Anzeichen für einen Bandscheibenvorfall sein.




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