Das Gedächtnis – Erinnern und Vergessen: Das Kurzzeitgedächtnis

Veröffentlicht von: Wiebke Raue (11. März 2015)

Unser Kurzzeitgedächtnis ist quasi die "Zwischenablage" für Informationen, die wir nur für einen kurzen Zeitraum benötigen. Ohne seine Funktion könnten wir uns an Ereignisse oder Erfahrungen, die unmittelbar passiert sind, nicht erinnern. Das Kurzzeitgedächtnis kommt nahezu permanent zum Einsatz.

Eine grüne Ampel, der Wetterbericht im Radio, der Geruch einer frisch gemähten Wiese, Wasser, das beim Duschen die Haut berührt … Tag für Tag strömen unzählige Sinneseindrücke auf uns ein. Nehmen unsere Sinnesorgane eine Information wahr, bleibt diese für Millisekunden im sogenannten Ultrakurzzeitgedächtnis, auch sensorisches Gedächtnis genannt. Anschließend gelangen die Daten je nach Relevanz entweder in das Kurzzeitgedächtnis – oder werden gar nicht erst gespeichert, weil sie nicht wichtig für uns sind. Werden wir beispielsweise gebeten, jemandem den Kaffee zu reichen, wandert die Information ins Kurzzeitgedächtnis – andernfalls hätten wir schon nach einem Sekundenbruchteil vergessen, was wir gerade tun wollten.

Nur, wenn eine Information für uns wichtig ist, gelangt sie aus dem Ultrakurzzeitgedächtnis in das Kurzzeitgedächtnis – ansonsten wird sie vergessen.
Das Kurzzeitgedächtnis ermöglicht uns, Dinge für einen kurzen Zeitraum zu merken. © Jupiterimages/Goodshoot

Das Kurzzeitgedächtnis ermöglicht uns, Dinge für einen kurzen Zeitraum zu merken.

Die Speicherkapazität des Kurzzeitgedächtnisses ist allerdings begrenzt: Kommen neue Inhalte hinzu oder werden wir abgelenkt, werden die alten Informationen durch die neuen quasi „überschrieben“ und ersetzt. Und auch zeitlich stößt das Kurzzeitgedächtnis schnell an seine Grenzen: Oft verweilen Informationen im Kurzzeitgedächtnis nicht länger als ein paar Minuten. Damit ein Inhalt etwas länger im Kurzzeitgedächtnis überdauert, muss man sich immer wieder daran erinnern, etwa durch ständiges Wiederholen.

Aus dem kurzzeitigen Wissen kann ein langfristiges werden – nämlich dann, wenn die Informationen vom Kurzzeitgedächtnis in das Langzeitgedächtnis aufgenommen werden.

Manche Wissenschaftler sprechen im Zusammenhang mit dem Kurzzeitgedächtnis auch vom sogenannten Arbeitsgedächtnis. Das Modell des Arbeitsgedächtnisses stellt eine Erweiterung beziehungsweise Präzisierung des Konzepts vom Kurzzeitgedächtnis dar.


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