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Rat und Service

Rettungshubschrauber: Schnellster Helfer

Von Katrin Wilcken (8. November 2012)

Hubschrauberpilot Ulrich Bannert ist Teil einer sehr kleinen und wichtigen Berufsgruppe. Fotos: Wilcken

Notfalleinsatz aus der Luft: Ulrich Bannert ist Pilot des ADAC-Rettungshubschraubers Christoph 31. Wie fühlt sich einer, dessen Einsatz hilft, Leben vielleicht in letzter Minute zu retten?

Helden sind sie, sagt man. Und Draufgänger, die unter Einsatz ihres Lebens das anderer Menschen retten: die Hubschrauberpiloten der Luftrettung. Das könnte man fast glauben, angesichts der oft dramatisch klingenden Berichterstattung über diese kleine Berufsgruppe, aber: "Schreiben Sie so etwas bloß nicht", sagt einer, der es beurteilen kann. Ulrich Bannert ist Rettungspilot. Und er sagt über seinen Job: "Das ist wie Fahrradfahren." Dabei versucht er, im Flieger-Outfit mit Helm unterm Arm möglichst wenig heldenhaft auszusehen. Klappt aber nicht.

Fakt ist eben, dass deutlich mehr Leute Fahrrad fahren können als Hubschrauber fliegen. Und auch unter den Piloten gibt es wiederum nicht viele, die auf Kreuzungen, Parkplätzen oder Grünflächen landen können. Und die dabei Bäume und Masten, Häuser und Menschen im staub- oder schneeumwirbelten Blick haben, während es auf jede Minute oder gar Sekunde ankommt und Stress in der Luft liegt.

Im Zweifel dreht der Rettungshubschrauber auch wieder ab

"Der kühle Kopf ist extrem wichtig", erklärt Bannert. "Man braucht große Disziplin und Erfahrung und darf eben niemals waghalsig oder draufgängerisch werden. Denn dann bringt man sich und andere in Gefahr." Im Zweifel muss ein Einsatz noch im Landeanflug abgebrochen werden, wenn er zu gefährlich wird; auch, wie Bannert betont, wenn man denkt "jetzt sind wir die einzigen, die noch helfen können". Die nötige Routine für solche Entscheidungen hat Bannert: Der 62-Jährige fliegt seit 1975, seit 1992 leitet er die Luftrettungsstation des ADAC auf dem Charité-Campus Benjamin Franklin in Berlin-Steglitz. Drei Piloten wechseln sich hier ab.

Bild: Ein Kind bedankte sich mit Fensterbildern für eine Rettung.

Insgesamt sind 49 Rettungs- und Intensivtransport-Hubschrauber für die ADAC-Luftrettung im Einsatz, von 35 Stützpunkten in Deutschland aus. Doch Berlin wäre nicht Berlin, wenn nicht der Hauptstadt-Standort etwas Besonderes wäre: "Christoph 31" – wie seine fliegenden Kollegen benannt nach St. Christophorus, dem Schutzpatron der Reisenden – hat jährlich die meisten Einsätze bundesdeutscher ADAC-Rettungshubschrauber.

Gut 2000 Mal ist der "Gelbe Engel" im Schnitt pro Jahr unterwegs, 2008 flog Christoph 31 sogar knapp 3200 Einsätze. Weltrekord. Christoph 31 wird von der Berliner Feuerwehr wie ein normaler Notarztwagen disponiert. In der Leitstelle errechnet ein Computer, wer einen Unfallort am schnellsten erreicht.

