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Städter mit Bienen: Mehr als Honig

| Von Manfred Pantförder

Dass die Imkerei auch in der Stadt möglich ist, zeigt Mediziner Helmut Dudel. Wie der Berliner Bienen hält und Honig in seinem Garten gewinnt

Blick auf Waben, in denen Arbeitsbienen unermüdlich die Brut heranziehen. Fotos: Pantförder

Honig und Gesundheit

Wie gut ist Propolis?

Nektar Honig besteht überwiegend aus den Einfachzuckern Fructose und Glucose und ist daher vor allem ein schneller Energiespender. Durch Umwandlung des Nektars im Honigmagen der Bienen gelangen Enzyme dazu. Je nach Herkunft von Nektar und Pollen – meist kleine Mengen – werden Aroma, Farbe und Konsistenz geprägt. Statt Blütennektar ergibt sogenannter Honigtau den kräftigeren Waldhonig. Dabei haben Läuse den Pflanzennektar schon umgesetzt, den wiederum Bienen sammeln. Aminosäuren, Mineralstoffe und Vitamine stecken in Honig sowie sogenannte Inhibine, denen eine antibakterielle Wirkung zugeschrieben wird.

Gelée Royale Der Spezialsaft, den Arbeitsbienen auf Basis von Pollen herstellen, wird als Honigzusatz, Nahrungsergänzungsmittel und in Kosmetika vermarktet. Weil er das Futter der Königin ist, umgibt den Gelée Royale eine gewisse Aura, er darf aber nicht mit gesundheitsbezogenen Aussagen beworben werden. Dazu bereitet die Europäische Kommission eine neue Bewertung vor.

Propolis Bienen bringen auch Baumharz in den Stock und nutzen es verarbeitet zum Abdichten und gegen Schädlinge. Propolis wird vermarktet, weil es antibiotisch wirken und die Immunabwehr stärken soll. Auch hierzu bereitet die EU eine neue Einschätzung vor. "Neben ihrer behaupteten positiven Wirkung auf die Gesundheit enthalten Gelée Royale und Propolis aber auch Inhaltsstoffe, die bei empfindlichen Personen in Einzelfällen zu teilweise schweren allergischen Reaktionen führen können", bemerkt das Bundesamt für Risikobewertung in Berlin. Der Begriff pro polis rührt daher, dass die Bienen das Harz vor allem am Einflugloch ihrer "polis", ihres Stocks, verschmierten, um die Öffnung zum Schutz zu verkleinern.

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Imker-Nachwuchs

Weil es tendenziell zu wenige Imker gibt, bieten Verbände Informationen für möglichen Nachwuchs. Näheres unter:
www.deutscherimkerbund.de

Manchmal dauert es sehr lange, bis man zu seinem Hobby findet. Jahrzehnte waren es bei Helmut Dudel. Dann besaß der Facharzt für Neurologie und Psychiatrie sein erstes Bienen-Volk. "Endlich", sagt der 76-Jährige, "hatte ich genügend Zeit." Vor der Pensionierung waren die Arbeitstage allzu lang, sagt der Berliner. Für Bienen und Honig war keine Zeit.

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Aber weshalb braucht ein Städter überhaupt Bienen? Eigentlich begleiten Bienen und Honig Helmut Dudel (Foto) schon seit Kindertagen, denn seine Eltern beschäftigten sich während ihres Medizinstudiums in Breslau mit diesen Fluginsekten. Im Auftrag des großen Zoologen Karl Ritter von Frisch, der dem Tänzeln der Apis mellifera, so der wissenschaftliche Begriff, auf die Schliche kam, markierten sie Bienen und verfolgten deren Flug. Das Tänzeln der Sammelbienen zeigt dem Volk an, wo und in welcher Entfernung es Futterquellen gibt. 30 Jahre später, in München, hörte auch Helmut Dudel bei Prof. von Frisch Zoologie als Pflichtvorlesung im Medizinstudium.

Blütenangebot in der Großstadt ist vielfältig und reichhaltig

Sein Vater nahm den jungen Helmut häufig mit zu Imkern. "Im Krieg hatten wir immer einen größeren Vorrat an Honig im Keller, für den Patienten meines Vaters sorgten", erzählt Helmut Dudel heute. Obwohl ihm Bienen und Honig sehr vertraut waren, hatte Dudel früher kein eigenes Volk. Was also ist ein triftiger Grund für seine späte Leidenschaft?

