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Psychologie

Paartherapie: Letzte Hoffnung

Von Manfred Pantförder (11. Januar 2011)

Wenn die Liebe verstummt, wächst die Unzufriedenheit Foto: pa/Denkou Images

Wenn Streit und Sprachlosigkeit die Beziehung gefährden, kann professionelle Hilfe notwendig sein. Eifersucht löst häufig eine Krise aus.

Auch wenn der Eindruck einer Single-Republik und wechselnder Partner dominiert: Folgt man Studien, so will das Gros der Männer und Frauen, die als Paare leben, unbedingte Treue. Doch reicht dies schon als Kitt für längere Zeit? Was tun, wenn das Kribbeln nachlässt, der Respekt voreinander brüchig wird?

Manche Paare versuchen es dann beim Psychotherapeuten, gehen zu Zweit in ein Gespräch, das Klärung und Belebung bringen soll. Beweggründe für diesen Schritt gibt es mehrere, die sehr verschieden sind: wenn die Beziehung langweilig geworden ist, wenn Zärtlichkeit und Sexualität erlahmen, wenn es viel Streit gibt oder – ganz gegensätzlich – wenn nicht mehr miteinander geredet wird. Eifersucht ist häufig Auslöser für eine Krise, wie auf der anderen Seite entsprechend das Gefühl, kontrolliert zu werden. Beides untergräbt das Vertrauen, das unabdingbar ist.

In der Liebe kann nicht verhandelt werden

Wenn ein Paar professionelle Hilfe bei einem Psychotherapeuten sucht, sind die Verstrickungen meist schon sehr belastend. Tritt dieser Dritte als Streitschlichter auf, werden Wurzeln des Konflikts freigelegt, werden neue Ziele gesteckt? "In der Liebe ging es offenbar ausschließlich um Dinge, über die zu verhandeln nicht möglich war", bilanziert Susan M. Johnson, Psychologie-Professorin der Universität Ottawa, Kanada, nach zahlreichen Gesprächen mit Paaren. Es ginge vielmehr um ein emotionales Drama, um Gefühlsausbrüche, wenn Paare sich auseinandersetzten, für Vernunft und Gespräch war wenig Raum. "In Liebesbeziehungen geht es um das angeborene Bedürfnis nach sicherer emotionaler Verbundenheit."

Es gibt zentrale negative und positive emotionale Momente, die eine Paarbeziehung definieren, benennt Susan Johnson die grundlegende Erkenntnis, wie sie zu einer veränderten Sicht der möglichen psychotherapeutischen Hilfestellung gelangte. Sie verfolgt einen Ansatz, der als emotionsfokussierte Therapie bezeichnet wird. Die Botschaft lautet: "Sie brauchen nur zu erkennen und zuzugeben, dass Sie emotional mit Ihrem Partner verbunden und von ihm abhängig sind, ähnlich wie ein Kind von seinen Eltern abhängig ist, weil es darauf angewiesen ist, von ihnen emotional unterstützt, beruhigt und geschützt zu werden."

Frühe Kindheit analysieren - oder nicht?

Dieser Ansatz vernachlässigt bewusst Erkenntnisse darüber, wie ein Partner zu seinem Beziehungsmuster gekommen ist, welche Strategien er sich aufgrund Erfahrungen im Elternhaus oder auch in anderen sozialen Gefügen zugelegt hat. "Sie brauchen Ihre frühe Kindheit nicht zu analysieren", formuliert Johnson.

Auf dieses Instrumentarium wollen Vertreter einer analytisch ausgerichteten Paartherapie demgegenüber nicht verzichten. Sie gehen vielmehr davon aus, dass Beziehungsmuster frühzeitig verinnerlicht worden sind und auch im Erwachsenenalter immer wieder greifen. Weil diese aber zur Konfliktlösung nicht mehr angemessen seien, sondern nur mehr Enttäuschung brächten, seien sie letztlich für eine Paarbeziehung gefährlich und müssten aufgedeckt, bewusst gemacht werden.

Beziehungsprobleme sind keine Krankheit

Wann aber ist eine Paartherapie dringlich? Beziehungsprobleme sind ja keine akute Krankheit. Das Gesetz über den Beruf des Psychotherapeuten definiert denn auch, dass es sich bei der Aufarbeitung sozialer Konflikte, zu denen Beziehungsstörungen zählen, nicht um Psychotherapie handelt. Es geht eher um Beratung, begleitet durch Psychotherapeuten, die meist tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie, Psychoanalyse, Verhaltens- oder systemische Therapie, die das soziale Beziehungsgeflecht betrachtet, anbieten. Häufig ist es Leidensdruck, der ein Paar in die Praxis bringt, manchmal als letzte Hoffnung. Als Retter sehen sich Psychotherapeuten aber nicht, weil das Paar sich selbst verändern muss.

 

Kosten: Honorare

Selbstzahler Die gesetzliche Krankenversicherung sieht die Kostenübernahme für Paartherapie nicht vor. Die privat zu zahlenden Honorare variieren, eine 60-Minuten-Sitzung muss mit 70 bis 90 € oder auch mehr veranschlagt werden. Die Zahl der empfohlenen Therapiesitzungen wie deren zeitlicher Abstand hängen von der individuellen Dringlichkeit ab.

Anbieter Meist bieten ärztliche und psychologische Psychotherapeuten mit entsprechender Zusatzausbildung Paartherapie an. Die Tätigkeitsbezeichnung Paartherapeut allein sagt noch nichts über eine Qualifikation aus, denn sie ist staatlich nicht anerkannt. Gesetzlich geschützt ist das Berufsbild des Psychotherapeuten.

Buchtipp "Halt mich fest,  Emotionsfokussierte Therapie in der Praxis", Susan M. Johnson, Junfermann Verlag, Paderborn 2011, 301 Seiten, 26,90 €


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Quellen

Susan M. Johnson, Professorin für Psychologie, Universität Ottawa, Kanada






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