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Rat und Service

Wie Privatpatienten in die gesetzliche Krankenkasse wechseln

Von Angelika Sylvia Friedl (9. November 2012)

Nach zum 55. Lebensjahr ist ein Wechsel des Krankenversicherungssystems kaum noch möglich. Foto: pa/Halbauer

Weil die Privatversicherung oft mit zunehmendem Alter zu teuer wird, wollen manche Betroffenen in die gesetzliche Krankenkasse wechseln.

Ist man jung und gesund, zahlt man die niedrigen Beiträge der privaten Krankenversicherung, im Alter wechselt man dann in die gesetzliche Krankenkasse. Dort sind die Tarife für Ältere vergleichsweise preiswert. So sieht der Traum von manchem Privatversicherten aus, der das Beste aus zwei Welten mitnehmen möchte. Doch der Weg ist steinig, wenn man in die gesetzliche Krankenversicherung wechseln will.

 "Der Gesetzgeber hat die Hürde hier sehr hoch gehängt, um genau diese Rosinenpickerei zu verhindern", sagt Ann Marini vom Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherer. Die GKV beruht auf dem Solidarprinzip, gleicht also Einkommensunterschiede aus und kompensiert das Krankheitsrisiko zwischen Gesunden und Kranken, Alten und Jungen. Private Krankenversicherer dagegen richten sich bei ihren Tarifen nach dem Krankheitsrisiko ihrer Kunden. Und da ältere Menschen anfälliger sind als jüngere, zahlen sie oft hohe Beiträge.

Bei Einkommensverlust Krankenkasse wechseln

Von dem ehernen Grundsatz – wer einmal in der privaten ist, muss für immer darin bleiben – gibt es jedoch einige Ausnahmen. Die wichtigste ist der Eintritt der Versicherungspflicht, die in § 5 Abs. 1 SGB V (Sozialgesetzbuch) geregelt ist. Wenn zum Beispiel Privatversicherte, die nicht älter als 55 Jahre sind, weniger als 50.850 Euro Brutto im Jahr (die derzeitige Versicherungspflichtgrenze) verdienen oder ihr Einkommen unter diese Grenze sinkt, kann man in die gesetzliche Krankenkasse wechseln.  "Der Arbeitgeber muss aber nachweisen, dass die Einkommensverhältnisse sich dauerhaft ändern", sagt Marini. Nur kurzfristige Änderungen beim Gehalt, um so die sozialversicherungsrechtlichen Vorschriften auszutricksen, würden den Weg verbauen.

Ebenfalls in den Schoß der gesetzlichen Krankenkasse wechseln kann man, wenn die Versicherungspflichtgrenze erhöht wird. Automatisch pflichtversichert von den Arbeitsagenturen werden außerdem in der Regel Arbeitslose. Ehemals Selbstständige, die jünger als 55 Jahre sind und wieder als Angestellte arbeiten, sind ebenfalls Mitglied der GKV, soweit ihr Gehalt unter der Einkommensgrenze liegt. Auch Berufsanfänger können, sofern sie nicht ohnehin versicherungspflichtig sind, in die gesetzliche Krankenversicherung wechseln. "Wenn jemand erstmals eine Beschäftigung aufnimmt, zuvor privat versichert war und sofort mit dem ersten Gehalt über der Jahresarbeitsentgeltgrenze liegt, kann er sich freiwillig gesetzlich versichern", sagt Ann Marini. Das ist aber nur für den ersten Job nach der Ausbildung möglich.

Hohe Hürden beim Kassenwechsel für Über-55-Jährige

Eine sehr hohe Mauer hat der Gesetzgeber für Über-55-Jährige errichtet. Sie kommen höchstens unter ganz speziellen Bedingungen in die gesetzliche Krankenkasse wechseln. Auch wenn sie eigentlich versicherungspflichtig werden, ist der Zugang verbaut, wenn sie in den letzten fünf Jahren vor Beginn der Versicherungspflicht nicht gesetzlich versichert waren und weitere Voraussetzungen nicht erfüllen. Einzelne Schlupflöcher verstecken sich aber doch im Paragraphendschungel. Immer dann, wenn der Antrag auf Aufnahme abgelehnt wird, sollte man sich daher Unterstützung bei einem Experten holen.

Zahl der Kassenwechsler steigt nach Beitragserhöhungen

Die Rückkehr zumindest für eine gewisse Zeit gelang zum Beispiel einem ehemals Selbständigen, dessen Fall vor dem Sozialgericht Kiel verhandelt wurde. Er hatte sich arbeitslos gemeldet. Ursprünglich war er privatversichert gewesen, konnte aber die Prämien nicht mehr zahlen, so dass die Versicherung den Vertrag gekündigt hatte. Die GKV lehnte es ab, ihn zu versichern, da seit 2009 eine allgemeine Krankenversicherungspflicht auch für die privaten Versicherer gilt. Das Sozialgericht entschied jedoch zu Gunsten des Klägers, weil er nicht unmittelbar vor Bezug des Arbeitslosengeldes II privat versichert war. Bei einer versicherungsfreien Zeit von über sechs Jahren könne man nicht von Unmittelbarkeit sprechen.

In den vergangenen Jahren registrierten die gesetzlichen Kassen eine steigende Anzahl von Wechselwilligen. Ursache waren unter anderem die Beitragserhöhungen einiger privater Kassen. Zur Techniker Krankenkasse wechselten im Jahre 2009 etwa 50.000 Privatversicherte, 2011 waren es schon 68.000. Auch die Barmer GEK meldete für das Jahr 2011 einen Anstieg um neun Prozent. Bei diesen Zahlen sind jedoch die Wechsler in die umgekehrte Richtung, nicht berücksichtigt.
Wer lange Jahre privatversichert war, sollte aber gründlich prüfen, ob sich eine Rückkehr lohnt. Denn die gesammelten Altersrückstellungen, die in späteren Jahren den Beitrag dämpfen sollen, gehen bei einem Wechsel verloren. Außerdem gibt es auch in der PKV Basis- und Standardtarife, die mit den Tarifen der gesetzlichen Krankenversicherung mithalten können.

Infos: Beratung

Beratung zum Wechsel geben vor allem die gesetzlichen Krankenkassen. Um Ansprüche durchzusetzen, kann ein privat zu bezahlender Rentenberater (www.rentenberater.de) helfen. Weitere Hinweise beim Bund der Versicherten sowie beim Bundesgesundheitsministerium.


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Quellen

Gespräch mit Ann Marini, Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherer, Bonn, Okt. 2012






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