Bei Rückenschmerzen, Kopfschmerzen und zahlreichen anderen Alltagsbeschwerden sehen Ärzte und Physiotherapeuten die Ursache häufig in einem Mangel an Bewegung. Den Patienten werden meist Physiotherapie und Sport empfohlen. Doch vielen fällt es schwer, dies im Alltag umzusetzen. "Die meisten haben auch Angst vor Bewegung, wenn sie Schmerzen haben", ist die Erfahrung von Gloria Cortés Vargas, Ärztin für Physikalische und Rehabilitative Medizin in Berlin. Als sanfte Methode, die Haltungsschäden vorbeugen und Beschwerden lindern kann, empfiehlt sie ihren Patienten Ismakogie.
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Kleine Bewegungsübungen, die man im Sitzen, Stehen, Gehen oder Liegen ausführt und die nach außen meist gar nicht sichtbar sind, sollen die Körperhaltung günstig beeinflussen. "Wie auch bei anderen Bewegungslehren, z. B. Alexandertechnik oder Feldenkrais, ist das Ziel die Aufrichtung", so die Medizinerin. "Das Besondere an Ismakogie ist, dass man die Übungen im Alltag jederzeit gut anwenden kann."
Ismakogie beginnt an den Füßen
"Man ist unabhängig von Hilfsmitteln, bestimmten Räumen oder Bedingungen", betont auch Sabine Gutknecht, Ismakogie-Lehrerin in Berlin. Bei den Übungen arbeitet man sich sozusagen einmal durch den Körper – von den Füßen bis zum Gesicht. "Die Füße sind die Basis der Körperstatik", sagt Sabine Gutknecht. Fehlstellungen der Füße wirken sich auf den gesamten Körper aus und können Schmerzen und Einschränkungen in ganz anderen Bereichen verursachen. Deshalb setzen die ersten Übungen hier an.
"Wenn man sich zum Beispiel gerade hinstellt und einmal prüft, wie die Stellung der Fußknöchel ist, wird man in den meisten Fällen feststellen, dass die Innenknöchel etwas nach innen sinken", so die Erfahrung von Sabine Gutknecht. "Dies wirkt sich auf die gesamte Haltung aus und ist bis in die Kiefergelenke zu spüren." Als Korrektur könne man sich gedanklich darauf konzentrieren, die Außenknöchel gedanklich etwas nach unten sinken zu lassen (dabei die Fußinnenseiten am Boden halten) und zu spüren, wie sich im Körper etwas verändert.
Konzentration auf den eigenen Körper
"Jede Übung ist eine Totalbewegung, bei der Sie die gesamte Muskelkette einsetzen", erläutern die beiden niederländischen Ismakogie-Lehrerinnen Elly Hoekstra und Doke van der Neer in ihrem Buch "Ismakogie". "Besonders, wenn Sie die Übungen langsam ausführen, spüren Sie den Verlauf der Muskelkette immer besser – von dem Punkt, an dem Sie begonnen haben, bis zum anderen Ende des Körpers."
Ismakogie erfordert Konzentration auf den eigenen Körper und Selbstbeobachtung. Beim Treppensteigen kann man z. B. darauf achten, dass die Bewegung mit einem deutlichen Anheben des Oberschenkels beginnt, man den Fuß ganz auf der nächsten Stufe absetzt, dann das Bein streckt und sich mit dem Fuß abdrückt. Vielleicht stellt man fest, dass man sich bislang eher am Treppengeländer hochgezogen hat oder "hochgeschlurft" ist.
Zurück zu natürlichen Bewegungsmustern
Das Ziel ist, natürliche Bewegungsabläufe wieder neu zu lernen. "Ismakogie ist kein Heilmittel", sagt Sabine Gutknecht. Schädigungen wie Bandscheibenvorfälle oder einen Spreizfuß könne die Methode nicht beseitigen, aber präventiv durch Muskelaufbau und veränderte Bewegungsmuster verhindern oder vorhandene Beschwerden lindern.
Sabine Gutknecht lehrt Ismakogie in zehnwöchigen Kursen, in Workshops und Einzelcoachings. Bei einem Berliner Sportverein bietet sie seit zwei Jahren regelmäßig zweimal wöchentlich eine Stunde Ismakogie an. Manche Teilnehmer lernen hier Übungen, die sie anschließend im Alltag anwenden. Andere kommen kontinuierlich über eine längere Zeit, weil das Üben in der Gruppe einfach mehr Spaß macht.
Magda Schreiber ist seit einem Jahr dabei. "Das Treppensteigen geht jetzt viel leichter als früher", berichtet sie. "Außerdem kann ich inzwischen gut sitzen, ohne mich anzulehnen, und das Schlangestehen strengt mich überhaupt nicht mehr an!" Denn dabei trainiert sie jetzt ganz unbemerkt verschiedene Übungen.
Ismakogie als Prophylaxe für Kinder
Gloria Cortés Vargas empfiehlt Ismakogie für Kinder z. B. als Prophylaxe gegen Haltungsschäden oder bei Fußproblemen sowie für Erwachsene zur Vorbeugung und Linderung von z. B. Rücken- oder Fuß-Beschwerden. "Wichtig ist aber, dass man es täglich macht", sagt sie. So wie das Zähneputzen sollten die Übungen in den Alltag integriert werden." Sie rät außerdem zu zwei- bis dreimal wöchentlich Sport.
Die Internetseite des Ismakogie-Schulungszentrums in Darmstadt nennt für ganz Deutschland nur 24 Ismakogie-Lehrer. Aber die Bewegungslehre könnte demnächst bekannter werden. Die EU hat unter dem Motto "Lebenslanges Lernen" ein zweijähriges Förderprojekt bewilligt. Damit soll der Erfahrungsaustausch von Ismakogie-Lehrern in Deutschland, Frankreich und den Niederlanden gefördert werden. Zudem werden Kursteilnehmer in den drei Ländern zu ihren Erfahrungen befragt, um mit Hilfe der Ergebnisse die Qualität des Unterrichts weiter zu vereinheitlichen.





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