Normale Geburt: Phasen der Geburt

Veröffentlicht von: Sandra von dem Hagen (23. August 2016)

Eröffnungsperiode

Die Eröffnungsperiode der normalen Geburt beginnt, sobald die Wehen regelmäßig auftreten, und dauert bis zur vollständigen Eröffnung des Muttermundes an.

  • Bei Erstgebärenden dauert die Eröffnungsphase zwischen sieben und zehn Stunden,
  • bei Mehrgebärenden ist sie auf etwa vier Stunden verkürzt.

Meist reißen spätestens nach der Eröffnungsperiode die Eihäute ein (rechtzeitiger Blasensprung). Springt die Fruchtblase bereits in der Eröffnungsphase, wird das als frühzeitiger Blasensprung bezeichnet. Selten reißt die Fruchtblase gar nicht ein und das Kind kommt in der intakten Blase zur Welt – Hebammen bezeichnen das als Glückshaube.

Die meisten Frauen suchen in der Eröffnungsperiode das Krankenhaus auf oder rufen ihre Hebamme, falls eine Hausgeburt geplant ist. Es ist die Aufgabe des Geburtshelfers, anhand der Befragung und Untersuchung der Schwangeren zu klären, ob eine normale oder eine Risikogeburt zu erwarten ist und die entsprechenden Vorkehrungen zu treffen.

Austreibungsperiode

Die Austreibungsperiode beginnt, wenn der Muttermund vollständig geöffnet ist, und endet mit der endgültigen Geburt des Kindes.

  • Bei Erstgebärenden dauert die Austreibungsphase der normalen Geburt zwischen 60 und 75 Minuten,
  • bei Mehrgebärenden verkürzt sie sich auf 20 bis 30 Minuten.

Wenn in dieser Phase die Fruchtblase springt, spricht man vom rechtzeitigen Blasensprung.

Durch den Blasensprung entsteht eine Sogwirkung am Kopf des Kindes, wodurch sich eine sogenannte Geburtsgeschwulst bilden kann. Diese harmlose Schwellung bildet sich innerhalb weniger Tage nach der Geburt zurück.

Wenn der Kopf des Kindes so tief liegt, dass er auf die Beckenorgane drückt, wird der Pressdrang ausgelöst (Presswehen). Dieser Zwang zum Mitpressen während der Wehe treibt das Kind vorwärts.

Die Austreibungsperiode ist die für das Kind kritischste Phase während der Geburt. Dauert die Austreibungsphase zu lange an, kann die Sauerstoffzufuhr für das Kind eingeschränkt sein oder der Druck auf den Kopf zu groß werden. In diesem Fall kann ein Dammschnitt (Episiotomie) durch die Hebamme oder den Geburtshelfer durchgeführt werden, um den Druck auf den kindlichen Kopf zu vermindern und die Austreibungsperiode zu verkürzen.

Nachdem der Kopf geboren ist, folgt der Rumpf bei normalgewichtigen Kindern problemlos, da er einen geringeren Durchmesser als der Kopf hat und sich einfach dem Geburtskanal anpasst.

Wenn das Kind vollständig und komplikationslos geboren ist, wird es heutzutage meist zunächst der Mutter auf den Bauch gelegt. Untersuchungen, Waschen und Abnabeln erfolgen oft erst einige Zeit später.

Nachgeburtsperiode

Die Plazentarperiode oder Nachgeburtsperiode ist beendet, wenn der Mutterkuchen (Plazenta) ausgestoßen wird. Die Nabelschnur muss dafür noch nicht zwingend durchtrennt worden sein, das Kind kann während der Nachgeburtsperiode auf dem Bauch der Mutter liegen.

Die Nachgeburtsperiode ist aufgrund der starken Blutungsgefahr der für die Mutter kritischste Abschnitt der Geburt. Durch die Nachgeburtswehen verkleinert sich die Gebärmutter Schritt für Schritt, wodurch sich die Größe der Stelle verringert, an der die Plazenta haftet. Durch diese Flächenverschiebung löst sich die Plazenta schließlich von der Gebärmutter ab.

Wenn sich die Plazenta vollständig gelöst hat, wird sie durch Mitpressen der Frau geboren. Dieser Vorgang dauert im Durchschnitt 20 Minuten. Reicht die Bauchpresse der Frau nicht aus, kann die Ausstoßung der Plazenta durch die Hebamme oder den Geburtshelfer unterstützt werden, indem diese von außen auf die Bauchdecke drücken oder vorsichtig an der Nabelschnur ziehen.

Um den Blutverlust möglichst gering zu halten (weniger als 500 Milliliter), sollte die Nachgeburtsperiode nicht länger als 30 Minuten dauern. 90 Prozent der Plazenten werden innerhalb von 15 Minuten nach der Geburt des Kindes geboren, 97 Prozent innerhalb von 30 Minuten.

Die Plazentarperiode kann aktiv geleitet werden. Dabei werden die Nachwehen medikamentös stimuliert, bis die Plazenta ausgestoßen wird. Anschließend wird die Gebärmutter durch Medikamente "dauerkontrahiert", um die Blutung zu stillen. Auf diese Weise verkürzt sich diese Phase auf etwa zehn Minuten und der Blutverlust reduziert sich auf etwa 200 Milliliter.

Arzt oder Hebamme prüfen anschließend, ob die Plazenta vollständig ist, da in der Gebärmutter verbliebene Reste zu Blutungen und Infektionen führen können.

Die normale Geburt ist zwei Stunden nach Ausstoßen der Plazenta beendet. In diesem Zeitraum überwacht der Geburtshelfer die Blutstillung in der Gebärmutter. Außerdem untersuchen Arzt oder Hebamme die Weichteile des Geburtskanals (Gebärmutterhals, Scheide, Beckenboden, Damm), um eventuelle Verletzungen möglichst früh erkennen und behandeln zu können.