Wehen: Geburtswehen

Veröffentlicht von: Sandra von dem Hagen (03. Juli 2017)

Geburtswehen leiten die Geburt ein. Sie treten im Normalfall frühestens ab der 37. Schwangerschaftswoche (SSW), meist aber erst ab der 39. oder 40. SSW auf. Durch die Kontraktionen der Gebärmutter während der Geburtswehen wird das Baby nach und nach durch den Geburtskanal geschoben, der Gebärmutterhals verkürzt sich (er "verstreicht") und der Muttermund öffnet sich bis zu den nötigen circa zehn Zentimetern.

Geburtswehen empfindet jede Frau anders. Manche beschreiben sie als ähnlich den Regelschmerzen, andere als enormes Drücken oder Stechen im Rücken.

Bei den Geburtswehen unterscheidet man

  • Eröffnungswehen,
  • Austreibungswehen inklusive Presswehen und
  • Nachgeburtswehen.

Die Wehendauer und -häufigkeit nimmt im Verlauf der Geburt zu.

Eröffnungswehen

Eröffnungswehen sind regelmäßig und treten im Verlauf der Geburt immer öfter auf: etwa alle 5 bis 20 Minuten. Jede Wehe dauert etwa 30 bis 60 Sekunden an. Während der Eröffnungswehen weitet sich der Muttermund und das Kind tritt tiefer ins kleine Becken ein.

Bei Erstgebärenden dauert die Eröffnungsperiode etwa 12 Stunden, bei Frauen, die bereits Kinder auf die Welt gebracht haben, etwa 2 bis 8 Stunden. Von Eröffnungswehen spricht man solange, bis der Muttermund vollständig geöffnet ist. Dies ist der Fall, wenn er eine Weite von etwa 10 Zentimetern erreicht hat.

Austreibungswehen

Austreibungswehen folgen auf die Eröffnungswehen und dienen dazu, das Kind aus der Gebärmutter durch den Geburtskanal und die Vagina auf die Welt zu bringen. Austreibungswehen erfolgen etwa alle 4 bis 10 Minuten. Bei ihnen steigt der Druck in der Gebärmutter auf höhere Werte als unter den Eröffnungswehen. Austreibungswehen dauern bei Erstgebärenden über eine Zeit von etwa einer Stunde an, bei Mehrfachgebärenden etwa 20 Minuten.

Presswehen zählen zu den Austreibungswehen und setzen zum Ende der Geburt ein. Presswehen sind die stärksten Wehen der Schwangerschaft, sie werden meist als enormer Druck auf den Damm empfunden, also den Bereich zwischen Vagina und After. Typischerweise treten sie der letzten Phase der Austreibungsperiode auf.

Presswehen aktivieren die Bauch- und Gebärmuttermuskulatur, das Kind wird in Millimeterschritten durch den letzten Teil des Geburtskanals geschoben. Die Gebärende kann durch aktives Mitpressen (Bauchpresse) dazu beitragen, das Kind noch effektiver im Geburtskanal voranzuschieben.

Ausgelöst werden Presswehen reflektorisch durch den tiefertretenden Kopf des Kindes. Presswehen kommen etwa alle 2 bis 3 Minuten – bei ihnen herrscht in der Gebärmutter der größte Druck von allen Wehen. Arbeitet die werdende Mutter aktiv mit, verkürzt sich die Austreibungsphase.

  • Eine Geburt kann nach 2 bis 4 Presswehen vorbei sein,
  • manche Frauen haben auch stundenlang Presswehen,
  • andere gebären bereits, bevor die Presswehen einsetzen.

Nachgeburtswehen

Dank der Nachgeburtswehen löst sich die Plazenta von der Gebärmutterwand. Die Nachgeburtswehen sorgen durch Verkürzung der Muskeln dafür, dass sich die Fläche, an der sich die Plazenta an der Gebärmutterwand anheftet, verkleinert. Auf diese Weise lockert sie sich immer mehr von der Wand und wird schließlich als sogenannte Nachgeburt ausgestoßen. Nachgeburtswehen sind unregelmäßig und wesentlich schwächer als die Geburtswehen.