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Stammzellen aus Nabelschnurblut

Veröffentlicht von: Onmeda Redaktion (16. Dezember 2014)

Allgemeines

Stammzellen können Leben retten – und selbst Neugeborene kommen als Spender infrage: Stammzellen können nach der Geburt ohne großen Aufwand aus dem Nabelschnurblut entnommen werden. Darüber hinaus kann eine Nabelschnurblutspende auch in der Stammzellenforschung Verwendung finden und so dabei helfen, neue Möglichkeiten der Stammzellentherapie zu entwickeln.

Ursprünglich hat man Stammzellen vor allem im Krankenhaus aus Knochenmark der Spender gewonnen. Mittlerweile finden die meisten Stammzellenspenden ambulant und ohne Narkose mithilfe der sogenannten Apherese statt: Dabei filtert man die Stammzellen aus dem Blut heraus. Daneben arbeiten Ärzte auch mit Stammzellen aus Nabelschnurblut: Da man das Blut aus der Nabelschnur erst nach der Abnabelung entnimmt, ist dies die einzige Art der Stammzellenspende, bei der die Spender nicht einmal einen Pikser über sich ergehen lassen müssen.

Aber was sind Stammzellen überhaupt? Alle Stammzellen – egal ob sie aus Nabelschnurblut oder anderen Quellen stammen – sind eine Art Ausgangsform von Körperzellen: Sie erfüllen noch keine bestimmte Aufgabe, können sich aber durch Zellteilung in spezialisierte Zellen wie beispielsweise Haut- oder Nervenzellen entwickeln (d.h. sich differenzieren). Somit spielen Stammzellen im menschlichen Körper eine Rolle bei der Reparatur beschädigter Gewebe. Man unterscheidet verschiedene Typen von Stammzellen:

  • Embryonale Stammzellen finden sich nur in befruchteten Eizellen beziehungsweise Embryonen. Hier wiedreum unterscheidet man zwischen totipotenten und pluripotenten Stammzellen. Totipotente Stammzellen tragen jede Entwicklungsmöglichkeit in sich, d.h. sie können sich sowohl zu jeder Zelle des Organismus entwickeln, aber auch zu Plazentazellen (sog. extraembryonale Zellen).

    Pluripotente Stammzellen

    unterscheiden sich von den totipotenten Stammzellen dahingehend, dass sie zwar zu jeder Körperzelle ausreifen können, nicht jedoch zu extraembryonalen Zellen.
  • Adulte Stammzellen sind in Gewebe ausgereifter Organe, im Knochenmark oder (in geringer Menge) auch im Blut enthalten. Sie werden als multipotent bezeichnet, d.h. sie tragen verschiedene Entwicklungsmöglichkeiten in sich, aber nicht mehr alle.

Stammzellen aus Nabelschnurblut gehören also zu den adulten Stammzellen. Anders als andere adulte Stammzellen, deren Anzahl und Vitalität sich mit zunehmendem Alter verringert, sind die aus Nabelschnurblut gewonnenen Stammzellen sehr jung und vital – sie können sich noch deutlich häufiger teilen.

Neben Stammzellen, aus denen sich zum Beispiel Knorpel, Muskeln oder Gefäße entwickeln können, enthält das Nabelschnurblut vor allem sogenannte hämatopoetische Stammzellen (bzw. Blutstammzellen), die als multipotente Stammzellen in der Lage sind, sich durch Teilung in verschiedene spezialisierte Zellen zu entwickeln – zum Beispiel in rote und weiße Blutkörperchen oder Blutplättchen. Auch eine Differenzierung in Muskel-, Knochen- oder Leberzellen kann möglich sein – allerdings findet diese Fähigkeit bislang beim Menschen keine therapeutische Verwendung.

Stammzellen aus Nabelschnurblut kommen vor allem zur Therapie von Leukämie (Blutkrebs) und Erkrankungen des Lymphsystems zum Einsatz. Die Menge der Stammzellen, die das Restblut der Nabelschnur enthält, reicht in der Regel für die Behandlung eines Kindes aus. Um Erwachsene mit Stammzellen aus Nabelschnurblut zu behandeln, ist es aber möglich, mehrere Nabelschnurblutspenden zu kombinieren (sog. Tandem-Transplantation).

Die Stammzellenforschung arbeitet daran, den Einsatz von Stammzellen aus Nabelschnurblut zu erweitern: Es besteht die Hoffnung, in Zukunft zum Beispiel auch Diabetes mellitus oder Autoimmunerkrankungen (wie multiple Sklerose) sowie chronische Herzerkrankungen, Parkinson, Rückenmarksverletzungen und Alzheimer mit Stammzellen behandeln zu können. Dies basiert auf der Annahme, dass Stammzellen in der Lage sind, zerstörtes Gewebe künstlich nachwachsen zu lassen: Verletzte oder zerstörte Organe könnte man auf diese Weise theoretisch ersetzen.



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