In der sizilianischen Mama-Küche köchelt oft Tomatensugo auf dem Herd. Das ist Tradition mit Gespür für Wohlgeschmack. Beim Eindampfen der roten Soße verdichtet sich der Anteil an natürlicher Glutaminsäure, die der Tomate eigen ist.
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Dies ist besonders. Kombiniert mit Salz ergibt sich so ein natürlicher Wohlgeschmack, den Japaner als Umami bezeichnen. In etliche Fertiggerichte wird hingegen Mononatriumglutamat, E 621, immer dann eingestreut, wenn es ansonsten an Qualität und Geschmack mangelt. Die Tomate hat also alles, was die kräftige Küche braucht. Und dies ohne Zusatzstoffe, die manchen Menschen gar nicht gut bekommen.
Antioxidative Schutzwirkung durch Lycopin
Durch das lange Erhitzen der Soße (siehe Kasten) werden auch sekundäre Pflanzenstoffe aus der Tomate gelöst. Besonders das Molekül Lycopin, das vorwiegend den roten Farbstoff bestimmt, spielt dabei eine gesundheitlich bedeutende Rolle. "Die Tomate hat gekocht einen viel höheren Anteil an biologisch verfügbarem Lycopin, das wie Betacarotin ein weiterer Farbstoff ist, der auch als Radikalfänger gilt. Dieser wird beim Kochen sogar chemisch in eine andere Form gebracht, sodass er biologisch noch aktiver ist als im Urzustand", sagt Prof. Thomas Vilgis, Physiker am Max-Planck-Institut für Polymerforschung in Mainz, der sich mit molekularen Eigenschaften von Lebensmitteln beschäftigt. Lycopin wird beim Kochen erst aus der Membranwand der Zelle gelöst.
"Die in italienischen Küchen stundenlang mit Olivenöl gekochte Tomatensoße ist also kein ?totgekochtes Essen', sondern eine reiche Quelle für Lycopin und andere Radikalfänger", so Vilgis. Die antioxidative Wirkung geht auf den Farbstoff zurück, der helfen soll, etwa die Haut vor Sonneneinstrahlung zu schützen. Starkes UV-Licht erhöht im Körper die Zahl der freien Radikalen, die Zellveränderungen verursachen können, wenn sie nicht immer wieder dezimiert werden. Dies ist Aufgabe von Antioxidantien.
Tomaten sind reich an Mineralstoffen und enthalten vor allem viele lebenswichtige Vitamine bzw. Vitaminvorstufen – die Vitamine A, B, C und E – sowie Carotinoide, wichtige Antioxidantien, die schädliche Sauerstoffradikale in unserem Körper bekämpfen, die ansonsten z.B. Krebs auslösen können, sagt Prof. Ralph Bock. Lycopin ist dabei eine von mehreren antioxidativ wirkenden Substanzen. "Es ist zwar die in den größten Mengen vorhandene antioxidative Substanz, aber nicht unbedingt die am stärksten wirksame. Vitamin E ist z.B. stärker wirksam, aber in geringeren Mengen vorhanden", sagt der Molekularbiologe, der am Max-Planck-Institut für Molekulare Pflanzenphysiologie in Potsdam-Golm daran forscht, wie sich der gesundheitliche Nutzen durch gentechnische Veränderung steigern lassen könnte.
Essbare Impfstoffe in der Tomate
"Zum einen lässt sich mit gentechnischen Verfahren der Gehalt an diesen gesundheitsfördernden Substanzen steigern – häufig effizienter und spezifischer als mit herkömmlicher Pflanzenzüchtung", sagt der Wissenschaftler. "Zum anderen kann man mit gentechnischen Methoden auch völlig neue gesundheitsrelevante Stoffe, z.B. essbare Impfstoffe und andere pharmazeutische Substanzen, in Tomaten produzieren." Mit gentechnischen Methoden könne man theoretisch jeden beliebigen Impfstoff in der Tomate herstellen. Man müsse dafür das entsprechende Gen bzw. die Gene in das Genom der Tomate einschleusen. Impfstoffe seien im Normalfall Proteine, die von Genen der Krankheitserreger abgeleitet sind, erläutert Bock. "Die Forschung dazu ist allerdings noch nicht so weit, dass in der nahen Zukunft solche Pharmazeutika bereits Marktreife erreichen werden."
Ketchup - Tomate einmal anders
Ein Sugo der eigenen Art ist Ketchup (siehe Kasten). Wenn die Zutaten stimmen, muss dies kein zu verschmähendes Fastfood sein. Das setzt allerdings voraus, dass der Tomatenanteil hoch ist.
Zu bevorzugen sind stets sonnengereifte Tomaten. Hinter dem Etikett verbirgt sich der biologische Umstand, dass der Pflanzenstoff Tyramin in der Tomate gebildet wird. Dieser, so heißt es, soll die Stimmung aufhellen.





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