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Verbitterte Scheidungsväter

Von Susanne Wächter (10. Januar 2013)

Kontaktabbruch zu den eigenen Kindern lässt viele Väter verzweifeln. Foto: Getty/Photo Alto

Der Kampf um Besuchsrechte und der Kontaktabbruch zu den eigenen Kindern führt bei vielen Männern nach der Trennung zu psychischen Störungen. Wo Scheidungsväter Hilfe finden.

Etwa 230.000 Trennungen finden schätzungsweise jedes Jahr in Deutschland statt. Zehn Prozent von ihnen gelten als hochstrittig. Sie landen vor dem Familienrichter. Oft folgt ein erbitterter Kampf um die gemeinsamen Kinder. In vielen Fällen hoffnungslos. Neben den Kindern leiden häufig besonders die Väter unter einer Trennung, wenn sie die gemeinsamen Kinder nicht mehr sehen dürfen. Gesundheitliche Beeinträchtigungen können die Folge sein.

Peter H., der aus Sorge um seine Kinder lieber anonym bleiben möchte, fürchtet mittlerweile um seinen Job. Der seit vier Jahren andauernde Streit mit seiner Ex-Frau, die gerichtlichen Auseinandersetzungen, die fehlende Untersützung der Justiz und des Jugendamtes hätten ihn "mürbe" gemacht, sagt der 43-Jährige. Immer häufiger muss er dem Job fernbleiben, weil er unter starken Kopfschmerzen, Übelkeit und Schlafmangel sowie Konzentrationsschwächen leidet.

Peter H. sei kein Einzelfall, bestätigt  der Düsseldorfer Soziologe und Psychologe Dr. Walter Andritzky. "Viele Trennungsväter begeben sich in psychotherapeutische Behandlung", sagt Andritzky, der das Befinden vieler Väter als "Verbitterungssyndrom" bezeichnet, das sogar zum Suizid führen kann. "Im Einzelfall ist es schwer, zwischen den Belastungen zu unterscheiden, die aus der Trennung selbst, einem Umgangsboykott oder dem Kindesentzug resultieren", ergänzt der Psychologe. Väter haben seinen Angaben zufolge in diesen Situationen mit vielen veränderten Bedingungen zu tun. Die Trennung von der Frau, von den Kindern, der permanente Streit, bei manchen kämen finanzielle Probleme hinzu, die vor allen Dingen Selbstständige in den Ruin treiben können.

Phänomen kaum wissenschaftlich untersucht

Im Gegensatz zu den Auswirkungen, die eine strittige Trennung auf die Kinder hat, wurden die gesundheitlichen Folgen für die Väter bislang kaum untersucht. Es fehle fundierte wissenschaftliche Literatur. So wird noch immer gern auf die Abschlussarbeit der Freiburger Psychologin Esther Katona zurückgegriffen, die 2007 veröffentlicht wurde. Darin geht es um die zentrale Frage, wie es Vätern aber auch Müttern geht, die von ihren Kindern getrennt leben.

Als Grundlage dienten ihr Antworten, die ihr etwa 280 Eltern auf den von ihr und Kollegen entwickelten Fragebogen zugeschickt haben. Als sich das Ausmaß der gesundheitlichen und vor allem psychischen Beeinträchtigungen darstellte, war die angehende Psychologin erschrocken. Weit über die Hälfte der befragten Personen, zum größten Teil männlich, gab an, mit ihrem Leben unzufrieden zu sein. Ihre seelische Verfassung bezeichneten sie sogar als schlecht. Körperlich beeinträchtigt fühlten sich 53 Prozent.

Der Streit macht den Vater mürbe

Peter H. sieht seine Kinder auschließlich in Begleitung einer sogenannten Umgangspflegerin. Diese wird unter anderem eingesetzt, um die Beziehung zum getrennt lebenden Elternteil wieder aufzubauen. Dies läuft seit fast zwei Jahren so. "Die Treffen finden ausschließlich mit anderen Vätern in einem großen Indoor-Spielepark statt. Die Umgangspflegerin liest dabei Zeitung und kümmert sich nicht um uns", sagt der 43-Jährige Vater. Vier Stunden, alle zwei Wochen sieht er seine Kinder auf diese Weise.

Hat die Mutter keine Lust oder andere Gründe, die Kinder nicht zum Treffpunkt zu bringen, sieht Peter H. seine beiden Söhne gar nicht. "Dann muss ich mich wieder mit dem Gericht, dem Jugendamt und der Umgangspflegerin auseinandersetzen. Trotzdem bewegt sich nichts. Ich kann tun was ich will, es interessiert die nicht. Es interessiert die aber auch nicht, was aus den Kindern wird", sagt Peter H. Die Machtlosigkeit und das Gefühl, keine Rolle zu spielen, mache ihn krank. Ein typischer Fall, wie Andritzky bestätigt. "Frauen verstehen es perfekt sich als Opfer darzustellen. Väter stehen dann häufig schlecht vor dem Richter da." In den Köpfen der Justiz, aber auch bei den Jugendämtern herrsche immer noch ein antiquiertes Bild, das der Mutter einen wesentlich größeren Spielraum gibt als dem Vater.

Selbsthilfe: Vaterruf

Unter dem Namen "Väteraufbruch" gibt es bundesweit zahlreiche Selbsthilfevereine, um die Interessen von Vätern durchzusetzen. Der Bundesverband hat seinen Sitz in Frankfurt/M. und betreibt einen "Vaterruf" unter Tel. 0700 - 82 83 77 83.

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