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Lebensmittel-Imitate

Analogkäse: der große Schwindel

| Von Sabine Abel

Kunstkäse aus pflanzlichem Öl, Milcheiweiß und Aromen findet sich auf mancher Pizza und manchem Sandwich vom Imbiss. Verbraucherschützer raten: Im Zweifel nachfragen

Pizza vom Imbiss kann Analogkäse statt des echten Produkts enthalten. Foto: PA/dpa

Imitate melden

Wer ein nicht korrekt deklariertes Produkt findet, kann das beim Bundesverband der Lebensmittelkontrolleure (Tel. 02761/828 89 40, E-Mail: lebensmittelkontrolleure@ bvlk.de), der Lebensmittelüberwachung vor Ort oder der Verbraucherzentrale Hamburg melden: ernaehrung@vzhh.de, Tel. 040 24 832 240. Eine Liste mit Käseimitat-Produkten findet man unter www.vzhh.de

Täuschung

Lebensmittel, die vorgeben, etwas zu sein, das sie nicht sind:

Formfleisch aus kleinen Fleischstücken, Wasser, Bindemittel und Soja- oder Milcheiweiß ersetzt Schinken im Salat oder auf der Pizza

Surimi - Krebsfleisch-Ersatz aus Fischresten

Fettglasur mit geringem Kakao-Anteil als Ersatz für Schokolade, z. B. bei Backwaren

Pesto Kartoffelflocken, preiswertes Pflanzenöl, Cashewkerne und Aroma ersetzen zum Teil Pinienkerne und Olivenöl

Informationen im Internet unter www.vzhh.de, Stichwort Ernährung, Beitrag vom 2. April sowie www.abgespeist.de

Wer unterwegs seinen Hunger mit einem Stück Pizza oder mit einem  mit Käse überbackenen Sandwich stillt, geht davon aus, dass dieses mit Käse aus Milch zubereitet wurde. Doch es könnte auch ein Kunstkäse aus pflanzlichen Ölen, Milcheiweiß, Aromen, Stärke und anderen Zutaten sein. Die Produzenten der Zutaten für den sogenannten Analogkäse preisen ihre Produkte im Internet mit appetitanregenden Fotos von Pizza, Lasagne, Hamburgern und Ähnlichem an, geworben wird mit Produkteigenschaften wie gute Schmelzfähigkeit, angenehmes Mundgefühl oder Fadenbildung wie bei Käse. Die Grundzutaten für den Analogkäse können von Lebensmittelherstellern je nach Wunsch zu Imitaten von Mozzarella, Fetakäse, Streichkäse und anderen Sorten verarbeitet werden.

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Analogkäse ist nicht gesundheitsschädlich

Betont wird, dass der Analogkäse für Länder und Regionen entwickelt wurde, in denen keine ausreichenden Kühlkapazitäten vorhanden sind oder die Frischmilch nicht ausreicht. Doch auch in Deutschland werden solche Produkte verkauft.

So ein Käse-Imitat ist nicht gesundheitsschädlich, sagt Martin Rücker, Pressesprecher der Verbraucherorganisation Foodwatch. Aber der Analogkäse ist kein Naturprodukt, das aus Milch und Lab besteht, wie man es sich bei Käse vorstellt, sondern der Geschmack von Käse wird durch Aromen und Geschmacksverstärker nachempfunden. Problematisch sei es, wenn Verbraucher im Glauben gelassen würden, dass sie echten Käse kaufen. Eine eindeutig falsche Kennzeichnung als Käse wurde in einzelnen Imbissbuden und Bäckereien festgestellt, in deren Produkten Analogkäse verwendet wurde, so Rücker. Doch weitaus häufiger würden Beschreibungen wie zum Beispiel überbackenes Sandwich verwendet, so dass nicht sofort klar erkennbar sei, welche Zutaten darin verarbeitet wurden.

Aufmerksam sollte man werden, wenn etwas nur als ,überbacken? oder ,mit Auflage? deklariert ist und nicht ausdrücklich Käse dabeisteht, dann könne durchaus Analogkäse verwendet worden sein. Dann sollte man nachfragen, rät auch Martin Müller, Vorsitzender der Verbandes der Lebensmittelkontrolleure. Bei den großen Herstellern von Tiefkühlpizza, aber auch bei den Eigenmarken der Supermarktketten müsse man allerdings nicht befürchten, ein Kunstprodukt zu kaufen. Die Firmen würden es nicht riskieren, durch die Verwendung von Analogkäse ihren Ruf zu schädigen.

Analogkäse sieht oft aus wie das Vorbild

Die Verbraucherzentrale Hamburg fand bei einem Markttest in Supermarktregalen allerdings einige Produkte, bei denen Analogkäse verarbeitet wurde. So lag neben Emmentaler oder Gouda eine Lebensmittelzubereitung mit Pflanzenfett. Bei Hähnchenschnitten Cordon bleu Art wurde neben dem Analogkäse eine minimale Menge echten Käses verwendet, auf der Packung stand dann Zubereitung mit Käse.

In Großmärkten stießen die Testkäufer auf Produkte mit der Bezeichnung Pizza-Mix oder Gastromix, die entweder nur zum Teil aus echtem Käse bestanden oder sogar komplett auf Pflanzenfettbasis hergestellt waren. Diese Analogkäse-Produkte lagen im Kühlregal neben geriebenem Käse und waren optisch nicht von echtem Käse zu unterscheiden. Auch für Schafskäse fanden die Mitarbeiter der Verbraucherzentrale Imitate, die bei Imbissen im vermeintlich Griechischen Salat landen.

Nach Schätzungen werden in Deutschland pro Jahr rund 100 000 Tonnen Analogkäse hergestellt. Das entspreche rund einer Million Kilogramm Milch, so der Sprecher des Deutschen Bauernverbands, Michael Lohse. Die Kosteneinsparungen im Vergleich zu herkömmlichem Käse werden von Experten auf rund 30 bis 40 Prozent geschätzt.

Bessere Kennzeichnung von Analogkäse auch für lose Ware gefordert

Verbraucherschützer fordern eine bessere Kennzeichnung in der Gastronomie und bei loser Ware. So sollte die Kennzeichnung von Analogkäse etwa auf der Speisekarte oder Schildern obligatorisch vorgeschrieben werden, wie es schon für bestimmte Zusatzstoffe die Regel ist. Auch auf Fertigpackungen solle deutlich mit Käse-Imitat stehen, so die Verbraucherzentrale Hamburg. In Zweifelsfällen sollte man immer nachfragen oder sich Zutatenlisten ansehen, rät auch Martin Müller.

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Quellen

Gespräch mit Martin Rücker, Sprecher von Foodwatch
Gespräch mit Martin Müller, Vorsitzender des Verbandes der Lebensmittelkontrolleure
Informationen der Verbraucherzentrale Hamburg
Presseinformation des Deutschen Bauernverbandes

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