Geburt einleiten: Methoden

Veröffentlicht von: Sandra von dem Hagen (18. März 2014)

Wenn die Wehen nicht von selbst beginnen oder zu schwach sind, gibt es verschiedene Methoden, die Geburt einzuleiten. Welche Methode Arzt oder Hebamme wählen, hängt unter anderem davon ab, aus welchem Grund die Geburt eingeleitet werden soll.

Ab Beginn der 42. SSW können Sie selber ein paar Tricks anwenden, die die Zeit bis zur Geburt verkürzen können:

  • Sex kann die Geburt ankurbeln: Sperma enthält Prostaglandine, die Wehen auslösen können
  • Wenn die Brustwarzen stimuliert werden, kann das in einigen Fällen (und insofern der Körper bereit für die Geburt ist) innerhalb von 72 Stunden die Wehen auslösen.
  • Tanken Sie möglichst viel Energie: gesunde Ernährung, viel Bewegung und frische Luft, möglichst viel Schlaf sowie Schwangerschaftsgymnastik sind dafür optimal. Wenn Sie zu wenig Energie haben, kann Ihr Körper möglicherweise keine Wehen auslösen oder diese nicht aufrechterhalten.
  • Nehmen Sie ein heißes Bad: Wenn Sie bereit für die Geburt sind, kann ein 20-minütiges Bad bei 35 bis 37 Grad Celsius die Wehen fördern.

Sex im Verlauf der Schwangerschaft löst keine Wehen aus. Das ist erst möglich, wenn das Baby ohnehin kurz vor der Geburt steht.

Gibt es aber Komplikationen (z.B. Plazentainsuffizienz) oder lässt das Baby weiterhin auf sich warten, müssen Hebamme oder Arzt übernehmen. Die künstliche Geburtseinleitung ist nicht ohne Risiko und muss daher grundsätzlich von Fachpersonal vorgenommen und überwacht werden.

Eipollösung

Wenn der Muttermund bereits etwa fingerdurchlässig ist, kann die Hebamme oder der Arzt den inneren Muttermund massieren und dadurch die Eihäute (äußere Hülle der Fruchtblase) vom Rand der Gebärmutter lösen. Diesen Vorgang nennt man Eipollösung. Die Fruchtblase bleibt intakt.

Die Eipollösung kann unangenehm bis schmerzhaft sein, löst aber in vielen Fällen innerhalb von 48 Stunden Geburtswehen aus.

Infolge der Eipollösung kann eine leichte Blutung aus der Vagina auftreten, die aber unbedenklich ist. Die Eipollösung kann mehrmals durchgeführt werden, wenn der erste Versuch nicht erfolgreich ist.

Prostaglandine

Es ist möglich, sogenannte Prostaglandine, die auch natürlicherweise als Gewebehormone im Körper vorkommen, als Gel, Tablette oder Zäpfchen direkt auf den Muttermund aufzutragen beziehungsweise vor den Muttermund zu legen, wenn dieser weder weich noch geöffnet ist.

Einige Schwangere reagieren gar nicht auf die Prostaglandine. Bei anderen setzen innerhalb von zwei bis drei Stunden Wehen ein und die Geburt schreitet voran. In anderen Fällen sorgt das Prostaglandin lediglich dafür, dass der Muttermund weicher wird und sich der Gebärmutterhals verkürzt – und erleichtert so die Einleitung mit Oxytocin.

Prostaglandine können über mehrere Tage zweimal täglich angewendet werden, wenn die erste Anwendung keine Wehen auslöst.

Oxytocin-Infusion

Ist der Muttermund schon leicht geöffnet, die Schwangere hat aber noch keine Wehen, versuchen Ärzte häufig, die Geburt mit einer Oxytocin-Infusion einzuleiten. Das Hormon Oxytocin kommt auch natürlicherweise im Körper vor und hat verschiedene Wirkungen. Unter anderem kann es dazu führen, dass sich die Gebärmutter zusammenzieht. Eine Oxytocin-Infusion löst deshalb zeitnah Wehen aus.

Rizinus-Cocktail

Der sogenannte Rizinus-Cocktail wirkt abführend und regt gleichzeitig die Gebärmutter an. Er besteht aus einem Gemisch aus Alkohol, Saft und Rizinusöl, das die Gebärmutter zu Kontraktionen anregen kann und abführend wirkt. Gerade bei Frauen, die bereits Kinder haben, reicht das oft schon aus, um die Wehen auszulösen.

Der Cocktail sollte aber nicht in Eigenregie, sondern grundsätzlich unter den Augen eines Arztes oder einer Hebamme eingenommen werden, da er besonders starke Wehen (Wehenstürme) auslösen kann. Ist der Muttermund noch nicht bereit für die Geburt, kann das für Mutter und Kind gefährlich sein.

Künstlicher Blasensprung

Bei schwachen Wehen und wenn der Muttermund bereits weich und leicht geöffnet ist, kann es ausreichen, die Fruchtblase zu öffnen (sog. Fruchtblasensprengung), um die Wehen zu verstärken. Das kann beispielsweise nötig sein, wenn die Eröffnungsphase der Geburt sehr lange dauert, die Wehen aber nicht stärker werden.

Die Fruchtblasensprengung führt meistens innerhalb von ein bis zwei Stunden zu starken Wehen, da das Baby nun vermehrt nach unten drückt. Schreitet die Geburt aber nicht voran, müssen weitere Mittel eingesetzt werden, da das Baby spätestens 24 Stunden nach dem Blasensprung zur Welt kommen sollte.

Der künstliche Blasensprung wird heute jedoch nur selten angewendet und grundsätzlich von einem CTG begleitet, da er Komplikationen mit sich führen kann. Dazu zählen:

  • aufsteigende Infektionen (also Infektionen, die durch die Scheide auf aufsteigen)
  • Nabelschnurvorfall