Das Gedächtnis – Erinnern und Vergessen: Das Langzeitgedächtnis

Veröffentlicht von: Wiebke Raue (11. März 2015)

Zuvor selektierte Informationen können aus dem Kurz- in das Langzeitgedächtnis gelangen, zum Beispiel, wenn wir etwas neu Erlerntes immer wiederholen. Bei weitem nicht jede Informationen, die der Mensch aufnimmt, gerät auch ins Langzeitgedächtnis – sondern nur ein ganz kleiner Teil.

Das Langzeitgedächtnis ist der zentrale und umfangreichste Speicher unseres Gedächtnisses. Sein Speicherplatz ist theoretisch unbegrenzt. Auch länger zurückliegende Ereignisse können beliebig in Erinnerung gerufen werden – etwa der erste Schultag oder der erste Kuss.

Das Langzeitgedächtnis sorgt dafür, dass wir uns selbst an bestimmte Situationen erinnern, die schon Jahrzehnte zurückliegen. © iStock

Das Langzeitgedächtnis sorgt dafür, dass wir uns selbst an bestimmte Situationen erinnern, die schon Jahrzehnte zurückliegen.

Auch wenn es erstaunlich klingt: Alle Inhalte, die jeweils in das Langzeitgedächtnis gelangt sind, bleiben dort dauerhaft erhalten. Dabei bilden sich regelrechte Gedächtnisspuren, sogenannte Engramme, die das Erinnern mithilfe biochemischer Verbindungen ermöglichen.

Das Langzeitgedächtnis lässt sich grob in zwei Typen unterteilen:

  • nichtdeklaratives oder implizites Gedächtnis: Das implizite Gedächtnis steht für Inhalte, die wir unbewusst, quasi voll automatisiert, abrufen – so zum Beispiel Bewegungen und Abläufe wie Gehen oder Fahrradfahren oder auch bestimmte Gewohnheiten.
  • deklaratives oder explizites Gedächtnis: Dieser Teil des Gedächtnisses ist für Inhalte zuständig, die wir bewusst gelernt haben und abrufen können. Es kann wiederum in zwei Formen unterteilt werden:
    • semantisches Gedächtnis: Es beinhaltet Faktenwissen wie etwa Geschichtsdaten oder Grammatik.
    • episodisches Gedächtnis: Hier sind eigene, autobiographische Erfahrungen gespeichert, die wir bewusst abrufen und in einen zeitlichen und räumlichen Zusammenhang bringen können, zum Beispiel, wenn wir uns an unseren letzten Sommerurlaub erinnern.


Einen Fuß vor den anderen setzen, ohne bewusst darüber nachdenken zu müssen – viele Bewegungsabläufe funktionieren regelrecht automatisch. Sie sind Teil des impliziten Gedächtnisses, das zum Langzeitgedächtnis gehört. © Jupiterimages/iStockphoto

Einen Fuß vor den anderen setzen, ohne bewusst darüber nachdenken zu müssen – viele Bewegungsabläufe funktionieren regelrecht automatisch. Sie sind Teil des impliziten Gedächtnisses, das zum Langzeitgedächtnis gehört.

Mehrere Speicherorte

Je nachdem, um welche Information es sich handelt, werden Inhalte aus dem Langzeitgedächtnis an unterschiedlichen Orten gespeichert.

Erlernte, automatische Abläufe werden vor allem im Kleinhirn und in den Basalganglien verarbeitet die sich unter der Rinde des Großhirns befinden. Reine Fakten werden dagegen insbesondere in der linken Gehirnhälfte gespeichert.

Autobiographisches Wissen ist auf der rechten Hirnhälfte in Stirnhirn und Schläfenlappen anzusiedeln, gespeicherte Sinneseindrücke dagegen in den sogenannten primär-sensorischen Feldern, welche Reize der Sinnesorgane verarbeiten. Die Speicherorte agieren jedoch nicht getrennt voneinander, sondern sind miteinander verknüpft.


Sie müssen sich eine neue Telefonnummer merken. Wie gehen Sie vor?