Rettungshubschrauber binnen 90 Sekunden in der Luft

Seit 25 Jahren gibt es die Station in Steglitz. In dieser Zeit starteten die fliegenden Helfer etwa 53.000 Mal zu Rettungseinsätzen – ohne größere Unfälle, betont Bannert. Bei einer von vielen Tausend Landungen ist er einem Baum zu nahe gekommen und Äste haben die Rotorblätter beschädigt. Bei einem Kollegen geriet ein im Landeanflug aufgewirbelter Sonnenschirm in den Rotor, ein anderes Mal eine Schranke. Sachschaden, nicht so schlimm. Auf der anderen Seite der Bilanz stehen tausende Menschen, denen die schnell herbeigeflogenen Ärzte oder der Lufttransport ins Krankenhaus geholfen haben.

Es sind nicht schwere Verkehrsunfälle, zu denen der moderne Eurocopter EC 135 meist abhebt. "Fast 90 Prozent unserer Einsätze gehen zu internistischen oder neurologischen Notfällen. Bei akuten Herzerkrankungen oder Schlaganfällen muss es einfach schnell gehen." Und das tut es: Etwa 90 Sekunden, nachdem die Feuerwehr den Hubschrauber angefordert hat, ist das Team an Bord und Christoph 31 in der Luft.

Und dann wird gelandet, wo es nötig und irgendwie möglich ist. Bei jedem Einsatz sind ein Notarzt vom Charité-Campus Benjamin Franklin und ein Rettungsassistent vom DRK Berlin dabei. Auch die medizinischen Fachleute sind speziell geschult für ihren Einsatz in der Luft. Sie unterstützen den Piloten bei der Kommunikation und helfen beim Navigieren auf engstem Raum. "Wir können beispielsweise die Crew auf einem Bootssteg absetzen oder einer Waldlichtung", so Bannert.

Er erinnert sich an einen "Blitz", eine Einsatzmeldung, die das Team noch im Flug erhielt: "Da wurden wir auf die fast unbewohnte Pfaueninsel gerufen. Wegen eines Autounfalls! Das war gar nicht zu glauben." Ein Landschaftsgärtner war gegen einen Baum gerast. Der Mann hat den schweren Unfall überlebt. Ein guter Tag für die Gelben Engel.

Von Superhelden und Teamplayern

Im Hangar hängen an den Wänden des Aufenthaltsraumes Zeitungsartikel, die von vielen solcher Tage berichten. Christoph 31 auf dem Rasen vor Schloss Bellevue, mitten auf der Straße oder – hier zieht Bannert missbilligend die Brauen hoch – auf Bahnschienen. Und doch soll dieser Beruf nicht ein wenig heldenhafter sein als andere? Bannert winkt ab: "Es ist zwar neben Kran-Flug der anspruchsvollste Job in der zivilen Luftfahrt. Aber Superhelden sind hier nicht gefragt! Das Team zählt, nicht der Einzelne." Was sagen denn seine Frau und die erwachsenen Kinder? Bannert muss lächeln: "Die sind schon sehr stolz."

Zur Person: Pilot Ulrich Bannert

Schon als Kind hat er am liebsten Flugmodelle gebaut. Mit zehn Jahren begann Ulrich Bannert mit Segelfliegen. Später ging er als Ingenieur für Luft- und Raumfahrttechnik, wie der Beruf heute heißt, zur Interflug. Doch es zog ihn in die Höhe; Bannert wurde Hubschrauberpilot, spezialisiert auf den schwierigen Industrieflug. Er machte zwischen 1975 und 1991 Kranflüge, Messflüge, sogenannte Powerline Checks, also Inspektionsflüge an Hochspannungsleitungen – alles fliegerische Herausforderungen. 1992 dann der Wechsel zur Luftrettung. Im April wird Bannert (62, Foto) seinen Pilotenhelm zum letzten Mal absetzen. Ulrich Bannert muss, wegen einer neuen EU-Verordnung zur Altersgrenze, in den Ruhestand. Den wird er am Boden verbringen, daheim in Blankenfelde: "Meine Frau fliegt nicht gerne."


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Quellen

Gespräch mit Ulrich Bannert, Pilot des ADAC-Rettungshubschraubers "Christoph 31", Berlin, Nov. 2012






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