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Schmerzlinderung

Taping – mehr als ein Trostpflaster

| Von Sonja Hupfer

Bunte, elastische Pflasterverbände sollen Schwellungen und Schmerzen lindern und die Durchblutung verbessern. Physiotherapeuten bieten Taping an, aber man kann auch selbst kleben

Bei Beschwerden durch einen Maus- oder Tennisarm: Tape vom Ellenbogen bis zum Zeige- und Mittelfinger. Foto: Trias Verlag

Auf die Wirkung von bunten Klebestreifen verlassen sich Spitzensportler wie US-Schwimmer Michael Phelps, Sprint-Star Usain Bolt und die deutsche Fußballnationalmannschaft. Die elastischen Pflasterverbände sollen Schmerzen und Schwellungen lindern sowie die Durchblutung verbessern. Ärzte, Heilpraktiker oder Physiotherapeuten bieten die Taping-Behandlung an. Doch man könne Tapes auch allein zu Hause anwenden, sagt der Physiotherapeut John Langendoen, z. B. um in Behandlungspausen von Therapeuten unabhängig zu sein.

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Schon in den 70er-Jahren entwickelte der japanische Chiropraktiker Kenzo Kase das elastische Klebeverfahren, aber erst getapede Spitzensportler machten es für die Öffentlichkeit interessant. Tapes können die Muskulatur aktivieren oder entspannen, sollen Muskeln jedoch nicht fixieren, wie man es lange Zeit durch rigide Stützverbände praktizierte. Beim Kinesio-Taping (abgeleitet von Kinesiologie = Bewegungslehre und Tape = Klebeband) kann und soll sich der Patient bewegen.

Taping verändert die Bewegung der Hautschichten

"Ein Tape kann das Gleitverhalten der Haut- und Faszienschichten bei Bewegung verändern. Dadurch werden die dynamischen Mechanorezeptoren aktiviert, verändert sich die Signalverarbeitung im Rückenmark. Dies könnte Schmerzhemmung, Normalisierung von Muskeltonus oder Kraftzunahme durch Taping erklären", erläutert Langendoen. Neurophysiologische Untersuchungen zeigten, dass Berührungsimpulse schneller im Nervensystem weitergeleitet werden als Schmerzsignale, der Schmerzimpuls werde sozusagen übertüncht. Langendoen gibt ein Beispiel: "Wenn Sie sich am Schienbein stoßen, was ist ihre erste Antwort? Sie reiben sich die Stelle und setzen so einen mechanischen Reiz – es fühlt sich besser an."

In seinem "Taping-Selbsthilfe-Buch" zeigt der Physiotherapeut gemeinsam mit seiner Ehefrau Karin Sertel, wie man sich selbst taped, z. B. gegen Kreuzschmerzen und Schwellungen. Die bunten Pflaster sollen leichte Narbenverklebungen lösen, Fußgewölbe stützen, Muskelkrämpfe oder Ischiasbeschwerden lindern und sogar kurzzeitig Inkontinenz verhindern. Bei Menstruationsschmerzen könnten zwei auf den Unterbauch applizierte Klebestreifen Abhilfe schaffen.
"Patienten erzielen die besten Erfolge, wenn sie sich die Tapeanlage zuerst von ihrem Therapeuten zeigen lassen, bevor sie zu Hause weiterüben", empfiehlt Langendoen. Bei unklaren Beschwerden sollte man aber immer erst mit dem Arzt sprechen. Bei offenen Wunden, dünner, schlaffer oder erkrankter Haut sowie bei Acrylallergie dürfe das Taping nicht angewendet werden.

Beim Taping spielen auch die Farben der Pflaster eine Rolle

Langendoen, Gründer der Internationale Kinesiotaping Akademie (IKTA), ist mittlerweile einer von vielen auf dem Markt der Taping-Therapien. Es gibt Varianten wie "Aku-Taping", "Cross-Taping", oder "Dolo-Taping". Physiotherapeut Paul van Vliet etwa sieht im Medical Taping Concept eine gute Ergänzung, um bei Wirbelsäulenschäden Blockaden, Instabilitäten und falsche Bewegungsmuster zu behandeln. Dr. Dieter Sielmann, Autor des Buches "Medi-Taping", ist überzeugt, dass ein Tape positiv auf die lymphatische, arterielle und venöse Durchblutung wirkt. Er schreibt auch den Farben der Tapes eine Wirkung zu: Rot verstärke Energie, während Blau sie entziehe, Gelb wirke beruhigend.

Taping-Experten raten, sich bei der Farbwahl aufs Gefühl zu verlassen. Lila, die winterliche Modefarbe, sei im Moment besonders gefragt, so John Langendoen.
 

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Quellen

Gespräch mit Physiotherapeut John Langendoen, Kempten, Januar 2012
John Langendoen, Karin Sertel: "Das Taping-Selbsthilfe-Buch", Trias Verlag, 2012

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