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Hopfen

Gesund bleiben durch Bier?

| Von Christian Seel

Brauer und Verbraucherschützer streiten darum, ob Biertrinken wirklich gesund sein kann. Vor allem bei alkoholfreien Produkten könnten die Vorteile überwiegen

Rund 1300 Brauereien gibt es in Deutschland, darunter zahlreiche kleinere wie diese in Bayern. Foto: imago/Prager

Infos

Kleine Bierkunde

Energie Ein Glas Bier (0,3 Liter) enthält ca. 130 Kilokalorien, alkoholfreies Bier nur 75 Kilokalorien.

Inhaltsstoffe Vitamine B1, B2, B6, Folsäure (B9), Cobalamin (B12), Magnesium, Kalzium, Silizium

Zutaten Bier wird meist aus Gerstenmalz (gekeimte Gerste), Wasser und Hopfen erzeugt. Für den Gärprozess wird in der Regel Hefe zugesetzt

Gärung Von der Gärtemperatur und Hefesorte hängt ab, ob ein obergäriges Bier (Weizenbier, Kölsch) oder ein untergäriges Bier (Pils, Lager, Export) entsteht. Untergärige Biere reifen länger bei niedrigeren Temperaturen, obergärige haben meist einen höheren Alkoholgehalt und fruchtigen Geschmack.

Hopfen Die Heilpflanze wird seit etwa 1200 Jahren beim Brauen verwendet. Die Bitterstoffe machen das Bier haltbarer. Zuvor nutzte man meist eine Mischung verschiedener Kräuter.

Wissenschaft

Studien zur Wirkung von Bier

Der Stein des Anstoßes: Auf seiner Webseite hält der Deutsche Brauer-Bund eine Broschüre zum Download (PDF) bereit, in der die gesundheitlichen Vorteile des Biergenusses ausführlich geschildert werden. Dagegen ist der Bundesverband der Verbraucherzentralen (VZBV)  juristisch vorgegangen und hat vor dem Landgericht Berlin dieses Urteil erwirkt, das allerding nicht rechtskräftig ist. Hier die VZBV-Presseerklärung dazu.

Sehr viele der vom Brauer-Bund zitierten Untersuchungen beziehen sich auf die Tatsache, dass Menschen, die Alkohol in geringen Mengen trinken, statistisch gesehen seltener an bestimmten Leiden erkranken. Diese Wirkungen sind selten für Bier spezifisch, sondern gelten für alle Alkoholika. Die Gesundheitspolitk der EU geht allerdings davon aus, dass Alkohol viele Menschen dazu verführt, zu große Mengen davon zu trinken. Sie hat deshalb jede gesundheitsbezogene Werbung für alkoholische Getränke verboten und dies in der sogenannten  Health-Claims-Verordnung festgeschrieben, auf die sich auch das Urteil gegen den Brauer-Bund stützt.

Eine umfangreiche Meta-Analyse des Alkohol-Phänomens bietet diese italienische Studie: Alcohol Dosing and Total Mortality in Men and Women: An Updated Meta-analysis of 34 Prospective Studies.
 

Diese hier  - Effect of beer drinking on ultrasound bone mass in women - will positive Auswirkungen auf Osteoporose festgellt haben, und jene (Growth Inhibitory and Apoptosis-inducing Effects of Xanthohumol, a Prenylated Chalone Present in Hops, in Human Prostate Cancer Cells) hat den Hopfen-Inhaltstoff Xanthohumol untersucht.

Sportmediziner der Technischen Universität München dagegen haben im Rahmen einer  Marathon-Studie die Wirkung von aolkoholfreiem Weißbier auf die Gesundheit der Läufer untersucht. Die Untersuchung ist bisher nur in Kurzform veröffentlicht, die Pressemeldung der Uni gibt es hier: Alkoholfreies Weißbier fördert Sportler-Gesundheit

Gesund durch Bier – das wäre hierzulande eine gute Nachricht für Millionen. Schließlich sind wir im Trinken hinter den Tschechen Vizeweltmeister; rund 100 Liter rinnen durchschnittlich im Jahr durch jede deutsche Kehle. Schön, wenn man dadurch auch noch das Leben verlängern, Krebs, Demenz und Diabetes verhindern, oder Knochen stärken könnte. Kann man das wirklich? Um Bier und seine angeblichen gesundheitlichen Folgen ist Streit ausgebrochen.

