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Vitamin C

Tagesbedarf an Ascorbinsäure umstritten

| Von Ela Dobrinkat

Der Radikalfänger Vitamin C ist wichtig für das Immunsystem, bietet aber keinen Schutz vor Erkältungen. Bei Stress besteht ein erhöhter Bedarf

Kohl kann in gekochtem Zustand sogar mehr Vitamin C enthalten als roh. Foto: PA/ARCO

Vitamin-C-Quellen

Vorkommen Vitamin C kommt in der Natur vor allem in Obst und Gemüse, aber auch in tierischen Produkten wie Milch oder Leber vor.

Aufnahme Lebewesen nehmen es mit der Nahrung auf oder können es über den Stoffwechsel selbst synthetisieren. Primaten – dazu zählen auch Menschen – sind zu Letzterem nicht fähig.

Überdosis Überschüsse an Vitamin C werden problemlos mit dem Urin ausgeschieden.

Wirsing, Grünkohl, Rosenkohl, auch Rot- und Weißkohl sind typische Herbst- und Wintergemüse. Als Beilage oder deftige Eintöpfe sorgen sie in der kalten Jahreszeit zudem für wohlige Wärme. Sie sind auch das "Grünzeug", in dem am meisten Vitamin C steckt – etwa 50–150 Milligramm pro 100 Gramm. (Zum Vergleich: Kartoffel 17 mg, Apfel 12 mg, Banane12 mg) Mit gegartem Kohl lässt sich der Vitamin-C-Tagesbedarf des Körpers angeblich decken. Kohl enthält gekocht sogar noch mehr Vitamin C als in rohem Zustand, erklärte jetzt das Pressebüro Deutsches Obst und Gemüse. Allerdings dürfe er nicht zu lange gekocht werden. In diesem Fall würde das Vitamin C, auch Ascorbinsäure genannt, dann doch zerstört.

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Wissenschaftler diskutieren allerdings sehr kontrovers den Tagesbedarf an Vitamin C. Bis heute konnte darüber keine Einigung erzielt werden. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hat sich inzwischen mit ihren Schweizer und österreichischen Pendant-Gesellschaften auf eine Empfehlung festgelegt: 100 Milligramm sei die Tagesdosis für eine erwachsene Person im Alter von 25 bis 51 Jahren. Raucher sollten ihre Dosis auf 150 Milligramm aufstocken, Schwangere auf etwa 110 Milligramm.

Meinungen zu Vitamin-C-Bedarf gehen auseinander

Die Meinungen über die Einnahme-Menge gehen allerdings sehr weit auseinander. Einige Gesundheits-Experten empfehlen, nur einen Bruchteil davon zu konsumieren, andere wiederum postulieren ein Mehrfaches. Unbestritten ist, dass Vitamin C der Gesundheit gute Dienste leistet. Es wurde entdeckt, weil ein Mittel gegen die Mangelkrankheit Skorbut gesucht wurde, die einst vor allem Seeleute befiel. Abhilfe konnten Sauerkraut und Zitrusfrüchte schaffen. Doch es dauerte noch mehr als ein Jahrhundert, bis Albert von Szent-Györgyi Nagyrápol 1927 das Vitamin C isolieren konnte.

Der Stoff wird vor allem als "Radikalfänger" geschätzt. Bei den komplexen Stoffwechselprozessen im menschlichen Körper entstehen aggressive Zwischenprodukte, die "freien Radikale". Sie können hoch konzentriert Proteine, Zellmembranen und die Erbsubstanz angreifen und dem Organismus Schaden zufügen. Der Mensch hat über sogenannte Antioxidanzien Schutzmechanismen dagegen entwickelt. Sie können freie Radikale neutralisieren. Als wichtiger Radikalfänger fungiert dabei das Vitamin C, das uns so vor schweren Krankheiten schützt. Dem Vitamin C kommt also eine große Bedeutung für ein intaktes Immunsystem zu.

Ascorbinsäure hat eine wichtige Rolle bei der Stressbewältigung

Es ist zudem an vielen weiteren Prozessen beteiligt, beispielsweise an der Stressbewältigung. Die Ascorbinsäure im Vitamin C sorgt für starke Nerven, Konzentrationsfähigkeit und beeinflusst die Bildung des Kollagens und den Aufbau des Bindegewebes. Hartnäckig hält sich das Gerücht, dass Vitamin C Erkältungen verhindern oder gar vertreiben könne. Dies stimmt nur sehr begrenzt. Linus Pauling, Chemie-Nobelpreisträger, hatte in den 70er-Jahren dazu aufgerufen, 1000 Milligramm Ascorbinsäuretäglich einzunehmen, um Erkältungskrankheiten vorzubeugen. Inzwischen ist er widerlegt.

Eine Studie mit mehr als 10 000 Personen hat bewiesen, dass eine tägliche Dosis Vitamin C nicht vor Erkältungen schützen konnte. Auch eine schnellere Genesung war bei einer Tagesdosis von 200 Milligramm nicht möglich. Dennoch förderte die Studie ein überraschendes Ergebnis zutage: Menschen mit erhöhtem Stress konnten nach regelmäßiger Einnahme ihr Erkältungsrisiko etwas senken. Australische und finnische Forscher kommen nach ihren Studien zum Ergebnis, dass die Vorteile von Vitamin C so gering seien, dass man auf den regelmäßigen Konsum ganz verzichten könne. Dabei hatten sie herausgefunden, dass die Erkältungsdauer bei Erwachsenen im Vergleich zur Placebo-Testgruppe um acht, bei Kindern um 13,6 Prozent verkürzt werden konnte.

Ascorbinsäure hilfreich bei extremer Kälte

Nur Menschen – so die Meinung der Wissenschaftler Robert Douglas und Harri Hemilä – die extremer Kälte ausgeliefert seien oder unter körperlichem Stress stünden, sollten regelmäßig Vitamin C einnehmen. Denn bei Marathonläufern und Skiläufern war ein leicht vorbeugender Effekt gegen Erkältungen durch Vitamin C festgestellt worden. Einigkeit herrscht bei Wissenschaftlern darüber, dass die Vitamin-C-Versorgung in Mitteleuropa gut ist. Ein gesunder Mensch, der Risiken wie Stress, Umweltgifte, Nikotin und Alkohol meide und sich mit viel Obst und Gemüse gesund ernähre, brauche einen Mangel an Vitamin C nicht zu befürchten.

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Quellen

Pressebüro Deutsches Obst und Gemüse, Pressemitteilung "Fit durch den Hernst", 29.9.2011
Norbert Messing, Das praktische Handbuch vom Vitamin C, Verlag Ganzheitliche Gesundheit, 1997

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