Normale Geburt: Faktoren

Veröffentlicht von: Sandra von dem Hagen (23. August 2016)

Geburtskanal

Der Geburtskanal besteht aus dem knöchernen Becken und einem sogenannten Weichteilansatzrohr (Gebärmutterhals, Scheide, Beckenboden).

  • Der Beckeneingang ist für gewöhnlich queroval,
  • die Beckenmitte ist rund und
  • der Beckenausgang längsoval.

Diese Verhältnisse sind für den eigentlichen Geburtsvorgang entscheidend.

Das Kind passt sich während der Geburt diesen anatomischen Vorgaben an, indem es sich regelrecht durch das Becken hindurchschraubt. Die Weite des Beckeneingangs gibt vor, ob eine normale Geburt überhaupt möglich ist. Der Abstand zwischen der Hinterkante des Schambeins und der Oberkante des Kreuzbeins sollte mindestens elf Zentimeter betragen, allerdings besteht sowohl im mütterlichen Becken als auch durch die noch nicht miteinander verwachsenen kindlichen Schädelknochen (Fontanellen) eine gewisse Flexibilität.

Unter der Geburt sind Teile des Beckens (Iliosakralgelenke und Schambeinäste) beweglich – dafür haben in den letzten Monaten der Schwangerschaft bestimmte Hormone gesorgt, die das Bindegewebe für die Geburt gelockert haben. So kann das Steißbein während der Geburt zusätzlich um etwa zwei Zentimeter nach hinten ausweichen und dem Kopf des Babys mehr Raum geben.

Lage und Anatomie des Kindes

Der bei der Geburt entscheidende Teil des Kindes ist aufgrund seiner Größe der Kopf. Er kann sich jedoch dank der offenen Schädelnähte und Fontanellen leicht verformen und so dem engen Geburtskanal anpassen.

Arzt oder Hebamme können durch eine vaginale Untersuchung die genaue Lage und die Strukturen des Kopfes sowie die Achse, in der sich das Kind befindet (längs oder quer), feststellen. Am wenigsten Raum nimmt der Kopf des Kindes ein, wenn er auf die Brust geneigt ist.

Der übrige Körper des Kindes nimmt während der Geburt durch die dabei wirkenden Kräfte die Form eines Zylinders (sog. Geburtswalze) an. Dabei liegen die Arme gekreuzt vor dem Brustkorb, die Schultern sind in Richtung Hals nach oben geschoben und die Oberschenkel sind stark gebeugt und überkreuzt an den Bauch gepresst.

Die kindliche Körperachse kann zur Achse der Mutter längs (99 % aller Geburten), schräg oder quer (1 % aller Geburten) ausgerichtet sein. Bei den Längslagen wird zwischen der Schädellage und der seltenen Beckenendlage, bei der das Kind mit dem Kopf nach oben liegt, unterschieden. Nur aus der Längslage heraus ist eine normale Geburt möglich.

Wehentätigkeit

Als Wehen werden die rhythmischen Kontraktionen der Gebärmutter bezeichnet. Wehen, die vor der 30. Schwangerschaftswoche auftreten, werden als Schwangerschaftswehen bezeichnet. Sie sind meist schmerzlos und werden von der Schwangeren als unregelmäßige Verhärtung des Bauches wahrgenommen. Etwa drei bis vier Wochen vor der Geburt können unregelmäßige und leicht schmerzhafte Senk- und Vorwehen auftreten. Durch sie können sich die unteren Gebärmutteranteile und der Gebärmutterhals entfalten. Die Vorwehen drücken den Kopf des Kindes fest in den Beckeneingang und bereiten Mutter und Kind auf die Geburt vor.

Der Übergang von den Vorwehen in die Geburtswehen ist fließend. Häufigkeit und Stärke der Wehen nehmen bei der normalen Geburt zu, je weiter der Muttermund sich öffnet. Nach jeder Kontraktion kehren die Muskelfasern der Gebärmutter nicht mehr auf ihre ursprüngliche Länge zurück, sondern bleiben etwas verkürzt.

In der Eröffnungsperiode treten innerhalb von zehn Minuten eine bis drei Wehen auf, in der Austreibungsperiode bis zu fünf Wehen je zehn Minuten. Der Druck, der durch die Wehen ausgelöst wird, wird in der Austreibungsperiode zusätzlich durch die Mitwirkung der Bauchmuskulatur (Bauchpresse, sog. Presswehen) erhöht.

Nach der Geburt treten die sogenannten Nachwehen auf, durch welche der Mutterkuchen (Plazenta) ausgestoßen wird.