Oft geht es nur um eine Nuance, vielleicht einen leichten Rotschimmer im braunen Haar. Manchmal wird eine radikale Veränderung angestrebt, häufig sollen schlicht die ersten Zeichen des Alters überdeckt werden. Rund ein Drittel der Frauen in Europa und Nordamerika färben sich die Haare. Auch etwa zehn Prozent der Männer über 40 helfen der Natur mit künstlichen Mitteln nach.
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Doch viele, die chemische Produkte benutzen, um ihre Haare zu färben, tun dies mit einem unguten Gefühl. Diese Haarfarben wurden immer wieder mit Krebsgefahr und Allergierisiko in Verbindung gebracht. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in Berlin veranstaltete ein Symposium zum Thema und gibt zumindest in einem Punkt Entwarnung: "Ein Krebsrisiko durch Haarfärbemittel besteht für Verbraucherinnen und Verbraucher nicht", betont BfR-Präsident Prof. Andreas Hensel. Anders sieht es bei dem Risiko aus, eine Allergie zu entwickeln. Hier bestehe noch Forschungsbedarf, so das BfR.
Zu Hause die Haare färben: Ökotest kritisiert chemische Mittel
Die Zeitschrift Ökotest hat in den vergangenen Jahren mehrmals Mittel untersucht, mit denen man sich zu Hause die Haare färben kann, und erteilt allen chemischen Produkten eine klare Absage. Sie erhielten durchgehend die Note "ungenügend", egal, ob es sich um Tönungen handelt, die nach wenigen Haarwäschen wieder aus dem Haar verschwunden sind, oder dauerhaft färbende Produkte. Einzige Ausnahme sind einige Blondierungen, die die Haare lediglich aufhellen, aber nicht die Haare färben.
Besonders kritisch sehen die Ökotester die in den Haarfärbemitteln enthaltenen aromatischen Amine. "Viele Substanzen aus dieser Stoffgruppe sind krebserregend, und die in den Haarfärbemitteln eingesetzten Stoffe sind mit diesen problematischen Substanzen verwandt", sagt Kerstin Scheidecker, Redakteurin bei Ökotest. Sie verweist auf eine Studie aus dem Jahr 2001, in der US-Forscher einen Zusammenhang zwischen der Anwendung von Mitteln zum Haare färben und Blasenkrebs feststellten. "Die Substanzen aus der Gruppe der aromatischen Amine, die unter dem Verdacht stehen, krebserregend zu sein, dürfen in Haarfarben nicht mehr verwendet werden", betont dagegen Ariane Girndt vom BfR.
Werden die Komponenten vermischt, bilden sich neue Stoffe
Zu den aromatischen Aminen zählen z. B. para-Phenylendiamin (PPD) und 2,5-Toluylendiamin. PPD kam bereits 1907 als erstes kommerzielles Haarfärbemittel auf den Markt. Es ist unstrittig, dass es Kontaktallergien auslösen kann. Drei bis fünf Prozent der Patienten in europäischen Hautkliniken leiden nach Angaben des BfR unter einer Allergie gegen PPD – jedoch wird geschätzt, dass nur ein Drittel dieser Fälle darauf zurückzuführen ist, dass chemische Mittel benutzt wurden, um die Haare zu färben.
Eine Sensibilisierung kann auch durch andere Produkte ausgelöst werden, z. B. durch ein Henna-Tattoo, das man sich im Urlaub machen lässt. (PPD wird dem Henna manchmal zugesetzt, um die Farbe abzudunkeln. In EU-Ländern darf es in Kosmetika für die Haut nicht enthalten sein.) Auch wenn es nach dem Tattoo keine Reaktion wie z. B. Juckreiz gibt, kann eine Allergiebereitschaft ausgelöst werden, und man reagiert beim nächsten Haare färben.
Erst Selbsttest, dann die Haare färben: erhöhtes Risiko
Aber auch ein Selbsttest, wie er in der Gebrauchsanweisung vieler Produkte zum Haare färben empfohlen wird, birgt ein erhöhtes Risiko, eine PPD-Allergie zu entwickeln. Bei diesen Tests soll eine kleine Menge einer Komponente des Färbemittels auf die Haut am Unterarm oder hinter dem Ohr aufgetragen werden. "Es ist ein Unterschied, ob das Produkt direkt auf die Haut aufgetragen oder an den Haaren angewendet wird", sagt Ariane Girndt. Bei dauerhaft färbenden Produkten müssen zwei Komponenten gemischt werden, bevor man sich damit die Haare färben kann. "Dadurch werden einige Stoffe abgebaut, die Wirkung verändert sich. Die Mischung reagiert außerdem auch mit dem Haar und wirkt dadurch wieder anders, als wenn sie direkt auf die Haut gegeben wird."
Doch gerade hier sehen die Experten von Ökotest Unsicherheiten. "Über die Substanzen, die durch die Reaktion der zwei Komponenten entstehen, gibt es bisher wenig Erkenntnisse", sagt Kerstin Scheidecker, "und so lange wir nicht mehr wissen, sehen wir da ein Risiko." Sie empfiehlt allen, die ihre Haarfarbe verändern, aber kein Risiko eingehen wollen, wenn sie sich die Haare färben, reine Naturprodukte wie Henna zu verwenden.




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