"Ist das Gericht mit Sahne oder Milch zubereitet? Ich vertrage nämlich keinen Milchzucker", fragt Susanne Hübner regelmäßig bei der Bestellung im Restaurant. So wie ihr geht es nach Expertenschätzungen zwischen 15 und 20 Prozent der Deutschen – sie leiden an einer Laktoseintoleranz.
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Noch vor einigen Jahren waren Restaurant-Besuche schwierig, Milch-Trinken tabu. Doch inzwischen haben sich Köche, Lebensmittelproduzenten und Pharmafirmen auf die Bedürfnisse der Betroffenen eingestellt. In den meisten Restaurants ist es kein Problem, ein Gericht auf Wunsch des Gastes laktosefrei zuzubereiten, im Supermarkt erhält man laktosefreie Milch und Milchprodukte, Apotheken und Drogeriemärkte verkaufen Tabletten, Tropfen und Pulver, die Milchprodukte für Menschen mit Laktoseintoleranz besser bekömmlich machen sollen.
Laktoseintoleranz: Sichere Diagnose durch Atemtest beim Arzt
Blähungen, Bauchkrämpfe, Darmgeräusche, Durchfall oder Übelkeit nach dem Verzehr von Milch oder Produkten, die Milchzucker enthalten, können Anzeichen für eine Laktoseintoleranz sein. Doch man sollte lieber keine Selbstdiagnose betreiben, sondern den Verdacht vom Arzt abklären lassen, rät Dr. Dagmar Mainz vom Berufsverband Niedergelassener Gastroenterologen Deutschlands. "Manche Patienten stellen fest, dass sie diese oder jene Lebensmittel nicht gut vertragen und lassen sie deshalb weg. Am Ende ernähren sie sich ganz einseitig und sind trotzdem nicht beschwerdefrei", sagt sie. Zum Beispiel ein Reizdarmsyndrom oder eine Fructose-Unverträglichkeit können ganz ähnliche Symptome verursachen.
Der Arzt stellt die Laktoseintoleranz meist durch einen Atemtest fest. Der Patient nimmt auf nüchternen Magen eine bestimmte Menge Laktose zu sich. Im Dünndarm wird der Milchzucker mit Hilfe des Enzyms Laktase in Glucose und Galaktose aufgespalten. Produziert der Körper nicht genug Laktase, gelangt die Laktose in den Dickdarm und wird dort von Bakterien zersetzt. Es entsteht unter anderem Wasserstoff (H2), dieser gelangt über das Blut in die Lunge und ist dann in der Ausatemluft messbar.
Geringe Mengen Laktose machen oft keine Probleme
Beim Test können sich natürlich auch die mit einer Laktose-Aufnahme verbundenen Beschwerden einstellen. Da die Laktose-Dosis in Stufen gesteigert wird, kann der Grad der Unverträglichkeit ermittelt werden. "Einige Patienten reagieren bereits auf geringste Mengen, viele vertragen jedoch etwa acht bis zehn Gramm Laktose am Tag", so Dr. Mainz.
Manche Menschen leiden von Geburt an an einem Laktase-Mangel, bei den meisten Betroffenen lässt die Produktion des Enzyms jedoch erst mit der Zeit nach. "Eine Laktoseintoleranz kann man in jedem Lebensalter entwickeln, aber meist sind es jüngere Patienten, die in die Sprechstunde kommen", so Dr. Mainz. Der Grad der Empfindlichkeit könne sich im Lauf des Lebens aber auch ändern.
Laktoseintoleranz als Nebenwirkung der Adipositas-Chirurgie
Eine Laktoseintoleranz kann auch Folge einer Erkrankung sein, durch die die Dünndarmschleimhaut geschädigt wird, zum Beispiel einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung, einer Infektionskrankheit oder einer Zöliakie (Glutenunverträglichkeit). Wird die Krankheit behandelt, kann die Schleimhaut sich erholen und auch wieder Laktase freisetzen. "Auch nach Operationen, bei denen man in den Magen-Darm-Trakt eingreift wie zum Beispiel auch bei der Adipositas-Chirurgie, entwickelt sich häufig eine Laktoseintoleranz", sagt Doris Steinkamp, Präsidentin des Verbands der Diätassistenten.
Weiterlesen: Enzym-Präparate helfen nicht allen Betroffenen
Lesen Sie in diesem Beitrag zum Thema
- 1 Laktoseintoleranz: Wenn Milch krank macht
- 2 Enzym-Präparate helfen nicht allen Betroffenen




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