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Rat und Service

Wie gefährlich sind Energiesparlampen?

Von Torsten Wendlandt (8. Februar 2013)

Scherben von Energiesparlampen bringen kein Glück. Foto: PA/Joker

Die modernen Leuchtkörper enthalten Quecksilber. Wenn sie kaputt gehen, wird das giftige Metall freigesetzt und gelangt in die Atemluft. Wie Experten die Gefahr einschätzen.

Ob wir wollen oder nicht: Die Glühbirne wird ausgeschaltet. Auch wenn mancher Kellervorrat noch eine ganze Weile in den Stuben brennt, geht nun das Licht der Sparlampen auf. LED- und Halogen-, vor allem aber Energiespar-Lampen haben eine weit höhere Effizienz, verbrauchen weniger Strom, halten länger. Aber die neuen Leuchten haben auch eine dunkle Seite.

Die Vorbehalte der Kritiker von Energiesparlampen betreffen besonders gesundheitliche Gefahren und reichen von der Umweltbelastung durch mangelnde fachgerechte Entsorgung über schlechte Lichtqualität bis zur Belastung durch elektromagnetische Strahlung. Ein Gesundheitsrisiko indes, darin sind sich fast alle Mahner einig, steht ganz oben auf der Liste der Bedenken: Quecksilber.

Manche Lampen haben einen Splitterschutz

Das Nervengift und einzige Schwermetall, das bei Zimmertemperatur flüssig wird, gelangt durch Bruch in die Raumluft – wenn die Lampe keinen Silikon-Splitterschutz besitzt. Bei Modellen mit der Quecksilber-Legierung Amalgam wird es nur freigesetzt, wenn die Lampe leuchtet.

Nach einer Studie des Umweltministeriums von 2011 gelangten durch eine kaputte Lampe bis zu zehn Milligramm Quecksilber in die Luft. Würde man 150 mg Quecksilber einatmen, könnte dies tödlich sein. (EU-Grenzwert pro Lampe seit Anfang 2013: 2,5 mg). "Das Quecksilber", sagt Schadstoff-Experte Gerhard Zörner aus Delmenhorst, "bleibt im Gehirn, wirkt nervenschädigend und verursacht Herz-Kreislauf-Beschwerden. Energiesparlampen gehören komplett verboten."

Lampen sind nur ein Teil des Quecksilber-Kreislaufs

Eine Untersuchung des CDC in Atlanta (Centers for disease control and prevention) zeigt einen Zusammenhang zwischen höherer Quecksilber-Konzentration im Nabelschnurblut von Föten und sinkendem Intelligenzquotienten der Kinder. "Jedes Quecksilber-Molekül macht ein bisschen dümmer", sagt Zörner. Für den chemischen Analytiker stellen auch die Phenole im Lampensockel eine Krebsgefahr dar, ebenso der Elektrosmog, den die Lampen ausstrahlen: "Man müsste zwei bis drei Meter von der Leuchte weg sitzen, um den Strahlengrenzwert von Bildschirmen einzuhalten." Wissenschaftliche Nachweise für einen Zusammenhang von Quecksilber in der Atemluft und der Entstehung von Zivilisationskrankheiten wie Krebs, Diabetes und Osteoporose gibt es allerdings nicht.

Die Energiesparlampen selbst sind nur ein Teil des Quecksilber-Kreislaufs. "Allein durch die Minen in China, die für den EU-Markt produzieren, und die nicht luftdichte Zerstörung der Lampen in den Märkten und Sammelstellen kommt massenhaft Quecksilber in die Umwelt", sagt Zörner. Besonders bei Thunfisch seien hohe Konzentrationen gemessen worden, der EU-Quecksilber-Grenzwert für Fisch sei bis zu 30 Mal höher als bei Fleisch. Laut Deutscher Umwelthilfe sind es mehrere hundert Tonnen des Schadstoffs, die jedes Jahr durch nicht ordnungsgemäße Entsorgung der Lampen in die Umwelt gelangen.

Händler müssen Energiesparlampen nicht zurücknehmen

"Die Sammlung und Verwertung sind in der Tat ein Problem", sagt auch Michael Koswig von der Stiftung Warentest. Schließlich sind nur die Hersteller, nicht aber die Händler zur Rücknahme von Energiesparlampen verpflichtet. "Doch die Quecksilber-Bilanz der Glühbirne ist viel schlechter, weil sie einfach mehr Strom aus Kohleverbrennung verbraucht", sagt Koswig. Zwar könnten durch Bruch der Energiesparlampen die Quecksilber-Grenzwerte kurzfristig erreicht werden, "gesundheitliche Gefahren ergeben sich nach unseren Messungen daraus aber nicht, die Menge in der Luft ist einfach zu gering." Auch Phenole und Strahlung, so Koswig, stellten keine Risiken dar.

Die größte Schwäche der Energiesparlampe sieht Michael Koswig in der trügerischen Farbwiedergabe, aus einem roten Teppich könne schnell mal ein brauner werden. "Das wäre dann in einem Operationssaal sicher problematisch."

Tipps:

Bruch Das Umweltbundesamt rät, riechende Energiesparlampen zu entsorgen. Bei einem Bruch: Lampe vom Netz trennen, Fenster öffnen (Durchzug). Raum für 15 Minuten verlassen, dann größere Teile aufsammeln, kleinere zusammenkehren, Boden mit feuchtem Einwegtuch aufwischen. Bei Teppich erst Klebeband verwenden, dann absaugen (Beutel wechseln). Materialien in einem luftdichten Gefäß zur Sammelstelle bringen.

Lebensdauer Laut Stiftung Warentest erreicht nur die Hälfte der Energiesparlampen die deklarierte Lebensdauer. Das ist legitim, weil die Hersteller nur die Zeit angeben müssen, nach der die Hälfte von 20 Testlampen völlig ausgefallen ist. Die abnehmende Helligkeit wird dabei nicht beachtet.

Vergleich Quecksilberfreie LED-Lampen halten am längsten (12 000 Stunden/Glühlampe: 1000), haben den geringsten Helligkeitsverlust, die beste Energie- und Umweltbilanz – und sind am teuersten. Sie sollten dort eingesetzt werden, wo man häufig lange Licht braucht. Berücksichtigt man Kaufpreis, Stromkosten und Haltbarkeit, kostet Licht aus Glüh- und Halogenglühlampen zweieinhalb Mal soviel.


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Quellen

Gespräch mit Gerhard Zörner, Schadstoffexperte, Delmenhorst, Januar 2013
Gespräch mit Michael Koswig, Stiftung Warentest, Berlin, Januar 2013






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