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Oxytocin schafft frühe Bindung

Von Prof. Ulfried Geuter (13. Mai 2011)

Das Hormon Oxytocin ist ein Neuropeptid, ein Botenstoff der körpereigenen Kommunikation. Es gibt Signale an das parasympathische Nervensystem, aktiver zu werden.

Wussten Sie, dass Präriewühlmäuse monogame Beziehungen pflegen, während sich Bergwühlmäuse wild untereinander paaren? Der Grund: Die beiden Arten unterscheiden sich hormonell. Wühlmäuse, die sich binden, haben mehr Oxytocin.

Oxytocin gilt als Bindungshormon. Beim Stillen, bei Wärme und bei Berührung steigt sein Spiegel an. Oxytocin löst die Wehen aus und lässt die Gebärmutter sich zusammenziehen. Wenn Babys schreien, bekommt die Mutter einen Oxytocinstoß: ein hormonelles Signal, sich dem Kind zuzuwenden. Das Baby produziert Oxytocin, wenn es gestillt wird.

Umarmen wir uns, erhalten wir eine Extra-Dosis. Besonders hoch ist sie beim Orgasmus. Daher sind wir danach so entspannt. Denn das Hormon Oxytocin ist ein Neuropeptid, ein Botenstoff der körpereigenen Kommunikation. Es gibt Signale an das parasympathische Nervensystem, aktiver zu werden. Das wiederum mindert die Spannung in den Skelettmuskeln und aktiviert die Muskulatur in der Gebärmutter, den Verdauungsorganen, den Blut- und Lymphgefäßen.

Die schwedische Physiologie-Professorin Kerstin Uvnäs-Moberg hat nachgewiesen, dass das Niveau der Oxytocin-Ausschüttung in der Kindheit für den Rest des Lebens programmiert wird. Werden Babys gestillt, erhalten sie eine lebenslang wirksame Anti-Stress-Impfung. Denn je häufiger Oxytocin ausgeschüttet wird, desto mehr wächst sein Anti-Stress-Effekt an. Erfahren Kinder liebevolle Fürsorge, reagieren sie als Erwachsene auf Zuwendung mit einem höheren Oxytocin-Ausstoß als Menschen, die als Kinder vernachlässigt wurden. Obwohl die Wirkungszeit des Oxytocin nur Minuten beträgt. Die Langzeiteffekte, vermutet Uvnäs-Moberg, kommen dadurch zustande, dass durch gute Erfahrungen die Herstellung körpereigener Opioide, die mit der Oxytocin-Produktion zusammenhängen, konditioniert wird.

Auch der Mutter hilft das Stillen. Stillende Mütter erzeugen mehr Oxytocin und bei Stress weniger von dem Stresshormon Cortisol als Mütter, die Babys mit der Flasche ernähren.

Gute menschliche Bindung schützt also vor Stress, ganz hormonell. Sie schafft Vertrauen und macht weniger aggressiv. An der Universität Zürich sprühten Forscher Versuchspersonen bei einem Experiment Oxytocin in die Nase. Diese Personen hatten danach bei einem Spiel mehr Vertrauen in ihre Partner als andere Versuchspersonen. Bei streitenden Paaren mildert Oxytocin den Streit.

Liebe, Zärtlichkeit und Berührung sind also gut für die Gesundheit. Auch daher sollten wir sie pflegen.

Kolumnist: Prof. Ulfried Geuter

Kolumnist Prof. Ulfried Geuter  ist Psychologischer Psychotherapeut in Berlin und lehrt in Marburg


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