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Urteil gegen die Brauer-Lobbyisten

Vor kurzem haben die Verbraucherzentralen der Brauerei-Lobby verbieten lassen, mit Studien zu werben, die einen gesundheitlichen Nutzen im Bier erkennen. Die Richter am Landgericht Berlin mussten dabei gar nicht prüfen, ob an den Aussagen etwas dran ist, sondern beriefen sich auf eine Klausel der europäischen Health Claims Verordnung. Sie regelt kurz und knapp: "Getränke mit einem Alkoholgehalt von mehr als 1,2 Volumenprozent dürfen keine gesundheitsbezogenen Angaben tragen." Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Möglicher Einstieg in die Trunksucht

"Alkoholkonsum birgt Risiken, die Anbieter nicht verschleiern dürfen", begründet Gerd Billen, Vorstand des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen, die juristische Breitseite gegen die Brauer. Schließlich gilt Bier mit vier bis sechs Volumenprozent vor allem bei Jugendlichen als möglicher Einstieg in die Trunksucht, an der 1,3 Millionen Deutsche leiden. Tatsächlich aber lässt sich die Frage, ob Alkohol schädlich sei, wissenschaftlich gar nicht eindeutig beantworten. Unterstützt vom italienischen Gesundheitsministerium trugen Biomediziner vor fünf Jahren 34 internationale Studien über den Zusammenhang von Sterblichkeit und Alkoholkonsum zusammen. Ergebnis: Die niedrigste Sterblichkeit liegt weltweit bei einem täglichen Konsum von einem bis zwei Gläsern eines alkoholischen Getränks. Bei Abstinenzlern hingegen ist die Sterblichkeit stets ebenso erhöht wie bei Menschen mit höherem Alkoholkonsum. Die Botschaft der Forscher lautete deshalb: Maßvoll weitertrinken. Allerdings fällt gerade das Maßhalten vielen schwer. Experten schätzen, dass mindestens jeder zehnte Deutsche regelmäßig mehr trinkt, als sein Körper vertragen kann.

Vorbeugende Wirkung bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen

"Es ist bewiesen, dass eine geringe Menge Alkohol das Risiko senkt, an einem kardiovaskulären Leiden zu erkranken", sagt auch Dr. Johannes Scherr, Sportmediziner aus München. "Das gilt bis zu einem maximalen Verzehr von 20 Gramm pro Tag." Scherr hat vor kurzem eine eigene Studie an Marathonläufern durchgeführt, allerdings mit Weißbier ohne Alkohol. "Wir waren auf der Suche nach einer Trägersubstanz für Polyphenole, weil diesen Substanzen viele positive Effekte zugeschrieben werden. Da alkoholfreies Weißbier als Sportlergetränk beworben wird, isotonisch ist und auch diese Polyphenole in nicht unbeträchtlichem Umfang enthält, war das naheliegend." Polyphenole sind sekundäre Pflanzenstoffe, die das Immunsystem unterstützen. Sie sollen gegen Entzündungen und Infektionen wirken, die bei Marathon-Läufern wegen der körperlichen Überlastung vermehrt vorkommen. Drei Wochen vor und zwei Wochen nach dem Lauf tranken die Sportler täglich einen bis 1,5 Liter, in einer Vergleichs-Gruppe hatte man die Polyphenole aus dem Bier gefiltert. Ergebnis: Das polyphenol-haltige Bier konnte offenbar die Zahl der Infekte der Atemwege um mehr als das Dreifache vermindern. Um eine Erkältung zu verhindern, so rechnete Scherr aus, müssen acht Personen fünf Wochen lang Weizenbier trinken. Die Brauerei, die Scherrs Bierforschung finanziert, wird das gefreut haben.

