Keinem anderen Getränk schenken die Wissenschaftler so viel Aufmerksamkeit wie grünem Tee, der in Fernost und Indien in großen Mengen getrunken wird. Bei uns ist grüner Tee spätestens seit der Wellness-Welle sehr beliebt. Die getrockneten Blätter der Pflanze mit dem wissenschaftlichen Namen Camellia sinensis und ihre Extrakte werden seit Jahren in mehr als 100 Studien weltweit untersucht.
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Im Fokus der Forscher stehen dabei die Inhaltsstoffe, die nicht nur Gesundheit erhaltend wirken, sondern auch zahlreiche Krankheiten bekämpfen sollen. Können Teetrinker davon profitieren? Studien aus dem Aus- und Inland lassen hoffen. Die Japaner fanden heraus, dass, täglich getrunken, schon drei Tassen grüner Tee - der in der Tasse meist eine gelbliche Farbe hat - lebensverlängernd wirken können.
Drei Tassen grüner Tee am Tag steigern das Wohlbefinden
"Mit ein bis zwei Liter grünem Tee am Tag kann man wahrscheinlich Krankheiten vorbeugen und tatsächlich etwas für seine Gesundheit tun", schlägt der Neurologe Prof. Friedemann Paul, von der Berliner Universitätsklinik Charité dagegen als "Dosis" vor. "Doch nicht jeder kann so viel Koffein vertragen", schränkt er ein. Teetrinker sollten zudem beim Einkauf darauf aufpassen, dass die Herkunft des Tees auch die Reinheit des Produkts garantiere. Es sollte ohne Pestizide oder andere Rückstände sein. "Mit ein bis drei Tassen grünem Tee lässt sich das Wohlbefinden durchaus auch schon steigern", so das Fazit des Mediziners und Tee-Experten.
Der bereits erwähnte Teestrauch Camellia sinensis liefert auch schwarzen Tee: Grüner Tee unterscheidet sich von schwarzem vor allem durch die Herstellungsart, zudem wird er anders zubereitet. Ein kurzes Rösten und Dämpfen verhindert im Gegensatz zum Schwarztee nach dem Welken der Blätter die Fermentation. Auf diese Weise bleiben die im frischen Blatt erhaltenen Wirkstoffe erhalten. Das sind im Tee sekundäre Pflanzenstoffe wie Catechine und Phenole.
Beim kürzlich in Berlin veranstalteten "Vierten Weltkongress Tee und Gesundheit" stand ein Inhaltsstoff im Mittelpunkt des wissenschaftlichen Interesses. Er trägt den Namen "Epigallocatechingallat", kurz EGCG. Im schwarzen Tee ist er aufgrund der Fermentation sehr viel weniger enthalten. Dieser Stoff gibt auch nach Versuchsreihen, die seine Wirkung auf Zellkulturen testeten, noch Rätsel auf. Doch die Wissenschaftler haben im Labor und bei Tierversuchen entdeckt, dass er Entzündungen und Tumore bekämpfen kann, als Radikalenfänger die Zellen schützt und Arteriosklerose und Nervendegeneration entgegenwirkt. Darüber hinaus soll er Übergewicht drosseln und Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorbeugen können. Gleichwohl gilt die gesundheitsfördernde Wirkung noch nicht als ausreichend bewiesen.
Grüner Tee: Hilft Wirkstoff MS-Patienten?
Inzwischen laufen klinische Studien an der Berliner Charité, deren erste Ergebnisse 2012/13 erwartet werden. Es geht um die Wirkung von EGCG bei der Behandlung von Kranken mit Multipler Sklerose, Alzheimer und Muskelschwund (Typ Duchenne). Den Probanden werden Kapseln mit EGCG verabreicht, während eine andere Patienten-Gruppe Kapseln ohne Wirkstoff – also Placebos – erhält. Bei dieser sogenannten Doppel-Blindstudie ist auch den Wissenschaftlern nicht bekannt, wer von den Patienten zu welcher Gruppe gehört. Man erhofft sich als Ergebnis, dass EGCG die Krankheiten verzögern kann.
Ist es auch ratsam für Gesunde, solche Kapseln zu schlucken und damit Krankheiten vorzubeugen? Prof. Paul rät davon ab, sich EGCG als Nahrungsergänzungsmittel "einfach mal schnell aus dem Internet zu bestellen". Auch hier müsse man sich vorher genau informieren, welche Inhaltsstoffe enthalten seien. In zu hohen Dosen könne EGCG sogar die Leber schädigen.
Doch öfter mal Tee zu trinken, bleibt gesund: Es gibt viele Sorten von grünem Tee mit völlig unterschiedlichen Geschmacksrichtungen. Hier kann der Fachmann aus dem Teegeschäft Neukunden beraten. In Japan genießt man den dort häufig getrunkenen Sencha, dessen Qualität und Wert sich nach der frühesten Ernte im Jahr richtet. Berühmt ist auch der chinesische, zu Kugeln gerollte "Gunpowder", der etwas bitter schmeckt. Cris-Cros, ebenfalls aus China, ist dagegen milder und wird in der Tasse jadegrün. Leider stehen die Tees aus China im Verruf, mit Pestiziden belastet zu sein. Darjeeling Muscatel trinkt man in Indien.
Grüner Tee sollte nur kurz ziehen
Während der erste Aufguss frisch schmeckt, hat erst der zweite Aufguss die Muscatel-Note. Ohnehin sollen der zweite und sogar der dritte Aufguss von grünem Tee besser schmecken als der erste. Einen leichten Zitrus-Touch hat der indische Nilgiri. Die ideale Wassertemperatur für die Zubereitung von Grüntee ist 80 Grad, grüner Tee sollte nicht länger als 30 bis 90 Sekunden ziehen.
Der schwarze Tee scheint aus den oben beschriebenen Gründen nicht dieselben Heilkräfte zu besitzen wie grüner Tee. Doch ein australisches Forscher-Team um Dr. Jonathan M. Hodgson aus Perth konnte jetzt in einer Studie zeigen, dass drei Tassen Schwarztee pro Tag den Blutdruck senken können.
Die Studie stützt sich auf 95 Probanden im Alter zwischen 35 und 75 Jahren, die sechs Monate lang Schwarztee bzw. ein Placebo-Getränk konsumieren mussten. Die Wissenschaftler machen für den positiven Effekt aus dem Schwarztee die sekundären Pflanzenstoffe, in diesem Fall die reichlich im Tee vorkommenden Flavonoide verantwortlich. 2007 hatten Kardiologen der Charité für eine Studie über schwarzen Tee entdeckt, dass Milch eine gefäßschützende Wirkung im schwarzen Tee wieder zunichte machen kann. Einen gefäßentspannenden Effekt konnten sie nämlich nur bei den Probanden ausmachen, die ihren Tee ohne Milch getrunken hatten. Die Wissenschaftler vermuten, dass die in der Milch enthaltende Kaseine die Catechine im schwarzen Tee binden.




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