In der Kultur und Tradition der Briten ist der Nachmittagstee zwischen vier und fünf Uhr seit dem 17. Jahrhundert verankert und folgt bis heute bestimmten Regeln. Dazu gehören starker, schwarzer Tee mit Milch, Gebäck und Häppchen.
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Während das Getränk wegen des hohen Teepreises zunächst nur Adeligen vorbehalten war, hatte es sich zu Ende des 18. Jahrhunderts, als der Tee aus den Kolonien eingeführt wurde, auch im einfachen Volk etabliert. Daran hat sich bis heute nichts geändert.
Lieb gewordene Gewohnheiten wie die tägliche Teatime können im Lauf der Zeit zu einem Ritual werden, auf das man nicht mehr verzichten kann. Eine immer wiederkehrende Handlung, ihre Gleichförmigkeit verbunden mit sinnlichem Genuss, den man über Duft, Geschmack, Wärme und eine komfortable Sitzgelegenheit erfährt, vermittelt Halt und Sicherheit, sagen Psychologen. In der Pause vom Alltagsgeschäft könne man zudem aufatmen, entspannen und neue Energie tanken. All dies macht den Afternoon Tea der Briten zu einem Stresskiller. In verschiedenen Studien konnte außerdem ein Effekt von schwarzem Tee auf körperliche Stress-Indikatoren nachgewiesen werden.
Eine Tasse Tee zur Beruhigung
Dr. Malcolm Cross von der City University London hat herausgefunden, dass Briten bei Stress Tee trinken – und sich damit erfolgreich beruhigen. Das konnte er in einer wissenschaftlichen Studie sogar messen. Er hatte seine Probanden zunächst durch schwierige Denkaufgaben in Stress versetzt, und versorgte dann die eine Gruppe mit einem Glas Wasser, während die andere eine Tasse Tee erhielt. Während der Tee die Stressfaktoren der Teilnehmer erheblich reduzierte, zeigte das Wasser keine Wirkung. Eine aufwändigere Teezeremonie hatte am Ende sogar eine noch größere Beruhigungskraft als die simple Tasse Tee.
Schnellere Erholung nach Stress-Situation
Die 75 Teilnehmer einer Studie am University College London (UCL) waren regelmäßige Teetrinker. Während des Studienzeitraums von sechs Wochen mussten sie allerdings auf ihr gewohntes Getränk verzichten. Dafür erhielten sie viermal täglich ein koffeinhaltiges Getränk mit Fruchtaroma. Bei einer Teilnehmergruppe enthielt dieses Getränk die Inhaltsstoffe einer Tasse schwarzen Tees. Die Kontrollgruppe erhielt das Getränk ohne teespezifische Stoffe.
Die Forscher setzten die Probanden verschiedenen Stresssituationen aus und maßen körperliche Stressindikatoren wie den Blutdruck, die Pulsfrequenz und den Spiegel des Stresshormons Kortisol . Bei allen Teilnehmern wurde im Anschluss an die Stress-Situationen ein Anstieg der entsprechenden Stressparameter gemessen. Die Teilnehmer der "Tee-Gruppe" erholten sich allerdings signifikant schneller.
Regelmäßige Teatime für den Blutdruck
Australische Forscher wiesen kürzlich in einer sechs Monate dauernden Studie nach, dass sich regelmäßiger Genuss von schwarzem Tee über einen längeren Zeitraum günstig auf den Blutdruck auswirkt. Eine Gruppe der 95 Teilnehmer zwischen 35 und 75 Jahren erhielt täglich drei Tassen schwarzen Tee. Die Kontrollgruppe ein im Geschmack und Koffeingehalt vergleichbares Getränk. Bei den Teetrinkern wurde ein im Durchschnitt deutlich niedrigerer 24-Stunden-Blutdruckwert gemessen als bei den Teilnehmern der Kontrollgruppe. Die Unterschiede würden eine Reduktion des Risikos von Herz-Kreislauf-Erkrankungen um sieben bis zehn Prozent bedeuten, so die Studienautoren um Dr. Jonathan. M. Hodgson von der School of Medicine and Pharmacology in Perth.
So wird die britische Teatime stilgerecht angerichtet
Die britische Teatime ist nicht mit den meditativen Tee-Zubereitungsriten in Japan oder China zu vergleichen, sie passt jedoch gut zum westlichen Lebensstil und nimmt nicht viel Zeit in Anspruch.
Schwarzer Tee (zum Beispiel Assam oder Darjeeling,10-15g pro Liter; ein Teelöffel sind ca. 2-3g) wird lose in eine angewärmte Teekanne gegeben und mit heißem, aber nicht kochendem Wasser überbrüht. Der Tee bleibt die ganze Zeit über in der Kanne. Wird er wegen der Gerbstoffe etwas bitter und zu stark, gießt man heißes Wasser nach. Der Tee wird durch ein Sieb in die Tasse gegossen, mit Milch verfeinert und nach Belieben gesüßt. Es herrscht Uneinigkeit darüber, ob zuerst die Milch ("Milk in first", kurz: "Mif") oder der Tee ("Tea in first", kurz "Tif") in die Tasse kommt. Die Queen soll eine überzeugte Mif-Anhängerin sein, heißt es.
Zum Tee werden drei Gänge in unveränderter Reihenfolge serviert, die "auf die Hand" gegessen werden. Zunächst gibt es Gurkensandwiches. Zwei ungetoastete Toastbrotscheiben werden mit Butter bestrichen und von der Rinde befreit. Eine wird mit geschälten, sehr dünn geschabten Schlangengurkenscheiben belegt. Bevor der Toast mit der anderen Scheibe zugeklappt wird, kommt noch etwas Salz und Pfeffer dazu, dann wird das Sandwich diagonal durchgeschnitten. Der Diagonal-Schnitt soll bei den Royals verpönt sein. Der zweite "Gang" ist süß. Scones, das typische runde Teegebäck der Briten, wird mit etwas dickem, ungesüßtem Rahm ("Clotted Cream"), etwas Marmelade und etwas Lemoncurd (Zitronencreme) gegessen. Zum Abschluß werden Pralinen und kandierte Früchte gereicht.




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