Anzeige

Anzeige

Anzeige

Anzeige

Anzeige

Rat und Service

Pille danach bald rezeptfrei?

Von Christian Seel (23. Januar 2013)

Wenn bei der Verhütung etwas schief gegangen ist, kann die Pille danach helfen. Foto: pa/dpa

Parteien und Verbände fordern die Freigabe des Hormonpräparats, das den Eisprung hemmt. Gynäkologin Dr. Kothé trug die wichtigsten Fragen und Antworten zur Pille danach zusammen.

Nach dem Skandal um zwei katholische Kliniken in Köln, die im Januar 2013 eine vergewaltigte Frau abwiesen, weil sie nicht die Pille danach verschreiben wollte, ist die Diskussion um das Medikament neu entbrannt. In den meisten Ländern ist es frei verkäuflich, in Deutschland gibt es die Pille danach nur auf Rezept. Die Bundestagsfraktionen von SPD und Piraten und der Verband Pro Familia fordern, das Hormonpräparat in den freien Verkauf zu geben.

Einmalig eingenommen verhindert die Pille danach den Eisprung der Frau – eine Art Notbremse für die ungewollte Schwangerschaft. Die Gynäkologin Dr. Blanka Kothé verfasste als Ärztin am Vivantes Humboldt Klinikum Berlin einen Wegweiser mit den wichtigsten Fragen und Antworten zu dem Thema. Sie empfiehlt darin den Frauen, das Medikament als Notfallpräparat bereitzuhalten, falls mit Kondom oder Diaphragma etwas schief gegangen ist. Mit Verhütungspannen müsse immer gerechnet werden, sagt sie.

Die meisten nehmen sie einmal und nicht wieder

Nach einer Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) unter 2000 deutschen Frauen haben sieben Prozent zwischen 16 und 49 Jahren Erfahrungen mit der Pille danach. Die meisten nehmen sie einmal und nicht wieder, nur jede Hundertste hat sie mehrfach verwendet.
Anlass für den Einsatz war in mehr als einem Drittel der Fälle eine fehlende Verhütung, bei fast genau so vielen war es zu einem Missgeschick beim Kondom-Gebrauch gekommen.

Levonorgestrel hemmt der Eisprung

Bei der Diskussion, ob die Pille danach rezeptfrei erhältlich sein sollte, stehen ethische Motive im Vordergrund. Kritiker halten es für nicht ausgeschlossen, dass der Wirkstoff Levonorgestrel nicht nur Eisprung und damit die Möglichkeit einer Befruchtung, sondern auch die Einnistung der befruchteten Zelle in der Gebärmutter hemmt, was einen Schwangerschaftsabbruch bedeuten würde. Eine These, die laut Dr. Kothé durch diverse Studien widerlegt ist.

Befürworter eines rezeptfreien Verkaufs weisen im Gegenteil darauf hin, dass mit der Pille danach indirekt Schwangerschaftsabbrüche verhindert würden, weil es gar nicht erst zu einer Schwangerschaft komme.

Kein Einfluss auf Sexualverhalten

Eine andere Befürchtung lautet, die Pille danach führe zu häufigen Partnerwechseln. Auch das lässt sich zumindest durch die BZgA-Umfrage nicht bestätigen: Fast vier Fünftel der befragten Nutzerinnen lebten in einer festen Beziehung. In anderen Ländern mit rezeptfreiem Verkauf oder sogar Verteilung an Schulen sei es nicht zu einem Wandel des Sexualverhaltens gekommen, berichtet Dr. Kothé, mittlerweile Oberärztin an der Frauenklinik des Sana Klinikums Berlin-Lichtenberg.

Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Pille danach:

  • Wie sicher ist die Pille danach?
    Bei der Einnahme innerhalb von 24 Stunden nach dem Verkehr reduziert die Pille danach laut Pro Familia die Schwangerschaftswahrscheinlichkeit um 90 Prozent, am dritten Tag (48 bis 72 Stunden) nur noch um 60 Prozent. Das Medikament sollte deshalb so schnell wie möglich genommen werden.
  • Wie lange hält die Wirkung an?
    Das sogenannte Wirkdauerfenster liegt bei fünf Tagen. Bei erneutem Verkehr schützt die Pille aber nicht vor einer Schwangerschaft. Die Wirkung hängt stark vom Zyklus der Frau ab, der meist nicht genau dokumentiert wird. Insofern ist es sicherer, die Pille danach zu jedem Zeitpunkt des Zyklus bei Unsicherheiten anzuwenden.
  • Taugt diese Pille als reguläres Verhütungsmittel?
    Nein, dafür wird sie nicht empfohlen. Sie ist weniger sicher, weniger verträglich und auch teurer als andere Methoden (ca. 16 bis 18 Euro).
  • Welche Nebenwirkungen gibt es?
    Häufigste Nebenwirkung ist vorübergehende Übelkeit bei jeder zehnten Patientin. Seltener: Kopfschmerzen, Schwindel und Brustspannen. Die Periode kann sich etwas verschieben. Schwere Nebenwirkungen sind nicht bekannt.
  • Darf die Pille danach mehrfach angewendet werden?
    Die Einnahme beispielsweise in zwei aufeinanderfolgenden Zyklen gilt als medizinisch unbedenklich. Es kann allerdings zu Zyklusstörungen kommen.
  • Kann man mit der Pille danach eine Schwangerschaft abbrechen?
    Nein, wenn die Eizelle bereits befruchtet ist, bleibt die Einnahme wirkungslos. Eine bestehende Schwangerschaft wird nicht gestört oder geschädigt.
  • Wie bekommt man die Pille?
    Am Wochenende muss man sich an den ärztlichen Notdienst oder die Gynäkologie eines Krankenhauses wenden. Eine Untersuchung ist nicht nötig. Ansonsten kann jeder Arzt das Rezept ausstellen. Es gibt die Pille danach als Einzeldosis (Unofem) und in zwei Dosen (Levogynon). Ein Mischpräparat mit stärkeren Nebenwirkungen (Tetragynon) wird nicht mehr angeboten.

Lesen Sie auch

Weitere Beiträge zum Thema Sexualität

Quellen

Gespräch mit Dr. Blanka Kothé, Gynäkologin Vivantes Humboldt Klinikum Berlin, Okt. 2008
"frauen leben - Lebensläufe und Familienplanung", Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) unter 2000 deutschen Frauen, 2004






Anzeige