Die Lakritze, der Lakritz, das Lakritz – alle drei Artikel werden für das schwarze Naschwerk vergeben, je nach Region. Der Stoff verwirrt offenbar, mal ist er süß, mal wird er aber auch salzig gelutscht.
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Der Grundstoff ist Saft der Süßholzwurzel, der dann eingedickt wird. Durch Zugabe von diversen, höchst unterschiedlichen Zutaten wie Zucker oder Salmiaksalz wird beim Lakritz eine breite Geschmackspalette abgedeckt. Daran scheiden sich die Geister. Die einen sind fast süchtig nach Lakritz in jedweder Form, andere können Lakritz überhaupt nicht ausstehen und sehen es nur als zähes Zeug, das an den Zähnen klebt.
Wie Anis oder Fenchel ein Teil der Naturheilkunde
Bild: Die
Staude Glycyrrhiza glabra heißt hierzulande Süßholz, geerntet werden die Wurzeln. Foto: picture alliance
Süßholz war in vorindustrieller Zeit wichtiger Bestandteil der Naturapotheke, wie etwa auch Anis, Fenchel, Salbei, Kamille, Schafgarbe oder auch Minze. Als Heilmittel war der Extrakt der Wurzel ein wenig in Vergessenheit geraten, als Lakritz ist er in zahlreichen Produkten dennoch präsent.
Dass man mit Lakritz auch noch kochen kann, ist vergleichsweise neu – und offenbar auch gewöhnungsbedürftig. Auf die Frage nach dem seltsamsten Gericht, das er je gekocht habe, antwortete Björn Freitag einmal: "Steinbutt mit Sallos". Das sind Lakritz-Bonbons. "Schmeckte gut!" sagte der TV-Koch aus Nordrhein-Westfalen noch.
Salatdressing mit einer Prise Lakritzpulver
In der neuen Küche wird allerdings eher mit Lakritz in Pulverform gekocht, und das stammt meist aus Italien. Es ist pur und konzentrierter Süßholzgeschmack. Eine Prise Lakritz kann etwa einem Salatdressing mit Balsamico eine interessante Note geben. Fein dosiert wird Lakriotz nicht als aufdringlich empfunden, manchen erinnert es dann eher an den Geschmack von Anis.
Die Heilwirkung der Süßholzwurzel war schon den Römern bekannt. Die Pflanze, die zur Familie der Hülsenfrüchte zählt – was man an der Wurzel riechen kann – und mit Holz eigentlich nichts gemein hat, wächst in der milden Mittelmeerregion und im westlichen Asien. Sie sollte bei Husten, Gastritis und Leberleiden helfen, Lakritz wurde empfohlen, um sowohl ein bohrendes Hungergefühl als auch Durst zu unterdrücken.
Ein Tee mit dem geraspelten Süßholz wurde auch in unseren Breiten dann bei Husten, Erkältung oder Magenproblemen verabreicht, eine Medizin, die auch noch schmeckte. Heute weiß die Forschung, dass der wichtige Wirkstoff im Lakritz, Glycyrrhizin, ein Saponin oder sekundärer Pflanzenstoff, antioxidativ und antiviral wirkt.
Zucker macht das schwarze Gold zur Nascherei
Das schwarze Gold – so wurde naturreines Lakritz einst gelegentlich genannt. Erst das Strecken mit Zucker, Glukosesirup (Zuckerart z.B. aus Maisstärke), Mehl, Kartoffelstärke, Salmiak und Aromen öffnete die Tür zur Vermarktung als Nascherei. Der teils sehr kräftig salzige Geschmack des schwarzen Stoffs stammt nicht vom Lakritz, sondern von Salmiak, das in Nordeuropa oft zugesetzt wird. Salmiakhaltiger Lakritz sollte nur in kleinen Menegn gegessen werden.
Bild: Geraspel
te Süßholzwurzel kann als Tee aufgegossen werden. Foto: picture alliance
Die als Weichlakritz bekannte Süßigkeit wurde vom britischen Apotheker George Dunhill im 18. Jahrhundert vor allem durch den Zusatz von Zucker erstmals kreiert. Das war gleichsam aber auch ein
Schritt weg vom puren Lakritz und dessen Einsatz als Heilmittel. Weil das Glycyrrhizin der Süßholzwurzel eigentlich eine Arznei ist, das als Tee in Apotheken, aber in vielfältiger Form von Lakritz vor allem eben in Süßwarenabteilungen verkauft wird, stellen sich durchaus Fragen nach Anwendung und Dosierung. Es ist in bestimmter Zusammensetzung und für bestimmte Bevölkerungsgruppen kein Naschwerk wie jedes andere.
Maßvoller Verzehr des Wirkstoffs angeraten
Glycyrrhizin fördert die Durchblutung und wirkt entzündungshemmend. Übermäßiger Konsum von Lakritz mit hohem Süßholzanteil kann entsprechend Risiken bedeuten: Bluthochdruck und Ödeme oder Wassereinlagerungen sowie Muskelschwäche. Der Mineralstoffwechsel kann gestört werden: Natrium wird verstärkt aufgenommen, Kalium verloren.
Besonders Schwangere und Diabetiker sollten Lakritz nicht regelmäßig und nicht in großer Menge essen, so der vorsorgliche Rat von Medizinern. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) rät schon lange zu maßvollem Umgang mit Glycyrrhizin. Der Richtwert wird mit nicht mehr als 100 mg am Tag angegeben. Erzeugnisse von der breiten Palette Lakritz, die mehr als 200 mg Glycyrrhizin auf 100 g enthalten, können nach regelmäßigem Verzehr von mehr als 50 g pro Tag bei bestimmten Personen Nebenwirkungen auslösen, heißt es.
Vorsicht! Lakritz nur für Erwachsene
Weil es eine Kennzeichnungspflicht nicht gibt, ist die genaue Dosierung schwierig. Nur stark salmiakhaltige Lakritzsorten müssen in Deutschland als "Erwachsenenlakritz" und "Extra stark – Erwachsenenlakritz" gekennzeichnet werden, damit Kinder davon nicht essen.
Ernährungsexperten empfehlen als Richtwert für weiches, süßes Lakritz, das meist einen geringen Süßholzanteil hat, nicht mehr als 100 Gramm am Tag zu essen, um auf der sicheren Seite zu stehen. Das ungefähre Maß gilt für gesunde Erwachsene. Auf die Mischung kommt es beim Lakritz also an.
Lakritzpulver veredelt ein Salatdressing
Eine Lakritz-Liebhaberin wie Ilse Böge kennt alle Varianten zwischen Island und Italien, in denen Lakritz auf den Markt kommt. Die gebürtige Emdenerin, die in Berlin den wohlsortierten
Lakritzladen "Kadó" betreibt, probiert neue Geschmacksrichtungen.
Wie Lakritz und Ingwer. Und sie setzt Lakritz-Pulver in der Küche ein, schwärmt von Tagliatelle, die mit Süßholz-Note auf den Teller kommen (siehe Rezepte). In Fischsud gibt sie Süßholzwurzel und köchelt diese mit. "Lakritzpulver in Salatsoße süßt und gibt ein Geschmacksbett, rund und voll aromatisch", schwärmt sie. Auch von Hähnchenbrusthappen, die sie mit Mehl und Lakritz in Pulverform paniert und anbrät.





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