Im Mittelalter gesünder als verkeimtes Brunnenwasser

Alkoholfreies Bier ist auch für Dr. Johannes G. Mayer das gesunde Getränk der Wahl. Es sei nach dem Sport sehr zu empfehlen, habe nur halb so viel Kalorien wie normales und führe dem Körper schnell wieder Energie zu. Mayer hat sich als Experte für Klostermedizin an der Uni Würzburg mit dem Thema beschäftigt. Er sagt, dass schon zur Karolinger Zeit im achten Jahrhundert der Biergenuss durchaus gesundheitliche Aspekte hatte. Wo Wein nicht gedeihen konnte, stand jedem Mönch täglich ein Becher Bier zu. Das Getränk, damals mit 2,5 bis 3,5 Volumenprozent Alkohol, war nicht nur nahrhaft, sondern auch gesünder als Wasser, das oft aus keimbelasteten Brunnen kam. Als Grundlage für Heilmittel wurde es regelmäßig auch mit Kräutern versetzt.

Hopfen fördert als Heilpflanze Schlaf und Verdauung

Hefezusätze (mit ihren B-Vitaminen) und Hopfen hingegen waren den Klosterbrauereien des frühen Mittelalters unbekannt. Hopfen dient erst seit etwa 1200 Jahren mit seinen Bitterstoffen der Haltbarkeit des Bieres. Als Heilpflanze fördert er Schlaf und Verdauung. Und er enthält Substanzen, die dem weiblichen Geschlechtshormon ähneln.

Bier steht im Verdacht, das Brustwachstum zu fördern

Auch deshalb steht das Getränk im Verdacht, bei männlichen Bierfreunden das Brustwachstum zu befördern. Ein Zusammenhang, den Mayer aber bezweifelt: "Dafür ist zu wenig Hopfen drin", sagt er. Wahrscheinlicher sei, dass die Appetit anregende Wirkung zur übermäßigen Nahrungsaufnahme führe und zugleich der Alkohol die Fettverbrennung blockiere, so dass fette Speisen fast vollständig eingespeichert würden. Laut Sportmediziner Scherr, könne der Effekt auch durch eine Leberschädigung bei übermäßigem Alkoholgenuss entstehen. Weibliche Geschlechtshormone würden dann nicht mehr so gut abgebaut.

Hoffnungsvolle Hopfen-Substanz zur Krebsvorsorge

Eine weitere Besonderheit des Hopfens ist das Polyphenol Xanthohumol, das in der Krebsforschung als hoffnungsvolle Substanz zur Vorbeugung gilt und bislang nur in dieser Pflanze gefunden wurde. Im Tierversuch konnte eine Schutzwirkung gegen Prostatakarzinome nachgewiesen werden, aber Biertrinker profitieren davon vermutlich nicht. Durchs Trinken von Bier, so eine US-Studie, sei eine wirksame Dosis nicht zu erreichen.

Bier macht doch schön

Dafür aber kann Bier schöner machen. Nicht den Trinker, sondern sein Gegenüber, behaupten Glasgower Psychologen. Sie baten 120 Studenten, das Aussehen eines Gesprächspartners vor und nach zwei Gläsern Bier zu bewerten. Ergebnis: Nach dem Bier erschien er ihnen um 25 Prozent attraktiver.

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Quellen

Castelnuovo, A.: Alcohol Dosing and Total Mortality in Men and Women, Arch Intern Med. 2006;166:2437-2445.
Pedrera-Zamorano, J.: Effect of beer drinking on ultrasound bone mass in women, doi:10.1016/j.nut.2009.02.007
Urteil des LG Berlin vom 10.05.2011, 16 O 259/10
Deeb, D.: Growth Inhibitory and Apoptosis-inducing Effects of Xanthohumol, a Prenylated Chalone Present in Hops, in Human Prostate Cancer Cells, Anticancer Research September 2010 vol. 30 no. 9 3333-3339
Technische Universität München: Alkoholfreies Weißbier fördert Sportler-Gesundheit, Pressemeldung vom 09.06.2011

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