Frühgeburt: Was kann man tun?

Veröffentlicht von: Sandra von dem Hagen (06. Juni 2016)

Das Vorgehen bei einer drohenden Frühgeburt hängt im Wesentlichen von dem gesundheitlichen Zustand von Mutter und Kind ab. Daher wird im Einzelfall entschieden, ob die Schwangerschaft erhalten oder die Geburt eingeleitet beziehungsweise zugelassen wird.

Suchen Sie bei den ersten Anzeichen einer drohenden Frühgeburt eine Klinik auf – häufig kann bei einer schnellen Behandlung die Geburt noch hinausgezögert werden!

Ist das Kind bereits so weit entwickelt, dass es gute Überlebenschancen hat, kann die Geburt zugelassen werden. Eine Geburtseinleitung ist unter bestimmten Umständen, zum Beispiel bei frühzeitigem Blasensprung, notwendig.

Schwangerschaft erhalten

Wird versucht, eine Frühgeburt zu vermeiden und die Schwangerschaft zu erhalten, muss sich die werdende Mutter unbedingt schonen und Bettruhe einhalten. Zusätzlich wird Magnesium verabreicht, um die Wehen abzuschwächen oder ganz einzudämmen. Erkrankungen der Mutter, die möglicherweise das Frühgeburtsrisiko erhöhen, müssen behandelt werden.

Lassen die Wehen nicht nach, werden wehenhemmende Wirkstoffe, wie zum Beispiel Beta-Sympathomimetika (u.a. Fenoterol) oder Oxytocin-Antagonisten (u.a. Atosiban), eingesetzt.

Um die Lungenreife beim Kind zu beschleunigen, wird häufig das Glukokortikoid Betamethason verabreicht.

Ist der Muttermund bereits geöffnet und liegt zugleich eine Verkürzung des Gebärmutterhalses (Zervixinsuffizienz) vor, kann der Muttermund bis zur 28. Schwangerschaftswoche (SSW) mithilfe einer so genannten Cerclage mechanisch verschlossen werden. Hierbei wird der Muttermund mit einer Fadenschlinge verschlossen, die bei der Geburt wieder geöffnet wird.

Ab der 35. SSW wird in der Regel nicht mehr versucht, die Schwangerschaft zu erhalten, da das Baby nun weit genug entwickelt ist, um zur Welt zu kommen.

Frühgeburt zulassen / einleiten

Wenn das Baby bereits weit genug entwickelt ist (spätestens ab der 35. SSW), kann bei einer drohenden Frühgeburt die Geburt zugelassen beziehungsweise eingeleitet werden. Letzteres ist beispielsweise nötig, wenn die Fruchtblase bereits geplatzt ist, der Muttermund sich aber nicht öffnet oder die Wehen nicht einsetzen. Auch bei einer Plazentaablösung, einer schweren Präeklampsie oder bereits weit geöffnetem Muttermund wird die Geburt zugelassen oder eingeleitet beziehungsweise wenn nötig ein Kaiserschnitt vorgenommen.

Wenn die Geburt eingeleitet werden muss, wird Oxytocin verabreicht, um die Wehen zu fördern.

Der Kopf eines Frühchens ist noch sehr weich, daher wird bei einer Frühgeburt häufig ein Dammschnitt durchgeführt, um den Druck auf den Kopf möglichst gering zu halten.