Die Bienenhaltung reizte ihn, so einfach ist das. "Ich war nur erstaunt, dass es so leicht ist, in einer Großstadt wie Berlin eine ordentliche Menge Honig zu ernten. Das wusste ich früher nicht." Dass Bienen wichtig sind zur Bestäubung der Pflanzen, sagt er natürlich auch. Die Imkerei ist schließlich eine Herausforderung in Zeiten, in denen immer wieder viele Bienen sterben, wenn harte Winter, die Varroa-Milbe oder Chemikalien in der Landwirtschaft die Völker dezimieren.

Wenn es gelingt, die Wildtiere zu hüten, wirft diese Passion auch ein süßes Naturprodukt ab, den Honig. "Finanziell lohnt sich das aber nicht", mahnt Dudel mit Blick auf Hobby-Imker in spe, die jetzt vielleicht schon von einer lukrativen Beschäftigung träumen.

30 bis 50 Kilogramm Honig pro Bienen-Volk

Warum Helmut Dudel Bienen-Völker hält, zwischen acht und 15, wird deutlich, als er einen Kasten öffnet und ein Rähmchen mit Waben herauszieht: Er ist wie gebannt, wenn er mit Blick auf das Gewusel der vielen Arbeitsbienen erzählt, was in den Waben vor sich geht. Es ist eine pausenlose Geschäftigkeit, ein ständiges Werden, Füttern, Bauen und Verschmieren mit Wachs. Eine Wabe wird gerade gedeckelt, wie der Imker sagt, wenn die Brut erst schlüpfen muss, und nebenan frisst sich in dem Moment ein Neuankömmling durch solch eine Deckelung ins Leben, der Honig ist die Nahrung.

Ernten nennen Imker das Leeren der Waben

Wie Helmut Dudel sich ins Bienenleben vertieft, wird das Faszinosum klar, warum auch ein Städter sich an Bienen herantraut. Wobei: Kladow, wo Dudel am Stadtrand lebt, ist nicht Kreuzberg. Doch auch in besiedelten Gebieten können Bienen gehalten werden, so dies ortsüblich ist, um an Honig zu kommen. Eine lockere Bebauung muss gegeben sein, mit Gärten, Parks oder auch Bahnanlagen, Bach- oder Flussläufen.

Wer unsicher ist, ob in seiner städtischen Umgebung Bienenhaltung möglich ist, sollte sich an einen Imker-Verein wenden, rät Dudel. Er gehört dem von Spandau an.

Ein Bienen-Volk, das rund 60.000 Tiere zählt, schafft 30 bis 50 Kilogramm Honig, sagt Helmut Dudel. "Ernten" nennen Imker den Vorgang, wenn sie die schweren Waben mit Honig aus dem Kasten entfernen – der aus Imkersicht zutreffend "Beute" genannt wird. Dudel nimmt eine Platte heraus. Erfreut taxiert er ihr Gewicht.

Die Königin ist eigentlich ein Arbeitstier

Mitten im Gewimmel ist die Königin zu sehen. Pausenlos legt das deutlich größere Tier Eier in die vorbereiteten Waben. Wie wird eine Biene Königin? Arbeitsbienen füttern jeweils mehrere geschlüpfte Larven mit Gelée Royale, das ist eine proteinreiche Flüssigkeit, die aus der Futtersaftdrüse der Bienen stammt, nicht aus deren Honigmagen. Das Kraftfutter übertrifft den Honig und ergibt prächtige Tiere, die die Vorherrschaft im Kasten auskämpfen. Die alte Königin zieht mit einem Teil des Volks von dannen. Eine Königin lebt meist drei bis vier Jahre mit ihrem Vorrat an Eiern. Arbeitsbienen verausgaben sich dagegen in nur einer Saison.

Seine Bienen sind sanft

Und Stiche? Helmut Dudel hat einige abbekommen, meist wenn er an den Honig heran will. Aber nur, wenn sich Tiere in der Kleidung verfangen haben, sagt er. Sonst seien sie sanft. Beim Öffnen der Kästen und bei der Ernte setzt er vorsichtshalber aber doch die typische Imker-Haube auf. Man kann ja nie wissen.

Der Facharzt für Neurologie und Psychiatrie ist noch für Ärztekammer und Berliner Krisendienst tätig. Der Imkerei und dem Honig widmet sich der gebürtige Breslauer nebenbei. Als Vertriebene lebte Familie Dudel zunächst in Bayern. Wurzeln schlug der Mediziner dann in Berlin. Viele Jahre arbeitete Helmut Dudel, verheiratet, vier Kinder, in der Psychiatrischen Abteilung der Nervenklinik Spandau.

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Quellen

Ortstermin und Gespräch mit Helmut Dudel, Facharzt für Neurologie und Psychiatrie, Imker, Berlin, Juni 2010

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