Das Gedächtnis: Erinnern und vergessen

Veröffentlicht von: Wiebke Raue (11. März 2015)

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Egal, ob wir uns an den ersten Kuss in unserer Jugend erinnern oder an das gerade vergangene Gespräch mit dem Chef: Ohne Gedächtnis wären wir aufgeschmissen.

Wie belastend es ist, wenn das Gedächtnis beeinträchtigt ist, wird am Beispiel von Menschen mit Demenz eindrucksvoll deutlich: Zuerst wird das Kurzzeitgedächtnis in Mitleidenschaft gezogen – der Betroffene kann sich etwa nicht mehr daran erinnern, dass er gerade eben noch telefoniert hat.

In späteren Krankheitsstadien lässt das Gedächtnis immer mehr nach. Schließlich verblasst auch die Erinnerung an Vertrautes und früher Erlerntes. Diese Phase kann vor allem für Angehörige sehr bedrückend sein, da der Erkrankte Familienmitglieder, gute Freunde und andere ihm vertraute Personen nicht mehr erkennt. Auch Orte, die der Person viel bedeutet haben und mit denen sie Emotionen und für sie wichtige Eindrücke verbindet, weichen nach und nach aus dem Gedächtnis.

Ob eine aufgenommene Information im Gedächtnis gespeichert wird oder ob die Daten wieder „verloren gehen“ beziehungsweise nicht mehr abrufbar sind, hängt von einem komplexen Prozess ab. Sämtliche Informationen, die wir täglich aufnehmen, werden vor dem Speichern unbewusst sortiert, zusammengefasst, bewertet und auch mit bestimmten Emotionen verknüpft. An diesem Vorgang sind unterschiedliche Hirnareale beteiligt. Letztlich legt das Gehirn die Informationen an verschiedenen Orten im Gedächtnis ab.

Das Gedächtnis kann man aus verschiedenen Blickwinkeln umschreiben. Aus zeitlicher Sicht unterteilt man es grob in das

  • Kurzzeitgedächtnis und das
  • Langzeitgedächtnis.

Das Kurzzeitgedächtnis speichert Informationen nur für einen kurzen Zeitraum und seine Speicherfähigkeit ist begrenzt. Im Langzeitgedächtnis befinden sich dauerhaft für uns wichtige Informationen, die auch länger zurückliegen können.

Nicht nur äußere Eindrücke, auch Vorstellungen und Phantasien speichert unser Gedächtnis: Stellen wir uns zum Beispiel vor, auf einer Sommerwiese zu liegen, werden dieselben Bereiche im Gehirn aktiviert, die auch bei einem echten Erlebnis reagieren würden.

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