Die Quitte: Sie leuchtet gelb und lädt zum Reinbeißen ein, doch sie ist eine sehr harte Frucht. Die Quitte ist pelzig und schmeckt roh so säuerlich und leicht bitter, dass sich der Mund zusammenzieht. Der Saft muss ihr mühsam unter Hitze abgepresst werden. Gekocht wird ihr gelbliches Fruchtfleisch unansehnlich rotbraun. Kein Wunder, dass die schwierige Quitte nicht zu den populären Früchten zählt. Dabei ist sie schon lange Teil der Menschheitsgeschichte, länger als der Apfel.
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Geschmack? Eben quittenartig
Eva könnte Adam einst eine Quitte gereicht haben, meint etwa Pomologe Werner Schuricht. Vielleicht aber auch eine Feige, aber keineswegs einen Apfel, wie es überliefert wird. Die Frucht ist einzigartig, sagt der erfahrene Obstkundler aus Jena und schwärmt von deren Aroma. Aber auch ungewöhnlich und schwierig zu beschreiben, wie das Kernobst duftet und schmeckt. Pomologe Schuricht grübelt und belässt es schließlich bei: eben quittenartig.
Erotische und sonstige Wunderwirkungen der Quitte
An der Frucht scheiden sich die Geister. Die einen lieben sie, widmen der Quitte gar Oden, schreiben ihr erotische und sonstige Wunderwirkungen zu, die anderen können sie ebenso leidenschaftlich überhaupt nicht ausstehen, finden auch ihr süßes Gelee oder Mus ganz und gar nicht verführerisch.
Die Frucht wird manchen Lebensmitteln daher nur in geringen Mengen beigesetzt. Neues Leben versuchte der Limonadenhersteller Bionade der Quitte einzuhauchen und erweiterte sein Sortiment entsprechend. Unsere Geschmacksrichtungen müssen bestimmten Kriterien entsprechen, zum Beispiel, dass der Geschmack im Softdrink-Bereich nicht bekannt ist, erläutert Stefanie Kaniuth die Bionade-Philosophie.
Feinherb und fruchtig
Und wie schmeckt Quitte? Feinherb fruchtig, die Antwort der Limo-Experten, die nicht wirklich weiter hilft. Pragmatisches hat Bionade auch zu der ungewöhnlichen Auswahl bewogen: Die Quitte hat einen hohen Anteil an Vitamin C und enthält zahlreiche Mineralstoffe, wie Fluor, Eisen oder Kalium, und sie enthält besonders viel Pektin, das die Verdauung fördert, Schadstoffe bindet und hinaus befördert und entschlackt, sagt Stefanie Kaniuth. Ihre Wirkstoffe helfen bei Schwäche oder Müdigkeit, bei Erkältung, Magenproblemen, Sonnenbrand, Gicht oder Arteriosklerose.
Seine Wurzeln hat der Quittenbaum in Westasien, verbreitet ist er im Kaukasus, Orient und in der Mittelmeer-Region. Eine apfelförmige Sorte, die hierzulande gedeiht, heißt entsprechend Konstantinopler.
Verbreitete birnenförmige Gewächse sind die Portugiesische Birnenquitte und die Bereczki, die ihren Ursprung in Ungarn hat, sie sind weniger aufdringlich im Geschmack. Eine süße, wesentlich weichere Sorte Quitte wächst in der Türkei. Manche Sorten aus dem Mittelmeerraum lassen sich anbeißen, während hiesige Früchte nicht ausreifen und selbst mit dem Messer teils schwer zu teilen sind. Eine reine Verwertungsfrucht, wie Quitten-Experte Schuricht formuliert.
Quitte gab der Marmelade den Namen
Um das Geheimnis der Quitte zu lüften und sie zu einem Geschmackserlebnis zu machen, muss daher mit Hitze nachgeholfen werden. So wird das harte Obst mürbe. Da die Frucht ihr Aroma erst nach Erhitzen voll freisetzt, ist Marmelade eine der üblichen Formen der Verwendung. Der Begriff Marmelade ist ohne die Quitte nicht denkbar: Die Portugiesen nannten ihr Quittenmus marmeleiro, abgeleitet von marmelo, was Quitte bedeutet.
Quitte ist ein altes Kulturobst
Obwohl quasi Mutter aller Marmeladen, Gelees und Konfitüren geriet die Quitte in Vergessenheit. Mit der nahezu ständigen Verfügbarkeit von Südfrüchten aller Art verschwand auch das alte Kulturobst von den Märkten. Inzwischen findet man die Quitte wieder vermehrt im Angebot, ab Oktober, wenn die Erntezeit einsetzt. Der Baum ist für Hobbygärtner gut geeignet. Im Plantagenanbau aber sei er durch Feuerbrand bedroht, sagt Pomologe Schuricht. Diese bakterielle Erkrankung ist tückisch, meist bleiben nur radikaler Schnitt oder Abholzung.
Pektin und sekundäre Pflanzenstoffe, die antioxidativ wirken sollen
Die Rückbesinnung auf die Quitte ist begleitet von einer Renaissance der Wildfrüchte wie Holunder, Sanddorn oder Schlehe. Das hat auch mit gesteigertem Gesundheitsbewusstsein zu tun. Neben Geschmack und Verfügbarkeit finden Inhaltsstoffe stärkere Beachtung, auch der Aspekt, ob Früchte aus der Region stammen und entsprechend saisonal vermarktet werden.
Die Quitte besitzt neben Vitamin C und Pektin sekundäre Pflanzenstoffe wie Quercetin, die antioxidativ wirken und denen nach Studien Schutzfunktionen gegen mögliche Zellschädigungen zugeschrieben werden.
Fein dosiert, etwa ein Teelöffel im Joghurt oder eine Messerspitze im Salatdressing, könnte die Frucht häufiger verdeckt auf den Tisch kommen. Wem der quittenartige Geschmack dennoch partout nicht gefällt, hat zumindest die Gewissheit, dass er etwas Gesundes zu sich nimmt.





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