Erst ist es vielleicht ein leichtes Ziehen oder Kribbeln im Finger, im Unterarm, am Ellenbogen oder am Handgelenk, wenn man lange am PC gearbeitet hat. Irgendwann stellt sich der Schmerz schon beim ersten Mausklick des Tages ein, und in manchen Fällen schmerzt letztendlich sogar schon das Festhalten der Zahnbürste. Mausarm heißt das Beschwerdebild umgangssprachlich, das viele Menschen plagt, die ihre Arbeitszeit zum größten Teil an einem Computer verbringen. Repetitive-Strain-Injury-Syndrom (RSI-Syndrom) ist die medizinische Bezeichnung – Beschwerden, die ihre Ursache in ständig wiederholten Bewegungen haben. An der Technischen Universität Darmstadt wurde ein spezielles Therapie-Programm gegen diesen Schmerz entwickelt.
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"Der menschliche Arm ist nicht auf die Belastung von z. B. täglich sechs Stunden Arbeit mit der Computermaus eingestellt" sagt Dr. Christoph Eichhorn vom Deutschen Orthopäden-Verband. "Das Handgelenk wird nach oben gebeugt, die Finger bleiben über Stunden in einer unnatürlichen, angezogenen Haltung", erläutert der Mediziner die Ursachen für einen Mausarm, "dazu kommen sich ständig wiederholende Finger-Bewegungen."
Mausarm entsteht durch Überlastung
An der TU Darmstadt wurden im Rahmen einer Studie die Muskelaktivitäten bei der Computer-Arbeit gemessen. "Es hat sich gezeigt, dass schon eine erhebliche Muskelanspannung im Unterarm und in den Fingern zu sehen ist, wenn die Hand nur auf der Maus liegt", sagt Diplom-Psychologin Kerstin Woll. Wenn man dann kleine Klickbewegungen mache, könne es zu winzigen Muskelfaserrissen kommen. Durch das Abknicken des Handgelenks werde außerdem der sogenannte Karpaltunnel, durch den Sehnen, Bänder und Nerven gehen, eingeengt, so dass die Versorgung der Hand beeinträchtigt wird. Die Folge: Taubheitsgefühle und Kribbeln - erste Anzeichen für einen Mausarm. Doch nicht nur die Arbeit mit der Maus birgt die Gefahr von Überbeanspruchung der Muskeln und Sehnen. Auch beim Tippen auf der Tastatur oder dem Touchpad werden über einen längeren Zeitraum ständig die gleichen ganz kleinen Bewegungen ausgeführt.
Häufig sitzt der Schmerz beim Mausarm unterhalb des Ellenbogens. "Die Muskeln, die das Handgelenk und die Finger nach oben ziehen, enden am Ellenbogen. Die Sehne am Übergang zum Knochen ist entzündlich verändert", erläutert Orthopäde Dr. Eichhorn. Im Ultraschall kann er eine Reizung des Gewebes erkennen. Manchmal hilft dann eine Cortison-Spritze, die direkt in das betroffene Gebiet gegeben wird. Ultraschall- und Elektroanwendungen sollen die Heilung des Gewebes anregen. Der Arzt verschreibt außerdem Krankengymnastik. Eine weitere Behandlungsmöglichkeit bei einem Mausarm sei die Stoßwellentherapie, so Dr. Eichhorn. Wenn die Schmerzen gar nicht besser werden, rät er in seltenen Fällen auch zu einer Operation, bei der der schmerzleitende Nerv durchtrennt wird.
Nicht arbeiten hilft nicht gegen den Mausarm
Dass medizinische Behandlungen die Beschwerden beim Mausarm jedoch häufig nicht lindern können, liegt am Schmerzgedächtnis. "Der Schmerz entsteht nicht mehr nur im betroffenen Finger oder Gelenk, sondern er wird gelernt", sagt Kerstin Woll. "An die Bewegungen beim Tippen und Klicken wird nach einer gewissen Zeit eine Schmerzempfindung angekoppelt." Das erklärt auch, warum viele Mausarm-Patienten im Urlaub überhaupt keine Beschwerden mehr haben, schon nach kurzer Zeit bei der Arbeit am Computer aber wieder Schmerzen verspüren. Das Gehirn erinnert sich sozusagen: Zu diesen Bewegungen gehört ein Schmerz. "Es muss also eine Entkoppelung von Schmerz und Arbeit am PC stattfinden", so Kerstin Woll. Und das könne nur am Arbeitsplatz passieren, das gelte auch, wenn der Schmerz sich schon generalisiert hat, also auch im Alltag bei anderen Bewegungen mit der Hand auftritt. "Nicht arbeiten hilft nicht gegen den Mausarm", betont die Psychologin.
Entscheidend bei der Strategie gegen den Mausarm ist ein Durchbrechen der Routine. Ergotherapeutin Alexandra Bauer aus Rockenhausen, die ebenfalls viele Betroffene mit RSI-Syndrom behandelt, lässt sich Fotos vom Arbeitsplatz mitbringen und berät ihre Patienten, wie dieser ergonomisch optimal gestaltet werden kann. Ganz entscheidend sei die Verwendung von verschiedenen Eingabegeräten als Alternative zur Maus, z. B. eine Vertikalmaus, ein Touchpad oder ein Stifttablett.
15 verschiedene Eingabegeräte lernen die Teilnehmer der Kurse an der TU Darmstadt kennen. Wichtig sei allerdings, so Kerstin Woll, dass man sich vorsichtig umstellt und immer wieder variiert. Wer z. B. die Maus von rechts nach links legt, aber dann genauso arbeitet wie vorher, hat häufig innerhalb kurzer Zeit Schmerzen durch einen Mausarm auf der anderen Seite.
Mit Pausen dem Mausarm vorbeugen
"Die meisten Teilnehmer unserer Kurse arbeiten sieben bis neun Stunden pro Tag am PC, die meisten machen nach frühestens anderthalb Stunden die erste Pause", sagt Kerstin Woll, "diese Zeitspanne ist viel zu lange, da kommt es zu einer Überbeanspruchung von Muskeln, Bändern, Sehnen und Nerven, und es können Mikroverletzungen entstehen". Sie empfiehlt alle zwanzig Minuten eine kurze Pause von zwei bis drei Minuten, in der man vom Arbeitsplatz aufsteht, sich bewegt, kleine Übungen macht. Dehnungs- und Kräftigungsübungen zwischendurch empfehlen auch Dr. Eichhorn und Ergotherapeutin Bauer schon zur Vorbeugung gegen den Mausarm (siehe rechts).
"Pausen einzuhalten fällt vielen schwer, aber es gibt Hilfsmittel wie zum Beispiel Software, die an Pausen erinnert." Außerdem solle man darauf achten, die Arbeit möglichst abwechslungsreich zu gestalten. Stressmanagement, Entspannungsverfahren und der eigene Umgang mit dem Schmerz sind weitere Themen der Kurse der TU Darmstadt. "Es gibt nicht das eine Mittel, das gegen den Mausarm hilft", betont Kerstin Woll, "jeder kann sich aus unserem Programm das rauspicken, was ihm gut tut." So benutzt ein Teilnehmer statt des elektronischen Planers jetzt wieder einen Papier-Kalender und nutzt ab und an ein Stehpult, für einen anderen sind die Übungen in den Pausen besonders wichtig. "Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Patienten, die sehr schwer beeinträchtigt waren und sogar Angst vor einer Berufsunfähigkeit hatten, durch vier oder fünf kleine Änderungen heute schmerzfrei arbeiten können", sagt die Psychologin.





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