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Psychologie

Was bringt eine Trennung auf Zeit?

Von Ute F. Wegner (25. Juli 2012)

Wenn Streitereien sich festgefahren haben, versuchen manche Paare eine Trennung auf Zeit. Foto: PA/Bildagentur online

Während einer Auszeit gewinnen beide Partner wieder mehr Eigenständigkeit und können prüfen, was der andere ihnen bedeutet. Eine Trennung auf Zeit ist Gefahr und Chance zugleich.

Manche  Paare vereinbaren bei Problemen eine Trennung auf Zeit, um Luft zu holen, Kraft zu tanken und den Streitigkeiten ein Ende zu setzen. Doch was bewirkt eine Trennung auf Zeit? "Man merkt, was der andere für einen bedeutet", erklärt Prof. Günter Esser, Leiter des Lehrstuhls Klinische Psychologie und Psychotherapie an der Universität Potsdam.

Es ist eine Zeit, in der man wieder zu sich selbst kommen, sich neu orientieren und auch eigenen Interessen nachgehen kann. Es ist auch ein "Singletest", bei dem man merkt, wie man allein zurecht kommt. "Die Partner gewinnen wieder ein Stückchen Eigenständigkeit", sagt Prof. Esser, "für die Beziehung bedeutet das Chance und Gefahr zugleich." Denn das Ende ist offen.

Entscheidend sind gemeinsame Regeln für die Trennung auf Zeit. Ist es eine Phase, in der beide über sich und die Beziehung nachdenken oder geht es darum, seine Attraktivität auszutesten. "Wenn beide das so sehen, ist das auch in Ordnung, meint der Potsdamer Psychologe.

Bei einer  Trennung auf Zeit sind klare Regeln wichtig

Klare Regeln, hinter denen beide stehen, sind wichtig. Und so sehr jeder auch seine Freiheit erst einmal genießen mag, gilt es, den anderen nicht ganz aus den Augen zu verlieren, sonst gibt's irgendwann kein Zurück mehr. "Sich zum Beispiel regelmäßig zu bestimmten Zeiten treffen, kann dabei sehr hilfreich sein." Wie oft das Paar aber zusammenkommt, ob einmal die Woche oder ein-, zweimal im Monat, ist von Paar zu Paar verschieden. Doch so bleibt ein Draht zum Partner erhalten, beide können über anstehende Entscheidungen im Alltag reden und im besten Fall über ihre Erfahrungen sprechen.

Wie lange eine Trennung auf Zeit überhaupt dauern sollte, hängt ganz davon ab, wie eng die Beziehung zuvor war. "Handelt es sich um eine sehr enge Beziehung, sind zwei bis vier Wochen ausreichend", sagt Prof. Esser, "Paare dagegen, die ohnehin nicht so eng zusammen sind, sollten eine längere Trennungsphase vereinbaren." Als Faustregel gilt: Eine Trennung auf Zeit sollte zwischen einer Woche bis längstens einem halben Jahr liegen. "Es hat keinen Sinn, sich für ein Jahr zu trennen, aber eine Woche sollte es wenigstens sein."

Trennung auf Zeit oder Trennung in Raten?

Ein entscheidender Faktor für das Gelingen des Experimentes ist die Intention der Partner, wenn sie auf Probe auseinander gehen. Wollen sie für sich eigene Interessen entdecken und verwirklichen, sich dabei überlegen oder mit dem Partner besprechen, wie sie diese in der Beziehung verwirklichen können? Das birgt die Chance für einen echten Neubeginn. Oder handelt es sich bei einer Trennung auf Zeit nur um einen faulen Kompromiss, eine Trennung in Raten, weil einer dem anderen nicht die Wahrheit sagen mag, dass er oder sie sich endgültig trennen möchte? "Das wäre nicht so günstig, weil es eher mit einer Enttäuschung endet. Auf der anderen Seite", ergänzt Prof. Esser, "weiß man nie, wie sich die Dinge entwickeln. Gefühle sind nicht kalkulierbar."

Zeit für die Kinder:

Wenn Paare viel streiten und zu Hause oft dicke Luft herrscht, kann eine Trennung auf Zeit besonders für sensible Kinder erst einmal entlastend sein. Es gilt, offen mit ihnen darüber zu sprechen. "Eltern sollten ihren Kindern sagen, wie es ist", rät Prof. Günter Esser von der Universität Potsdam.

Klare Regeln, von beiden Elternteilen aufgestellt, sind das A und O. An oberster Stelle sollte immer das Wohl der Kinder stehen. Wohnen die Eltern auch in der Trennungsphase auf Zeit dicht beieinander, entscheiden sich viele Paare für das Wechselmodell, wobei die Kinder mal bei der Mutter, dann wieder beim Vater leben. "Das ist häufig keine gute Lösung", sagt Prof. Esser. Besser sei es, die Kinder in der Familienwohnung zu belassen und dem anderen Partner zu ermöglichen, zu bestimmten Zeiten dabei zu sein. Voraussetzung ist, dass sich die Eltern weiterhin gut verstehen und in der Erziehung einig sind. Paare mit Kindern sollten sich maximal ein bis zwei Monate auf Probe trennen, rät Prof. Esser.


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Quellen

Gespräch mit Prof. Günter Esser, Leiter des Lehrstuhls Klinische Psychologie und Psychotherapie an der Universität Potsdam, Juli 2012






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